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Wenn die Hormone sprudeln

Biochemische Prozesse im Körper lassen uns himmelhoch jauchzen, von Herzen lieben und Mitgefühl zeigen.

Die meisten Menschen kennen die berühmten Schmetterlinge im Bauch, wenn sie frisch verliebt sind, das Hochgefühl, wenn man sich nach langem Sparen endlich einen heiß ersehnten Gegenstand kauft oder gar geschenkt bekommt oder auch das Wohlbefinden beim Erinnern an schöne Momente. Doch was passiert in diesen Momenten im Körper? Woran erkennt das Gehirn, dass es sich um einen Glücksmoment handelt?

Tatsächlich laufen in diesen Glücks- oder Wohlfühlmomenten zahlreiche biochemische Reaktionen im Körper ab – und einen Hauptanteil daran haben Hormone. „Oxytocin, Serotonin, Dopamin sowie in Teilen Noradrenalin und die körpereigenen Endorphine sorgen dafür, dass wir uns glücklich beziehungsweise wohl fühlen“, erklärt Professor Jan Tuckermann, Leiter der Allgemeinen Zoologie und Endokrinologie an der Universität Ulm. Jedes von diesen werde bei unterschiedlichen Glückszuständen im Körper ausgeschüttet.

So weiß man beispielsweise, dass die körpereigenen Endorphine unter anderem zum „Runners High“ bei Extremsportlern führen – also dem Zustand, in dem sie den Schmerz nach einer gewaltigen Anstrengung nicht mehr wahrnehmen und trotz der Strapazen eine Euphorie verspüren. Diese Art von Hochgefühl kann sogar zu einer Abhängigkeit führen: Denn um es immer wieder zu spüren, treiben Sportler ihren Körper immer stärker an seine Belas­tungsgrenze – und schaden ihm damit letztlich.

Anders agiert da Oxytocin: Das Hormon ist aus der Medizin bekannt. Es löst den Geburtsvorgang aus, indem es physiologische Effekte, wie Kontraktionen und die Milchproduktion stimuliert. „Doch es bewirkt noch weit mehr“, erklärt Tuckermann. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Oxytocin die emotionale Bindung zum Kind fördert wie auch die Bindung zum Partner.“ Es sorgt also für das Liebesglücksgefühl.

Angstgefühl verdrängt

Untersuchungen mit frisch verliebten Paaren haben gezeigt, dass in diesem Zustand eine erhöhte Ausschüttung dieses Hormons in der Hirnanhangsdrüse zu verzeichnen ist – unter anderem dann, wenn die Paare noch in der Anfangszeit zum Beispiel von ihrem ersten Treffen oder dem Kennenlernen erzählten. Dieses Hormon sorgt unter anderem deshalb für Wohlbefinden, weil es Angstgefühle verdrängt, weiß Tuckermann.

Eng verbunden mit den Wirkungen von Oxytocin ist das sogenannte Belohnungssystem von Dopamin. „Immer wenn wir uns belohnen wollen, sei es nun mit Nahrungsmitteln wie der berühmten Schokolade oder auch mit Suchtmitteln, dann spielt das Dopamin gemeinsam mit dem Serotonin eine wichtige Rolle“, erklärt der Endokrinologe. Die Glück erzeugende Wirkung des Dopamins kenne man aus der Suchtforschung, da es stark mit Abhängigkeiten von Drogen in Verbindung gebracht wird.

Wenn Serotonin im Gehirn ausgeschüttet wird, helle sich unsere Stimmung auf. Das Hormon (Formel siehe oben) helfe zudem, Gedächtnisprozesse – unter anderem Erinnerungen – mit angenehmen Gefühlen zu verbinden. Nicht zuletzt spielt Serotonin eine Rolle in der Schlafregulation – ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden.

Im Darm und im Gehirn

Produziert wird das Hormon im Darm und im Gehirn. Und das hat seinen besonderen Grund: Denn das im Darm ausgeschüttete Serotonin wird zwar über das Blut im Körper verteilt, kann aber nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren. Daher wird das Hormon auch im Gehirn produziert, um von dort aus als Neurotransmitter Informationen an Nerven weiterzuleiten.

„Das Problem ist, dass Serotonin sehr schnell in die Zellkörper aufgenommen und dadurch wirksam wird“, sagt der Endokrinologe. Daher verabreiche man Menschen mit Depressionen auch keine Substanzen, die den Serotoningehalt erhöhen, sondern Wirkstoffe, die die Wiederaufnahme in die Zellkörper blockieren. So halte die aufhellende Wirkung länger an.

Man könne in einem gewissen Maße die Serotonin-Ausschüttung im Gehirn anregen, indem man Nahrungsmittel zu sich nehme, die Tryptophan enthalten. Diese Aminosäure könne die Blut-Hirn-Schranke passieren und werde dann im Gehirn zu Serotonin synthetisiert. Daraufhin kann das Hormon auch verstärkt ausgeschüttet werden.

Bleibt noch die Frage, wie der Organismus überhaupt erkennt, dass wir oder andere gerade etwas getan haben, das uns glücklich macht. „Unser emotionales System befindet sich im limbischen System des Gehirns. Dort entstehen sämtliche emotionalen Reaktionen und motivierten Verhaltensweisen“, erläutert Tuckermann. Auslöser dafür sind unterschiedliche kognitive Erfahrungen, wie die Wahrnehmung oder auch eine Erinnerung, sowie Reize von unseren Sinnesorganen, wie zum Beispiel eine Berührung.

Fehlendes Wissen

Wie man nun Glück, Liebe und Wohlbefinden empfinde, das sei codiert durch die Ausschüttung unterschiedlicher Hormone, die das limbische System ansteuern. „Aber“, so betont der Wissenschaftler, „wie es zu diesen Mustern für einen ganz bestimmten Code kommt, über diese Feinregulierungsmechanismen, darüber wissen wir noch zu wenig.“ Dabei wäre genau diese Information wichtig, um zum Beispiel Autismus behandeln zu können. „Wir wissen nicht, ob diese Störung dadurch hervorgerufen wird, weil die Produktion von bestimmten Neurotransmittern gestört ist oder ob es sich möglicherweise um eine Störung von synaptischen Verschaltungen handelt“, erklärt Tuckermann.

Kuscheln macht glücklich, das wissen schon die Kleinsten. Verantwortlich dafür ist unter anderem das Hormon Oxytocin.

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