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interview

Wie teuer das Glück …

Stefanie Thaler (26) ist Physiotherapeutin und wohnt in Bürs. Die junge Frau wollte Erfahrungen im Ausland sammeln und entschied sich für einen Freiwilligen-Einsatz in Armenien. Vor Ort unterstützte sie in einem Betreuungszentrum Kinder mit Behinderung.

Was hast du vor deinem Freiwilligeneinsatz über Armenien gewusst?

Stefanie Thaler: Ich musste erst einmal auf einer Karte nachschauen, wo genau Armenien überhaupt liegt. Das erste Mal mit diesem Land konfrontiert worden bin ich, als ich auf Reisen durch Jerusalems Altstadt spaziert bin. Doch damals hätte ich nie gedacht, dass ich einmal eine längere Zeit dort verbringen würde.

Was waren deine Beweggründe für einen Freiwilligen-Einsatz? Und wie hat dein persönliches Umfeld auf deine Entscheidung reagiert?

Stefanie Thaler: Ich habe immer schon mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu gehen und an einem Sozialprojekt mitzuarbeiten. Während der Recherche im Internet stieß ich auf die Homepage der Caritas Vorarlberg. Die vorgestellten Projekte haben mich überzeugt. Vor allem die Schilderungen von „Emils Kleine Sonne“, einem Tageszentrum für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen, haben mich fasziniert. Es war mir wichtig etwas zu finden, wo ich meine beruflichen Fähigkeiten als Physiotherapeutin miteinbringen kann.

Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt und sich gleich darauf gefreut, mich im Sommer besuchen zu kommen und das Land selbst kennen zu lernen.

Wie wurdest du auf deinen Aufenthalt vorbereitet?

Thaler: Die Caritas bietet einen Auswahl- und Vorbereitungszyklus an. Abschluss ist ein mehrtägiges Entsendeseminar. Das wird von unterschiedlichen Personen aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit moderiert. Wir hatten Workshops zu Themen wie „meine Rolle im Ausland, Kultur und Kulturschock, Umgang mit Gewalt, interkulturelle Kommunikation, medizinische Vorbereitung etc.“ Einen Nachmittag hatten wir zur Verfügung, um länderspezifische Informationen und Erfahrungen von ehemaligen Freiwilligen zu erhalten. Für meinen Armenien-Aufenthalt fand ich das sehr hilfreich.

Wie waren deine ersten Eindrücke vom Land und den Leuten, als du angekommen warst?

Thaler: Die Menschen sind sehr warmherzig, gastfreundlich und offen gegenüber Fremden. Sie würden alles dafür geben, damit sich ihr Gegenüber wohl fühlt. Das Land Armenien ist wunderschön. Jede „Provinz“ hat ihre eigenen Charakterzüge, da gibt es weite Hochebenen, kalte Bergseen, bunte Blumenwiesen und tiefe Schluchten. Nur steinig ist es überall. Man könnte quasi behaupten: Die Armenier sind steinreich.

Wie sah denn dein Tagesablauf vor Ort aus?

Thaler: Während meines Aufenthaltes habe ich in dem Tageszentrum (Emils Kleine Sonne, Anm.) gewohnt und gearbeitet. Die Kinder kamen am Morgen und gingen am späten Nachmittag wieder nach Hause. Ich habe den Physiotherapeuten vor Ort unterstützt und zusammen mit den armenischen Freiwilligen die Kinder unter den schwierigen Bedingungen bestmöglich gefördert. Mit ihnen gegessen, gesungen und gespielt. Es hat mich glücklich gestimmt, dass nun ein neues Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Behinderung in Armenien entsteht. Das alte Zentrum war nicht barrierefrei, sehr verwinkelt, in einem Hinterhof gelegen. Mit dem neuen Zentrum kann eine neue Qualität der Förderung gewährleistet werden.

Wie sah es mit der Verständigung aus – ging das in Armenisch oder auf Englisch?

Thaler: Vor meiner Abreise habe ich versucht, Armenisch zu lernen. Aber zum Glück sprachen einige Mitarbeiter des Betreuungszentrums auch Englisch. Die Kinder haben sich anfangs sehr über mein Armenisch amüsiert. Doch mittlerweile kann ich mich verständigen und etwas unterhalten, natürlich nicht fehlerfrei, aber es funktioniert. Mir hat es auch großen Spaß gemacht, diese Sprache zu erlernen.

Hattest du auch manchmal Heimweh?

Thaler: Ich brauchte einige Zeit, um mich einzuleben, doch dann habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Meine Freizeit habe ich genutzt, um Land und Leute kennenzulernen. Bin gereist, habe Freunde getroffen. Insgesamt habe ich die Zeit in Armenien sehr genossen.

Welches Erlebnis ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Thaler: Die Lebensfreude der Kinder mitzuerleben. Diese ist immer direkt auf mich übergegangen.

Welche Erfahrungen nimmst du für dein Leben mit?

Thaler: Ich konnte eine interkulturelle Sensibilität in Bezug auf Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln entwickeln. Zudem habe ich gelernt, wie wichtig Zeit, wie teuer das Glück und wie schön das Leben ist.

Was sind deine Pläne für die Zeit nach deinem Einsatz?

Thaler: Meine Zeit dort erinnert mich an viele Geschichten aus dem Buch „Der kleine Prinz“. Besonders an die Stelle, an der der kleine Prinz auf den Fuchs trifft und sie sich die Zeit nehmen sich kennenzulernen, zu schätzen und zu erkennen, wie wichtig sie füreinander sind. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“, sagt der Fuchs. Mir sind die Kinder, die Mitarbeiter, die Leute und das Land in diesen acht Monaten sehr ans Herz gewachsen. Vergangenes Jahr wurde mit dem Neubau des Tageszentrums begonnen. Ich möchte diesen Prozess begleiten und beim Neuaufbau mitwirken. Weil Emils Kleine Sonne wirklich eine Sonne für viele Menschen in Armenien ist.

■ Infos: www.facebook.com/Internationale Freiwilligeneinsätze

www.caritas-vorarlberg.at

Interview: Rubina Bergauer

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