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Klingendes Krumbach

An allen Ecken und Enden wurde beim Dorfklang in Krumbach musiziert, gesungen und geklatscht. Jung und Alt, Vorder- und Hinterwälder kamen dabei zusammen und amüsierten sich sehr.

Elisabeth WIlli

Freitagabend im Krumbacher Gasthaus Löwen: Obwohl sich einige der etwa 15 Personen in der Gaststube gar nicht kennen, singen sie einmütig das Wälderlied „Uffom Strich“. Nichts Anrüchiges ist in dem alten Lied mit „Strich“ gemeint, sondern es bezeichnet die „Stubat“, den Besuch eines Mannes bei seinem „Schätzle“. Als dieses schließlich seinen Heiratsantrag annimmt und alle Sänger zufrieden verstummen, stimmt der Dreigesang Schwarz das Lied „Am Morgo“ vom kürzlich verstorbenen Mundartdichter Kaspar Troy an. In der Gaststube nebenan spielt derweil die Familienmusik Wachter auf ihren Blasinstrumenten. Die Gäste hier hören zu, sie unterhalten sich, trinken ein Bier oder essen eine Gerstensuppe. Flink bewegen sich die Kellnerinnen zwischen der Theke und den Tischen hindurch, es herrscht Hochbetrieb. Und das freitags, wo doch im Löwen nur am Dienstagabend gewirtet wird. Das Gasthaus hat heute extra für den Dorfklang seine Pforten geöffnet.

Beim Dorfklang erklingt ein ganzes Dorf: In drei Gasthäusern spielen und singen Bregenzerwälder Musikanten, tatkräftig unterstützt durch den Chor der Gäste. Kurts Dorfzügle bringt die Besucher von einer Wirtschaft zur anderen. Margret Broger vom „kulturverein bahnhof“ und Veronika Sutterlüty haben den Dorfklang vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal veranstaltet. Er ist zweimal pro Jahr und abwechselnd im Vorder-, Mittel- oder Hinterwald ein fixer Termin. Nach Andelsbuch, Hittisau, Bizau und Egg stand nun Krumbach einen Abend im Zeichen der Musik und des Gesangs.

Singen im Dorfzügle

Drei Alphornspieler eröffnen den Dorfklang vor der Kirche, voll und friedlich klingen ihre Weisen. Danach startet Kurts Dorfzügle, ein oranger Zug auf Rädern. Darin spielt das „Trio Edelweiß“, gleich beim ersten Lied „Auf der Autobahn“ klatschen und singen die Besucher lautstark mit. Die Fahrt schmeichelt aber nicht nur dem Ohr, sondern auch dem Auge: Die Strecke führt entlang von Wiesen, in denen weiße und gelbe Blumen blühen, eine kleine Kapelle steht am Wegesrand, die Landschaft ist sanft hügelig. Mitten im Krumbacher Ried befindet sich das Gasthaus Löwen, bei dem die ersten Gäste aussteigen. Dann rattert das Zügle zum Gasthaus Kressbad weiter. Dort spielt in der niedrigen, gemütlichen Stube gerade „s’Wälderduo“ das selbst komponierte Lied „Dor Wäldarmarsch“. Freundlich lächelnd begrüßen die Gäste, die schon hier sind, die Neuankömmlinge und bieten ihnen Platz an ihren Tischen an. Ungewöhnlich schnell kommt man beim Dorfklang miteinander in Kontakt. Vorderwälder sitzen neben Hinterwäldern, Mittelwälder neben Touristen, Jung neben Alt. Auch beim Warten auf das Zügle vor den Gasthäusern lässt sich leicht eine neue Bekanntschaft schließen.

Wirtshäuser beleben

Der Dorfklang belebt eine vergessene Bregenzerwälder Tradition: Früher trafen sich die Menschen öfters in Wirtshäusern, sangen und musizierten gemeinsam. Die besondere Veranstaltung ist heuer meist in Gasthäusern angesagt, die nicht mehr oder nur noch selten bewirtet werden. „Wir möchten die alten Wirtshäuser aufleben lassen und der Bevölkerung zeigen, welche Ressourcen es im Bregenzerwald gibt“, erklärt Ini­tiatorin Margret Broger und fährt fort: „Normalerweise besucht man diese Gaststätten nicht und hat nun einmal die Gelegenheit dazu.“ Für die Musikgruppen – meistens treten rund sieben auf – ist der Dorfklang eine Möglichkeit, sich einem größeren Publikum vorzustellen. „Sie reißen sich beinahe schon darum, bei uns aufzutreten“, sagt Margret Broger. Der Erfolg bestätigt das Konzept der beiden Dorfklang-Initiatorinnen: Bisher waren sämtliche Veranstaltungen sehr gut besucht.

Zu einem gemütlichen Abend gehört nicht nur Gesang, sondern auch Speis und Trank. Deshalb wird beim Dorfklang Kulinarisches aus der Re­gion aufgetischt. Das Team vom Gasthaus Adler in Krumbach kredenzt etwa „Wäldarhennele“, Schweinshaxe vom Krumbacher Moorschwein und Spargel vom Bodensee. Köstlich schmeckt dieses Gericht in der gediegenen Gaststube mit der alten Täfelung und dem Kreuz im Herrgottswinkel, während die Musikgruppe „Blech hoch fünf“ mit ihren Blasinstrumenten die Titelmelodien von Nils Holgersson und Pippi Langstrumpf spielt. Ein Täfelchen beim Buffet weist darauf hin, was die Speisen kosten: „Iss was d’witt und zahl, was as dr Wert ischt.“

Nach dieser Stärkung geht es noch einmal mit dem Dorfzügle, in dem die Stimmung immer ausgelassener wird, zum Gasthaus Löwen. Dort haben sich die Gäste mittlerweile einen weiteren Raum erobert: Hinter einer Tür, die mit dem Schild „Küche“ gekennzeichnet ist, sitzen zahlreiche Besucher um einen Tisch, sie singen, schunkeln und klatschen. In der Gaststube gegenüber ist ein Tisch voll mit Krumbachern besetzt. Wie gefällt denn ihnen der Dorfklang? „Super“ und „guat“, „es ist schön, dass man einmal zusammenkommt“, antworten sie. Dieses Zusammenkommen findet Agathe aus Egg, die mit einer Ausnahme bei jedem Dorfklang dabei war, ebenfalls besonders. „Das ist belebend für ein Dorf“, meint sie und singt danach fröhlich beim nächsten Lied mit. Auch der Krumbacher Bürgermeister Arnold Hirschbühl ist begeistert. „Etwa ein Viertel der Besucher sind Krumbacher, der Rest kommt von außerhalb. Diese Veranstaltung bringt die Region zusammen“, sagt er. Rundum zufriedene Besucher also. Und so freuen sich viele von ihnen auf den nächsten Dorfklang, der im August die Hinterwäldergemeinde Bezau zum Klingen bringen will.

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