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Müll-Kampf mit harten Bandagen

Eines der letzten Monopole neigt sich zu Ende: Ab 2015 wird der Markt für die Sammlung und Verwertung von Verpackungsmaterial aus Haushalten freigegeben. Damit kommen auf den bisherigen Monopolisten ARA (Altstoff Recycling Austria) harte Zeiten zu. Die ARA muss sich den Kuchen künftig mit fünf Konkurrenzfirmen teilen, die teils aggressiv in den Markt drängen. Es geht um rund 144 Millionen Euro Lizenzeinnahmen pro Jahr und um den Zugang zu wertvollen Altstoffen. „Wir sind gut gerüstet und haben die Marktöffnung sowieso schon lange erwartet, alles andere wäre Vogel-Strauß-Politik gewesen“, betont ARA-Vorstand Werner Knausz. Wie viele Marktanteile er wird halten können, will Knausz nicht prognostizieren. Er verweist aber auf Deutschland, wo die Öffnung schon 2005 vollzogen worden ist. Dort habe es zunächst ein „Horrorszenario“ gegeben, weil der frühere Monopolist DSD (Duales System Deutschland) binnen Kurzem mehr als die Hälfte des Marktvolumens verlor. Erst danach konnte sich das angestammte Sammelsystem bei rund 70 Prozent Marktanteil stabilisieren.

„Um ein Hauseck besser“

Knausz ist überzeugt, dass es für die ARA besser laufen wird: „Wir sind um ein Hauseck besser aufgestellt.“ Tatsächlich sind die ARA-Lizenztarife seit 1995 von 310 Euro auf 121 Euro je Tonne Altstoff gesunken, während die Sammelmenge um ein Drittel auf 834.000 Tonnen stieg. Allerdings ist die ARA kraft Statut eine Non-Profit-Organisation: Macht diese Gewinn, dann werden im Folgejahr die Tarife gesenkt. Außerdem kam der ARA zugute, dass Altpapier und Kunststoff über die Jahre zu begehrten Rohstoffen geworden sind. Für den Endverbraucher wird sich nichts ändern, die Sammelstellen und Müllinseln werden gemeinschaftlich betreut. Im Idealfall werde „der Endkunde gar nichts merken“, hofft Knausz.

Allerdings könne ein fairer Wettbewerb nur entstehen, wenn flächendeckend kontrolliert werde. Denn manches im Bereich Müll sei Definitionssache, und weil die Sammlung von Gewerbemüll um vier Fünftel billiger als die Sammlung von Hausmüll-Verpackungen sei, würden die Erzeuger stets versuchen, ihre Produktverpackungen in den Gewerbebereich „hinüberzudefinieren“. Das Kontrollrecht lag bisher bei der ARA – diese schickte regelmäßig Wirtschaftsprüfer in die etwa 16.000 Firmen, die Verpackungen in Verkehr bringen. Künftig soll eine „Verpackungskoordinierungsstelle“ des Umweltministeriums kontrollieren.

Neue Sammelsysteme

Als neue Konkurrenten treten die drei deutschen Sammelsysteme Landbell, Interseroh und Reclay sowie zwei heimische Systeme auf, die lustigerweise „Gut“ und „Bonus“ heißen. Das Rennen läuft mit harten Bandagen: So wirbt Interseroh mit dem Slogan „Platzhirsch adieu!“. Und Reclay behauptet im Internet, dass die ARA in den vergangenen Jahren überhöhte Lizenzbeiträge kassiert habe und sich mit einem EU-Wettbewerbsverfahren herumschlagen müsse.

ERNST SITTINGER

SO FUNKTIONIERT DIE VERPACKUNGS-SAMMLUNG

Wer als Produzent oder Gewerbebetrieb Verpackungen in Verkehr bringt, ist per Gesetz zur vollständigen Rücknahme verpflichtet.

Der Beitritt zu einem Altstoff-Sammelsystem befreit von dieser Pflicht. Bei gewerblichem Müll gibt es seit 1997 einen freien Markt. Bei Haushaltsmüll sammelt bis Ende 2014 nur die von der Wirtschaft gegründete Plattform ARA.

Dem ARA-System sind rund 16.000 Betriebe beigetreten, die dafür zuletzt 144 Millionen Euro an Lizenzgebühren zahlten. Die ARA sammelt die Altstoffe nicht selbst, sondern beauftragt ihrerseits Entsorgungsbetriebe und Gemeinden.

Künftig gibt es konkurrierende Sammelsysteme. Sie sammeln gemeinsam, teilen aber Gebühren und Altstoffe je nach Marktanteil.

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