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Schwarz ist die schönere Farbe

Seit neun Jahren ist Christian Gantner (ÖVP) Bürgermeister in Dalaas. Sein Cousin Matthias Strolz sorgte bei den Wahlen im Herbst dafür, dass Gantners Gemeinde zur pinken Hochburg wurde. Das Verhältnis der beiden ist dennoch sehr gut.

Sonja Schlingensiepen

Geschichte wollte Christian Gantner nicht schreiben. Zumindest nicht als erster NEOS-Bürgermeister. Und auch nicht als NEOS-Abgeordneter im Nationalrat oder Landtag. Er gibt diese zwar nicht offen zu, den „Abwerbeversuchen“ seines Cousins Matthias Strolz hat er offensichtlich widerstanden. Ebenso jenem Angebot eines NEOS-Mitglieds, das ihn fragte, ob er denn nicht Geschichte schreiben wolle. „Ich versuche dies jeden Tag zu tun. Aber eben mit kleineren Dingen auf Gemeindeebene“, so lautete unlängst die Antwort des „schwarzen“ Bürgermeisters.

Politik hat für Gantner vor allem etwas mit Loyalität zu tun. „Deshalb sehe ich meine politische Heimat bei der Vorarl­berger Volkspartei. Dort fühle ich mich richtig und dafür hat mein Cousin auch Verständnis.“ Gantner ist zufrieden mit der Arbeit der Vorarlberger Volkspartei. Besonders für die Gemeinden und die Menschen, die in Vorarlberg leben, werde sehr viel getan. „Hinsichtlich der Bundes-ÖVP ist der Grad der Zufriedenheit allerdings nicht so hoch“, gibt er zu.

Eine Ansicht, die offenbar einige Einwohner in Wald und Dalaas teilen. 39,9 Prozent der Stimmen hatte Matthias Strolz mit den NEOS bei den Nationalratswahlen im Herbst in der Heimatgemeinde geholt. Nur 14,7 Prozent stimmten für die ÖVP.

„Das Ergebnis wäre nicht so ausgefallen, wenn die Bürger mit der Bundespolitik zufrieden gewesen wären“, meint der Bürgermeister. Und noch zwei weitere Gründe hätten im Herbst eine Rolle gespielt: „Vorarlberger sind kritischer, streitbarer. Sie lehnen sich gerne mal gegen Wien auf.“ Und nicht zuletzt hätten die Klostertaler das Gefühl gehabt, einen der ihren zu unterstützen. „Denn auch wenn der Matthias schon länger in Wien lebt, gilt er immer noch als Klostertaler.“

Intensiver Kontakt

Der Familiensegen hängt trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen nicht schief. Im Gegenteil. Nicht nur die beiden Familien kommen nach wie vor bestens miteinander aus. Auch Gantner trifft sich regelmäßig mit seinem Cousin. Früher verbrachten die beiden viel Zeit miteinander, waren zusammen beim Heuen. Durch den Umzug nach Wien hatten sich die beiden ein bisschen auseinandergelebt. Doch seit dem „Geständnis“, eine eigene Partei zu gründen, ist der Kontakt zum NEOS-Chef wieder sehr intensiv geworden.

„Die Politik sollte Menschen und Familien nicht entzweien. Im Gegenteil, sie soll zusammenführen. Wir können voneinander lernen und vielleicht braucht es auch ein bindendes Glied“, sagt Gantner. Ob er dies im Hinblick auf die Landtagswahlen und eine schwarz-pinke Koalition gesagt hat? „Da ist erst einmal der Wähler am Zug. Ich denke aber, dass es immer mal wieder Gespräche zwischen den Parteien braucht. Da muss es nicht gleich um Koalitionen gehen.“

Für die Arbeit seines Cousins findet Gantner durchaus lobende Worte: „Dem Matthias gegenüber empfinde ich große Wertschätzung. Es ist schon eine Leistung, mit einer neu gegründeten Partei im ersten Anlauf in den Nationalrat einzuziehen. Auch die Leidenschaft, mit der er Politik macht, schätze ich an ihm. Diese ist nicht bei allen Politikern zu finden.“ Jetzt aber gelte es den Vorschusslorbeeren, die Strolz & Co. erhalten hätten, auch gerecht zu werden. „Wir Politiker sind den Menschen auch Ergebnisse schuldig“. Mit dieser Meinung ist Gantner nicht alleine. Und wie viele seiner Parteikollegen tut er sich schwer, den hohen Zuspruch, den die Konkurrenz nach wie vor erhält, nachzuvollziehen. In Umfragen wird den Pinken bei den Landtagswahlen im Herbst ein Ergebnis von acht Prozent und mehr vorausgesagt. „Offenbar ist es ausreichend, neu zu sein. Die NEOS können im Prinzip jeden als Spitzenkandidat aufstellen und werden trotzdem gewählt. Das ist sehr schade, wir müssen weg davon, dass es reicht, nur neu zu sein – wir brauchen einen Mut zur Verlässlichkeit und zur Leistung!“

Auch Gantner wird im Herbst für die Landtagswahl kandidieren – natürlich für die Vorarlberger Volkspartei. Auf der Bezirksliste Bludenz ist sein Name hinter Landeshauptmann Markus Wallner, Landtagsvizepräsident Peter Ritter, dem Abgeordneten Josef Türtscher und Monika Vonier zu finden. „Aber das ist doch nichts Besonderes. Ich habe auch schon bei den vergangenen Wahlen kandidiert. Mein Fokus liegt in Dalaas und ich habe dort noch viel vor!“ Auf eine Diskussion über Vorzugsstimmen will er sich nicht einlassen. „Das entscheidet der Wähler“, lautet die diplomatische Antwort.

Nicht immer konfliktfrei

Der Klostertaler gehört nicht zu den Politikern, die laut poltern oder gar provozieren. Das mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass in Dalaas nur ein falsches Wort für großen Ärger sorgen kann. Insbesondere vor Gantners Amtsantritt verlief das politische Leben in dessen Heimatgemeinde alles andere als konfliktfrei. Im Wahlkampf 2002 war aus „Dalaas“ ein „Dallas“ geworden. 2005 warf Gantners Vorgänger nach kurzer Amtszeit das Handtuch.

Neun Jahre sind vergangen, seitdem Gantner als jüngster Bürgermeister Österreichs sein Amt angetreten hat und die Wogen in seiner Gemeinde haben sich zwischenzeitlich geglättet. 25 Jahre alt war er damals. Hatte bei den Jungbauern sowie als Referent von Nationalrat Norbert Sieber die ersten politischen Erfahrungen gesammelt.

Wenngleich schon lange kein Greenhorn mehr ist der dreifache Familienvater immer noch der jüngste Bürgermeister in Vorarlberg. Sohn Elia ist inzwischen fünf, Tochter Lisa drei Jahre alt. Die Jüngste kam exakt am Tag der Nationalratswahl 2014 zur Welt. „Aufgrund des Wahlergebnisses haben wir sie dann Rosa genannt“, sagt Gantner. Wenig später stellt er klar: „Sie heißt wirklich Rosa. Der Name allerdings stand schon lange vorher fest. Und politisch gesehen ist für mich schwarz die viel schönere Farbe.“

Das Ergebnis bei den Nationalratswahlen sieht er als eine Botschaft, die allerdings bei den Regierungsparteien nicht angekommen sei. „Ich maße es mir aber nicht an, Ratschläge nach Wien zu schicken“, sagt Gantner. Sei es drum. Die Ausgangssituation im Herbst ist für ihn eine völlig andere. „Die Volkspartei hat eine sehr gute Arbeit gemacht. Im Vergleich mit anderen Regionen belegen wir überall Spitzenplätze.“ Die Wirtschaft sei gut aufgestellt, in Sachen Energie sei Vorarl­berg Spitzenreiter. „Und das kommt nicht von selbst, sondern hat eben auch sehr viel mit guter politischer Arbeit zu tun.“ Für die Zukunft habe die Vorarlberger Volkspartei das beste politische Programm. Auf über 300 Seiten wurde für jede Lebenssituation eine enkeltaugliche Lösung ausgearbeitet. Bei nur 9,5 Punkten wird das sicher schwierig“, sagt Gantner mit Blick auf das Programm der NEOS.

„Grüne Ideen“

Die Loyalität zur Vorarlberger Volkspartei ist groß. Der eine oder andere innerhalb der Partei hätte den inzwischen 34-Jährigen gerne auf einem Listenplatz weiter vorne – und damit fix im Landtag – gesehen. Dass er politisches Talent und viele Ideen hat, hat er nicht zuletzt durch zwei innovative Bürgerbeteiligungsprojekte („Sonja …ja zur Sonne!“ und „Helmut …Mut zu hellen Ideen“) bewiesen. „Solarzellen sind auf dem Dach der Volksschule montiert, in den Straßen finden sich energiesparende LED-Lampen. Sogar die Grünen auf Landesebene sind begeistert – zumindest vom Projekt.“

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