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Üseri Tanna: Erntezeit für Tannawipfeli

Fichten und Tannen treiben schon, und somit ist Erntezeit für die Tannawipfeli. Aus diesen wird traditionell der Tannawipfelihonig zubereitet.

Da Fichten (sogenannte Rottannen) und Tannen (Weißtannen) zu den verbreitetsten Bäumen im Lande und zu den wichtigen Heilpflanzen zählen, sollen diese vorgestellt werden.

Die Fichte ist die wichtigste Quelle für die „Tannawipfeli“ und zugleich der häufigste Baum im Land, da dieser zur Holzgewinnung weitflächig angebaut worden ist.

Während die unnatürlichen, oft kränkelnden, reinen Fichtenwälder als Monokulturen etwas trist wirken, ist die Fichte im Mischwald eine herrliche Erscheinung: Aber erst als alleinstehender Solitär offenbart dieser Baum sein wunderbares, heilsames Wesen. Dann bildet er mit seinen – oft bis zum Boden reichenden – Zweigen ein gewaltiges Zelt, in dem der Naturliebhaber an kalten und feuchten Tagen ein relativ warmes und trockenes Plätzchen (auch optimal zur Meditation) findet.

Schutzbaum-Qualitäten

So offenbart die Fichte ihre Qualitäten als Schutzbaum und Mutterbaum. Sie ist der Baum der guten Mutter Erde (entspricht in der christlichen Tradition Maria), die das Leben unter ihrem Mantel beschützt. Das sind auch Signaturen ihrer Heilwirkung: Meines Erachtens ist die Fichte der wärmste und trockenste heimische Baum, und so wie sie dem Wanderer Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit spendet, können ihre Teile gegen davon verursachte Krankheiten und Beschwerden, wie Erkältungen, Rheuma und Gicht, verwendet werden. Als mächtiger, wohlwollender Schutzbaum kann sie auch zum Sympathiezauber (Übertragen von Krankheiten) und anderen geistigen Heilmethoden verwendet werden. Und wenn man draußen in der Natur bei unwirtlichen Bedingungen ein Feuer entfachen will, eignet sich zum Anzünden nichts besser als „Tannenreisig“ (die dürren Ästchen der Fichte) – eine weitere Signatur der Wärmequalitäten.

Wenn man unter einer großen alten Fichte steht und an ihrem Stamm mit den vielen, von unten bis oben gleichmäßig verteilten, Ästen emporblickt, gewinnt man den Eindruck einer Himmelsleiter. Sie lädt einen ein, auf ihr (geistig und/oder körperlich) emporzusteigen. Da ist gut nachvollziehbar, warum sie den alten Völkern des Nordens als Himmel, Erde und Unterwelt verbindender Weltenbaum galt. Dass sie bis heute als Maibaum und als Firstbaum bei der Firstfeier dient, ist ein Nachklang davon.

Interessanterweise ist ihre Schwester, die Weißtanne, der bevorzugte und stimmigste Weihnachtsbaum. Und somit sind es unsere beiden Tannen, die größten einheimischen Bäume, in denen die überragende spirituelle und kultische Bedeutung, die die Bäume für unsere Urahnen gehabt haben, im kollektiven Ritual bis heute weiterlebt.

Gutes Heilmittel

Für den „Tannawipfelihonig“, ein gutes Heilmittel bei Husten, Grippe und Erkältung, eignen sich übrigens beide Bäume – so wie sie auch andere Heilqualitäten teilen: Die frischen (oder trockenen) Zweige beider Pflanzen eignen sich hervorragend für erwärmende, erkältungswidrige, schleimlösende, schmerzstillende, durchblutungsfördernde, abwehrstärkende, nervenstärkende und antirheumatische Bäder (zugedeckt kochen und zum Badewasser hinzugeben), Inhalationen und Teeauszüge. Ich verwende die Nadeln als Zutat für meine Husten- und Erkältungsteemischungen, die Wipfel esse ich gerne direkt vom Baum oder lasse sie in Honig ausziehen (anstatt sie mit Zucker auszukochen) und nehme diesen als Grundlage für selbstgemachte Hustensirupe und –süßigkeiten (mit vielen weiteren Kräutern und deren Extrakten). Früher wurden hauptsächlich die Harze verwendet, nach Tabernaemontanus (16. Jahrhundert) im Wein gelöst für die Nieren und gegen Hüft- und Kreuzschmerzen und in Honig gelöst gegen Angina, Hals- und Zahnschmerzen. Außerdem stellte man aus diesen Salben her, die zur Wundheilung, gegen Geschwüre und zur Behandlung von Rheuma, Arthrose, Hexenschuss und Gliederschmerzen dienten.

Für Kopfweh

Ich verwende Fichtenharz mit Myrrhe und Guggul in meiner Mutter-Erde-Räuchermischung. Hildegard von Bingen lobte die antidämonischen Kräfte der Tanne und verwendete eine Salbe, die aus im Mai geernteten Nadeln, Rinde und Holz der Tanne hergestellt wurde, für mit Herzbeschwerden verbundenem Kopfweh.

Die Unterschiede unserer zwei Tannen klingen auch schon im Namen an, die Rottanne (=Fichte) hat eine rötliche Rinde und allgemein eher warme Farben, die seltenere Weißtanne hat eine weißliche Rinde und auch sonst einen weißen bzw. silbernen eher kühlen Schimmer. Dieser rührt auch von den weißen Streifen an der Unterseite von deren flachen Nadeln, die zweizeilig am Zweig angeordnet sind. Diese Streifen sind auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur hochgiftigen Eibe, deren Wipfel der Tanne ähneln; eine Verwechslung hätte tödliche Folgen.

Die Fichte (Rottanne) ist als Maibaum der heilige Baum der warmen Jahreszeit, die traditionell zu Beltane (1. Mai) beginnt. In Skandinavien werden Majbäume (Bedeutung vom verb maja=mit Blumen schmücken) zur Sommersonnwende (midsommar) aufgestellt.

Die Weißtanne ist der heilige Baum der kalten (weißen) Jahreszeit (Wintersonnwende, Weihnachten). Die Rottanne hat stärker wärmende und trocknende Qualitäten und die Weißtanne einen edleren Duft (der Weihnachtsduft schlechthin). Sie riecht erfrischend klärend und balsamisch, allein schon ihr Duft öffnet die Atemwege und stärkt die Lunge, weswegen Pfarrer Kneipp diese als Topfpflanze im Zimmer empfohlen hatl. Beide unsere Tannen verströmen ihren heilsamen Duft in die Luft, die ihre Heilwirkungen vermittelt und unseren Atem befreit, wenn wir uns im Wald aufhalten.

Wie gesegnet ist unser Land mit seinen Wäldern, mit seiner landschaftlichen und ökologischen Vielfalt und seinem ökonomischen Wohlstand, der uns erlauben würde, unsere wunderbare Umwelt angstfrei wahrzunehmen und wertzuschätzen, sie zu erhalten. Und sogar verlorene Vielfalt (Auwälder, Urwälder, Hecken, natürliche Flüsse und Bäche …) wiederzugewinnen. Es ist zu hoffen, dass immer mehr Menschen so handeln, dass sich Mutter Erde erholen und neu, noch schöner, reicher und heilsamer, erblühen kann. Christoph Riedmann

Christoph Riedmann betreibt den BaumRaum in Lustenau, baut Kräuter selbst an oder sammelt diese. Kontakt: info@treetea.net.

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