Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Bedrohung für die emsige Helferin

Die Biene ist eine unverzichtbare Helferin: Das Insekt bestäubt Blütenpflanzen und liefert Honig. Doch ihr Leben ist bedroht.

Rubina Bergauer

Das Summen der Bienen ist ein Geräusch, das untrennbar mit der warmen Jahreszeit verbunden ist. Wenn die Natur in voller Blüte steht, dann sind die fleißigen Insekten nicht wegzudenken. Doch weltweit berichten Imkerinnen und Imker seit den späten 1990er-Jahren von einem plötzlichen Rückgang der Bienenpopulation und einer ungewöhnlich hohen Sterberate ihrer Honigbienen-Völker. Nichts anderes berichten auch die heimischen Imker.

Ein Grund hierfür ist sicherlich die Varroa-Milbe. Diese Parasiten bohren Löcher in den Chitin-Panzer der Bienen und schwächen diese dadurch, was schließlich zum Tod der Imme führt. Auch Viren und Krankheiten können auf diese Weise übertragen werden. Ursprünglich stammt diese Milbenart aus Ostasien, ist mittlerweile aber fast weltweit verbreitet und ist gegen Ende der 1980er- Jahre auch in unseren Gefilden eingeschleppt worden. Die Varroa destructor, so der Fachname, gilt als der bedeutsamste Bienenschädling überhaupt.

Um den Schaden durch die Varroa einigermaßen einzudämmen, ist eine Restentmilbung in der brutlosen Zeit, also gegen Jahresende, notwendig, weiß Oswald Dörler vom Imkereiverband Vorarl­berg. Wichtig ist dem erfahrenen Imker dabei eine biologische Behandlung, etwa durch das Herausschneiden der Drohnenbrut, die als besonders milbenanfällig gilt. „Ansonsten sollte darauf geachtet werden, dass Produkte zum Einsatz kommen, die keine Rückstände im Wachs hinterlassen. Denn dieses dient nicht nur als Lagerraum für den Honig, sondern ist zugleich Brut- und Wohnraum für die Bienen“, erklärt der Fußacher. Nach erfolgreicher Behandlung würde immerhin ein guter Start in die neue Saison gelingen. Doch ein erneuter Varroa-Befall könne während der Sommermonate auftreten. „Wenn sich Bienen verfliegen, dann ist es möglich, dass diese die Parasiten irgendwo unterwegs auflesen und so in einen befallfreien Bienenstock mitbringen. Das nennen die Imker eine Re-Invasion“, erläutert Dörler. Deshalb sollten Honigproduzenten aus einer Region zeitgleich entmilben. Denn ansonsten, das zeigten Messungen, könnten am Tag bis zu 300 dieser Tiere über Re-Invasion in bereits Varroa freie Stöcke gelangen.

Vergiftung

Doch nicht nur die asiatische Milbenart, sondern auch in der Landwirtschaft und im Garten verwendete Neonikotinoide zur Schädlingsbekämpfung gelten als hohe Gefahrenquelle für die Honigbiene. Die schädlichen Stoffe und deren direkte Auswirkungen nachzuvollziehen sei jedoch schwierig: „Natürlich beeinflussen die eingesetzten Mittel nicht nur sogenannte Schädlinge, sondern auch die Honigbiene. Doch Vergiftungen sind nicht einfach nachzuweisen, da davon betroffene Tiere es meist nicht mehr in den Stock zurück schaffen,“ erklärt Dörler. Ein langfristiger Schaden durch von den solcherart behandelten Pflanzen eingesammelten Pollen sei zudem erst sehr spät feststellbar. Denn der Pollen wird als Nahrungsvorrat im Stock eingelagert. Über das sogenannte Bienenbrot nehmen die Tiere somit etwaige Pflanzenschutzmittel auf. Die Vergiftung erfolgt schleichend und in kleinen Dosen. „Um die genauen Ursachen für das Sterben eines Bienenvolkes zu ergründen, müssen Untersuchungen in einem Labor durchgeführt werden“, sagt der Fußacher. Derzeit gäbe es in jeder Bezirkshauptmannschaft einen Zuständigen, der im Falle einer möglichen Vergiftung mit dem betroffenen Imker in Kontakt trete und weitere Untersuchungen in die Wege leite. Diese Hilfestellung werde vom Land Vorarl­berg angeboten. Doch was der nützlichen Biene wohl am meisten helfen würde, wäre eine dementsprechende Bewusstseinsbildung bei den Menschen und der damit einhergehende Verzicht auf Mittel, deren Auswirkungen nicht absehbar sind.

Insgesamt sei es für Imker und deren Bienen in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger geworden: „Früher musste man sich nur dem Rhythmus der Natur anpassen. Heutzutage hat die Gefährdung der Honigbiene deutlich zugenommen. Ein Imker muss seine Tiere immer genau beobachten, um Auffälligkeiten festzustellen und, sofern möglich, zu handeln“, fasst Oswald Dörler zusammen. Der Kassier des Imkereiverbands Vorarlberg weiß, wovon er spricht, er kann auf 40 Jahre Erfahrung mit den Honigbienen zurückblicken. Monokulturen, überzüchtete Pflanzen und die Milben haben es den Honigproduzenten schwer gemacht.

Mehr Blumenwiesen

Wünschenswert wären laut Dörler wieder mehr Wiesen mit abwechselnd blühenden Pflanzen, sodass die Insekten den ganzen Sommer über genug Nahrung finden. Auch ein zu frühes Abmähen der Weiden wirkt sich ungünstig auf die Bienen aus. Zudem kämen zahlreiche Blütenbestäuber durch die großen Mähmaschinen um. „Die modernen Mähwerke sind leider so konstruiert , dass die Insekten nicht mehr fliehen können. Ein verändertes Mähverhalten, beispielsweise gegen Abend, würde nicht mit dem Sammelrhythmus der Tiere zusammenfallen“, betont der Bienen-Experte. Doch für den Fußacher ist auch klar, dass es mitunter auch für die Landwirte in der heutigen Zeit nicht einfach ist. Deshalb müsse die Initiative verstärkt vom Konsumenten ausgehen: „Wenn die Leute vermehrt chemiefreie, biologische Produkte fordern, dann kann sich auch langfristig etwas ändern.“ Denn eines ist sicher: Verliert die Biene, dann verlieren wir alle. Denn die kleinen schwarz-braunen Insekten bestäuben über 80 Prozent der Blütenpflanzen in unseren Breitengraden.

Nähere Informationen unter:

www.imker-vorarlberg.at

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.