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„Jetzt ist alles gut“

susanne geissler (text) und Bernd hofmeister (fotos)

Heute hat die kleine Maus Geburtstag. Zwei Jahre wird sie alt. Am liebsten spielt Anna mit ihren Stofftieren oder wirft Sachen ganz hoch in die Luft. Sie ist ein aufgewecktes, fröhliches Kind. Manchmal ist sie aber auch ein bisschen schüchtern.

Dass das kleine Mädchen diesen Ehrentag und gleichzeitig ihre Mama, Ramona Amann, den Muttertag ganz unbekümmert feiern können, ist nicht selbstverständlich.In der kurzen Zeitspanne, die Anna nun schon auf der Welt ist, hat sie schon einiges mitgemacht. Eigentlich aber ihre Mutter (und ihr Vater) in der Schwangerschaft noch viel, viel mehr.

Nackenfalte war verdickt

Angefangen hat alles mit einem auffälligen Befund in der elften Schwangerschafts-Woche. Die Nackenfalte des Fötus war verdickt. Ein mögliches Anzeichen für eine Behinderung. „Ich habe zunächst gar nichts mit den Begriffen wie Down Syndrom und so weiter anfangen können“, erzählt Ramona. Die 32-Jährige stammt aus Rumänien. „Ich war nur geschockt und wusste zunächst gar nicht, wie mir geschieht.“ Von einer Bekannten erfuhr sie von der Möglichkeit, Näheres von Fetalmediziner Dr. Mat­thias Scheier in Lustenau erfahren zu können. Dieser untersuchte sie weiter und gab nach einer Fruchtwasseruntersuchung Entwarnung. Der Verdacht auf eine Behinderung dieser Art bestätigte sich nicht. Allerdings stellte der Mediziner etwas später eine mögliche Veränderung am Herzen der Kleinen fest. Er überwies die werdende Mutter an die Kinderkardiologie an der Universitätsklinik in Innsbruck.

Chromosom 22 verändert

„Dort ging der Wahnsinn dann so richtig los“, erzählt Papa Stefan Amann. Er selbst war nämlich mit einem vierfachen Herzfehler auf die Welt gekommen. Musste operiert werden und trägt heute zwei Hörgeräte. „Als die Mediziner davon erfuhren, war ich fast noch interessanter als unser Baby“, sagt er weiter. Die mögliche Verbindung faszinierte die Ärzte – natürlich berechtigter Weise – enorm. Schließlich wurde im Genlabor eine Veränderung am Chromosom 22 beim Baby festgestellt.

„Uns wurden die schauerlichsten Dinge erzählt. Anna könne eben einen Herzfehler haben und sonst auf alle möglichen Arten und Weisen behindert sein.“ Der 37-Jährige schüttelt sich immer noch bei dem Gedanken daran. „Einmal hab ich in der Arbeit Rotz und Wasser geheult“, gibt er zu. Ganz kurz hing die Frage nach einer möglichen Abtreibung im Raum. „Aber ich hab dann sofort gesagt, das kommt nicht infrage. Ich hab’ gespürt, mein Baby ist gesund“, erzählt Ramona. Sie hat trotzdem viele Nächte lang wach gelegen. Ging in die Kirche und betete. „Wir hätten es in jedem Fall bekommen, ganz egal, was mit ihm los war“, ergänzt der Vater.

Zur Sorge um die Gesundheit des Kindes kamen auch noch finanzielle Nöte dazu. Die junge Familie wandte sich an den Verein „schwanger.li“. Dieser informiert zu allen Fragen der Schwangerschaft und hilft, wie im Fall von Familie Amann, auch bei finanziellen Problemen. „Ich möchte diesen Leuten noch einmal von ganzem Herzen danken“, sagt Ramona. Ohne ihre Hilfe und auch die Unterstützung von Dr. Scheier hätten sie die enormen Arztkosten nicht bewältigen können. Außerdem halfen die Betreuerinnen Ramona auch dabei, ihre Angst vor der Geburt abzulegen. „Ich war völlig verunsichert, wollte nur noch einen Kaiserschnitt.“

Schließlich kam das Baby am 11. Mai 2012 auf natürlichem Weg auf die Welt. Und siehe da: keine der schlimmen Befürchtungen bewahrheitete sich. „Anna hat zwar diese Veränderung am Chromosom 22. Das wirkt sich bei ihr aber nur dahingehend aus, dass sie eine etwas verkleinerte Thymusdrüse hat“, erklärt die Mutter. Kein Herzfehler, keine Behinderung – weder geistig noch körperlich. Nichts.

Anna wurde kurz auf der Kinderintensivstation betreut, konnte aber bald mit ihrer Mutter das Krankenhaus Feldkirch verlassen. Seither muss sie einmal im Jahr zu Dr. Dieter Kotzot, einem Facharzt für Humangenetik an der Medizinischen Universität Innsbruck. Auch am Herzen wird sie regelmäßig untersucht. Doch sonst läuft bei ihr jetzt alles so, wie bei jedem anderen Kind auch.

Bis jetzt entwickelt sich das Mädchen ganz normal. Sie ist der Sonnenschein der Familie. Auch Oma Helene, Stefans Mutter, ist völlig vernarrt in die Kleine. Für sie war es wie ein furchtbares Déjà-vu, als sie von den Problemen ihres Enkelkindes erfuhr. „Natürlich gab es diese ganzen vorgeburtlichen Untersuchungsmethoden in dieser Form damals noch nicht“, erzählt sie. „Mir hat man Stefan zwei Stunden nach der Geburt weggenommen und auf die Intensivsta­tion gebracht.“

Sie ist unglaublich froh, dass es ihrem Sohn und ihrer Enkeltochter nun gut geht. Für ihre Schwiegertochter ist sie mittlerweile auch so etwas wie eine Ersatzmutter geworden. Deren eigene ist ja weit weg in Rumänien. Solch schwierige Situationen schweißen einfach zusammen. „Wir haben eine furchtbare Zeit hinter uns. Man kann sich erst vorstellen, was für Ängste man da durchlebt, wenn man selbst Mutter wird“, sagt Ramona.

Aber jetzt ist alles gut. Und so können sie nun heute alle gemeinsam den Muttertag und den Geburtstag von Anna feiern. Mit einem Kuchen, den Ramonas Mutter in Rumänien gebacken und nach Dornbirn geschickt hat.

schwanger.li

„Schwangerschaft und Geburt zählen zu den intensivsten Erfahrungen einer Frau/eines Paares. Sie sind aber nicht immer nur von Freude und Hoffnung begleitet, sondern meist auch von Fragen, Unsicherheiten und Zweifeln. Manchmal kann eine Schwangerschaft auch Angst auslösen. Wir sind für Sie da, wenn Sie Informationen, Beratung oder Unterstützung rund um Schwangerschaft und Geburt brauchen.“

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