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Weiße Blüten und schwarze Beeren

Der Holunder blüht. Keine andere Heilpflanze in unseren Landen duftet so opulent wie der Holunder ist, so beliebt und bekannt.

So wie in alten Zeiten wird der Holunder heute wieder mit der „Frau Holle“, der Göttin Holda (wortverwandt mit hold und Huld) assoziiert. In jedem Bauerngarten hat die Pflanze ihre Nische gefunden und wird als Hausapotheke, als holde Fee und als guter Haus- und Hofgeist hochgeschätzt. Er soll Gewitter und anderes Unglück vom Haus fernhalten und alles Krankhafte auf sich nehmen und verwandeln. Heute noch glaubt man vielerorts, dass das Fällen eines Holunders Unglück und Tod nach sich zieht.

Zur Blütezeit trägt der Holunder ein weiß leuchtendes, sinnlich duftendes Blütenkleid und zur Fruchtzeit ein schwarzes Beerenkleid. Ohne Blüten wirkt die Pflanze eher düster und riecht unangenehm. Gerade im Winter hat sie etwas greisen- oder gnomenhaftes – zu jeder Zeit aber etwas Beseeltes und Geheimnisvolles.

Polarität

Holunder ist der Baum der Polaritäten, der in seinem heilsamen Wesen miteinander verbindet und ineinander verwandelt: schwarz und weiß, düster und leuchtend, gebrechlich und vital, stinkend und duftend, unheimlich und heilig, giftig und heilsam. So wurde die Pflanze – wie die Göttin Holda – mit den Polaritäten von Geburt und Tod und der alles verbindenden Liebe assoziiert. Er spielte eine zentrale Rolle in alteuropäischen Totenkulten, galt auch als Sippenbaum und als Zugang zu den verstorbenen Ahnen und gilt bis heute als Friedhofsbaum. Polar dazu galt sie als, den Schwangeren und Gebärenden helfender, Geburtsbaum und als Baum der Liebe.

Aber zurück zu Signaturen und Heilwirkungen. Gerade jetzt verströmen die leuchtenden Blüten des Holunder einen betörenden (etwas animalischen) Duft. Jeder Blütenstiel fächert sich in viele fünfzählige Blüten auf, dies ist die Geste der Zerteilung oder Auflösung – alles Grobe wird verfeinert, verwandelt und schließlich als Duft, Nektar und Pollen verströmt. Dabei wird auch der „Gestank“ der Zweige in den Wohlgeruch der Blüten umgewandelt. Die Schweißnote (Sig­natur der schweißtreibenden Wirkung) des Duftes wirkt im Gesamtbouquet eher anziehend (Signatur für ein Aphrodisiakum). Die zerteilende Geste der Blüten und die Verwandlung des Duftes sind Signaturen für die Gifte und Schlacken zerteilenden, ausleitenden und umwandelnden Wirkungen des Holunders. Auch Krankheitskeime können durch die schweißtreibende Wirkung des heißen Holunderblütentees (am besten im warmen Bett getrunken) ausgeleitet werden, wodurch diese Anwendung bei allen Erkältungskrankheiten helfen kann. Außerdem eignet sich Holunderblütenauszug zur Hautpflege, erfrischt müde Augen und kann Gicht, Asthma und Engbrüstigkeit, Kopf-, Zahn- und Ohrenschmerzen lindern.

Wie andere Heilpflanzen mit weißen, in viele Einzelblüten aufgelösten Blütenständen (etwa die bald blühende Schafgarbe und das Mädesüß) wirken die Holunderblüten auflösend, durchlichtend und erleichternd. Außerdem haben sie (schmerz-)lindernde, entzündungshemmende und entspannende Qualitäten.

Holunderblüten-Sirup

Allgemein bekannt ist der Holunderblütensirup. „Ich nehme dafür Biozucker anstatt konventionellem und Rhabarber (oder unreife Mirabellen oder getrocknete Sand- beziehungsweise Sauerdornbeeren) anstatt Zitronensäure und meist noch andere Kräuter (wie Mädesüß, Schafgarbe und Rosen) dazu, so viel, dass die Kräuter gerade noch von der Zuckerlösung bedeckt sind.

Für den Eigenbedarf verzichte ich auch auf das wertmindernde Erhitzen, was dazu führt, dass die Lösung durch die in den Holunderblüten vorhandene natürliche Hefe zu gären beginnt.“ Dadurch werden die Zutaten noch besser miteinander verschmolzen, der Sirup wird etwas weniger süß, dafür angenehm spritzig und etwas alkoholisch. Verschlossene Flaschen müssen allerdings ständig kontrolliert werden, ansonsten könnten sie durch den Kohlensäuredruck zerplatzen. Außerdem sollte der Sirup aufgebraucht oder sterilisiert (erhitzt) werden, bevor die Gärung umschlägt. Oder man stellt daraus unter Zugabe von dazu passenden alkoholischen Kräuterauszügen (Tinkturen) einen Kräuterlikör her.

Alle Pflanzenteile sind heilsam und alle – außer den Blüten- reizend bis leicht giftig, weswegen sie mit Bedacht verwendet werden sollten! Wurzel und Rinde des Holunders wirken harntreibend und reinigend und können bei Nieren- und Blasenleiden, Stoffwechselkrankheiten, Fettsucht und Rheuma helfen. Interessanterweise soll die innere Rinde gemäß verschiedenster Heiltraditionen (deutsch, russisch, sibirisch, indianisch …) als Abführmittel wirken, wenn man sie von oben nach unten abschabt, und als Brechmittel, wenn man sie von unten nach oben abschabt. Das könnte auch als weiterer Ausdruck des bipolaren Wesens des Holunders gedeutet werden, so wie die schweißtreibende Wirkung des heißen Holunderblütentees sich polar zur harntreibenden des kalten Getränks verhält.

Auch die Früchte wurden sowohl gegen Verstopfung als auch (lange eingekocht) gegen Durchfall eingesetzt. Die Früchte enthalten außerdem viele Vitamine, gekocht sollen sie das Immunsystem, den Magen und die Nerven stärken und gegen Neuralgien, Arteriosklerose, virale Infektionen (Herpes, Grippe) und Anämie wirksam sein. Die Blätter werden vor allem äußerlich, etwa als Umschlag oder Salbe, gegen Geschwülste, Geschwüre, (Brand-)Wunden, Furunkel und Abszesse oder als Sitzbad für die weiblichen Organe eingesetzt.

Wichtig: Heilpflanzen nur mit ärztlicher Zustimmung verwenden !

Anwendungen und Wirkungen des Holunders wären noch viele zu nennen, doch es soll nun mit einem Sprichwort abgeschlossen werden:

„Rinde, Beere, Blatt und Blüte,

Jeder Teil ist Kraft und Güte,

jeder segensvoll.“.
Christoph Riedmann

Christoph Riedmann betreibt den BaumRaum in Lustenau, baut Kräuter selbst an oder sammelt diese. Kontakt: info@treetea.net.

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