Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Gesundheit als ein Gleichgewicht

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Babys zeigen intuitiv, mit welchen Berührungen sie zu trösten oder zu beruhigen sind. Im Laufe des Lebens, in einer schnelllebigen Welt, geht die Fähigkeit, sich berühren zu lassen und zu berühren, verloren. Erfahr- und erlernbar ist dies wieder mithilfe der aus Asien stammenden Körperarbeit Shiatsu.

Heidrun Joachim

Immer mehr Menschen setzen auf alternative Heilmethoden. Eine davon ist Tao Shiatsu. Der Dornbirner Oliver Stocker (41) ist ein Experte auf diesem Gebiet. Besonderen Wert legt er bei der Therapie auf die spirituelle Seite: „Da geht es um Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit. Was will der Mensch jetzt, was braucht er, wo liegt der Schmerz? Man muss bereit sein, alles für den anderen zu geben.“ Diese Bereitschaft, sich dem anderen Menschen zu öffnen, ist die Essenz von Tao Shiatsu.

Stocker führt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Bärbel Gleeson (56) das Tao Sangha Zentrum in Dornbirn. Tao Sangha bedeutet „Einheit aller Wesen“. „Kurz gesagt heißt das: Unsere Handlungen, Gedanken und Worte haben Einfluss auf andere und die Welt. Wir tragen für alles Verantwortung, was wir mit Körper, Worten und Geist tun“, erklärt der 41-Jährige. Der Dornbirner mit „Walser“, Hamburger und Salzburger Wurzeln beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Weil er sich für die Menschen interessiert, neugierig auf andere Kulturen war und ist und diese gern miteinander in Kontakt sehen würde. So wie beispielsweise bei der Weltgymnaestrada in Dornbirn, bei der er einer der Hauptorganisatoren gewesen ist: „Da sind die Vertreter unterschiedlichster Kulturen miteinander in Kontakt getreten und sind sich begegnet.“

Verschiedene Ausbildungen

Stocker hat verschiedene Ausbildungen hinter sich gebracht, bei denen sein Interesse jedoch immer am und für Menschen im Mittelpunkt gestanden ist. Sei es als Wirtschafts­pädagogik- und Ethiklehrer, als ausgebildeter Heilpraktiker oder als Tao-Shiatsu-Lehrer und Therapeut.

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin das Tao Sangha Zentrum im Dornbirner „Annaheim“ etabliert. Grundlage dafür war neben der Affinität Oliver Stockers zum Multikulturellen ein dreijähriges Studium zum Tao-Shiatsu-Practitioner, die der 41-Jährige in Wien und Japan absolviert hat. „Eigentlich durch Zufall bin ich im Jahr 2002 in Japan auf den Meister Ryokyo Endo und seine Frau Mayu gestoßen. Er ist ein Schüler von Shizuto Masunaga, dem Begründer von Shiatsu. Und in seiner Lehre, die auf einer 30-jährigen Praxis der östlichen Medizin beruht, habe ich für mich das Richtige gefunden.“

Shiatsu wird als die Kunst der gezielten Berührung bezeichnet. Es steht für eine Körperarbeit, bei der sich alles um Berührung, Hinwendung und Achtsamkeit gegenüber dem anderen dreht. Übersetzt bedeutet Shiatsu „Fingerdruck“. Oft wird es als Druckmassage bezeichnet. „Dem ist allerdings nicht ganz so. Massagen zielen auf die Körperstruktur ab, bei Shiatsu wird der Kontakt zur Lebensenergie Ki gesucht. Ziel ist es, die Gesundheit und den ganzen Menschen zu fördern.“

Schwer beschreibbar

Wie die Wahrnehmung von Energien durch einfühlsames Hinspüren genau funktioniert, das ist schwer zu beschreiben und zu verstehen. „Dies zu erlernen, erfordert eine gründliche Ausbildung. Aber sowohl Shiatsu-Geber als auch -Empfänger können bei einer Behandlung spüren, dass etwas passiert“, sagt der 41-Jährige.

Ziel sei es, durch sanfte Berührungen das energetische System anzuregen, in Balance zu bringen und Kräfte zur Selbstregulierung zu aktivieren. Der Zweck einer Tao-Shiatsu-Behandlung sei die Heilung des Unterbewusstseins des Klienten, da man über Ki einen Zugang zum Unbewussten bekomme. Ki ist nach fernöstlichem Verständnis sichtbar und zugleich unsichtbar, steckt demnach in allem, was existiert. Für das japanische Wort „Ki“, im Chinesischen „Qi“ oder „Chi“ genannt, gibt es in der deutschen Sprache keine adäquate Übersetzung. Daher werden verschiedene Begriffe zur Beschreibung verwendet wie etwa „Lebensenergie“, „Atem“, „bewegende Kraft“.

Balance ist wichtig

Hintergrund von Shiatsu ist eine traditionelle fernöstliche Weltanschauung und Gesundheitslehre in Verbindung mit modernen Erkenntnissen und Praktiken der Gesundheitsförderung. Gesundheit wird als ein Gleichgewicht verstanden. Ein Mensch gilt als gesund, wenn er mit sich und der Umwelt im Einklang ist, sich wohlfühlt und seine Lebensenergie ungehindert fließen kann. Eine anhaltende Abweichung von der Balance stört nach dieser Vorstellung den Energiefluss und beeinträchtigt die gesunde Funktion von Körper, Geist und Seele. Das könne sich in körperlichen Symptomen wie Verspannungen und Schlafstörungen, aber auch psychischen Beschwerden wie depressiven Stimmungen äußern, sagt Stocker. Shiatsu behandle jedoch keine Beschwerden, sondern arbeite mit der Selbstregulierungsfähigkeit des Körpers.

Shiatsu berührt eine andere Ebene wie eine Massage an ausgewählten Körperstellen und orientiere sich an Energieverläufen, den sogenannten Meridianen. Die heute geläufige direkte Benennung von Meridianen nach bestimmten Organen entstand erst vor dem Hintergrund westlicher Physiologie. „Aus Erfahrung wissen wir, dass die Berührung bestimmter Bahnen und Punkte geeignet ist, leichter die gewünschten Energien fließen zu lassen, was auch eine regulierende Wirkung auf die mit ihnen verbundenen Organe haben kann“, erklärt Stocker. Es gehe nicht primär um die Organfunktion, sondern um die damit verbundene energetische Komponente. Wenn etwa von einer Störung im Magen-Meridian die Rede sei, dann wäre die Energie gemeint, die dem Magen entspreche.

Ganzkörperbehandlung

Zu erleben ist bei Shiatsu eine Ganzkörperbehandlung. Aber bereits bevor sich der Klient in bequemer Kleidung auf die Matte am Boden lege, beginne die Arbeit: „Ich schaue auf Körperhaltung, Gesichtsfarbe, insgesamt auf das Auftreten des Klienten. Ist er schüchtern, hektisch, traurig? Von welchen Problemen erzählt er? All das fließt in unsere Arbeit ein“, erläutert der Shiatsu-Ausbildner. Nach einem einleitenden Gespräch folge dann die Behandlung in verschiedenen Positionen: in Rückenlage, auf der Seite, in Bauchlage. In meditativer Stille werde mit Daumen, Handballen oder Ellenbogen in fließenden Bewegungen ein intensiver Druck auf den Körper ausgeübt. Anders als beim Kneten einer Massage übe der Shiatsu-Praktizierende Druck aus, indem er sich nach vorn lehne. Daneben gebe es Dehnungen, Rotationen, starke und schwache Berührungen.

Arbeit an den Meridianen

„Ich arbeite an den Bereichen, die wir Meridiane nennen, und spüre, welche Stellen sich sehr ungleich anfühlen. Schlaff, weich oder fest und verhärtet, aber auch kalt oder übervoll.“ Ein Geschehen-Lassen, Innehalten und Spüren sowie das Vertrauen auf die eigenen Empfindungen gehören dazu. „Shiatsu ist wie ein Gespräch, das Menschen dazu befähigt, selbst ihr inneres Ungleichgewicht und dessen Auswirkungen wahrzunehmen. Ein ausgebildeter Shiatsu-­Praktiker zwingt dem Klienten nichts auf, sondern holt ihn dort ab, wo er sich befindet und begleitet ihn.“

Zur Eröffnungsfeier im Tao Sangha Zentrum Dornbirn vom 23. bis 26. Mai wird Ryokyu Endo das Zentrum besuchen und mehrere Workshops geben. Am Freitag 23.5. ab 14.00 Uhr findet ein Tag der offenen Tür statt, wo Sie die Welt von Ki kennenlernen können (mehr dazu unter: 0043-650-7178189, www.taosangha.at).

Artikel 1 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.