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Am Anfang war die Kuh

Wenn die Milch bricht, das ist für Werner Fritz immer wieder aufs Neue ein magischer Moment. Wenn aus der Flüssigkeit etwas Festes, Greifbares wird. Wenn der Käselaib an Form gewinnt.

Rubina Bergauer

Ungefähr zwei Stunden braucht es, um aus Kuhmilch Frischkäse herzustellen. „Früher war das ganz alltäglich. Das wurde auf fast jedem Hof so gemacht. Denn technisch gesehen ist die Herstellung unkompliziert“, erzählt der Wahl-Montafoner, während er durch die Räumlichkeiten seines Käsehauses führt. Vorbei an der goldenen Kuh Rosi, die den Eingang bewacht. Hinter ihr eine große Kuhflade. „Wir arbeiten daran, dass sie endlich stubenrein wird“, versichert Fritz und lacht.

Im Obergeschoss des Gebäudes angekommen, öffnet er die Tür zu einem großen, hellen Raum. Eine Fensterfront gibt den Blick frei auf eine großzügige Terrasse mit Aussicht auf die Berge. Hier können Käseliebhaber und solche, die es noch werden wollen, ein bisschen Sennerei-Luft schnuppern, indem sie unter fachkundiger Anleitung die Frischmilch verarbeiten. Zudem ist es Werner Fritz ein Anliegen, den interessierten Besuchern auch Wertschätzung für die Kuh, deren Milch und die daraus gewonnenen Produkte mit auf den Weg zu geben. Denn für den Bregenzerwälder ist Käse eine Leidenschaft. Die Senner sind in seinen Augen Künstler, die mit Kreativität und Hingabe jene Köstlichkeiten kreieren, die er und sein Team im Käsehaus auch verkaufen. „Dieses Milchprodukt ist ein wichtiger Teil unseres Kulturgutes“, betont der 41-Jährige. Um weiterhin Qualität und Vielfalt zu garantieren, bedarf es einer nachhaltigen Wirtschaft. Auch das möchte der Chef des Käsehauses seinen Kunden vermitteln.

Asiatische Kulinarik

Käse darf an keiner Tafel fehlen. Denn das meist geschmacks- und geruchsintensive Milchprodukt ist vielfältig. „In Kombination mit anderen Lebensmitteln und Getränken lassen sich immer wieder neue Geschmackserlebnisse finden. Einen Frischkäse kann man beispielsweise zur zünftigen Jause reichen oder aber als Dessert anrichten“, benennt Fritz die Vorzüge. Gerade auch deshalb sei das Angebot der hauseigenen Sennschule bei Kunden aus dem asiatischen Raum beliebt. Denn auch in diesem Kulturkreis werde im Bereich der Kulinarik viel miteinander kombiniert, wie Fritz betont: Süßes mit Saurem oder Salziges mit Fruchtigem. „Vor Kurzem war ein Autor aus China bei uns, der gerade an einem Reiseführer für Europa schreibt. Über vier Stunden hat er alles durchgetestet, was die Käsetheke hergibt, und sich über die Sennschule informiert“, berichtet der Experte und grinst. Offensichtlich hat auch ihm die Degustation mit einem experimentierfreudigen Kunden aus Fernost gefallen. So wird vielleicht schon demnächst das Käsehaus im Montafon als Tipp in einem chinesischen Reisführer aufscheinen.

Doch auch aus anderen Teilen der Welt finden Käseliebhaber ihren Weg ins Montafon. Vergangenes Jahr hätten insgesamt 1500 Amerikaner das Angebot der Sennschule wahrgenommen. Eine Reiseagentur war zuvor auf das Käsehaus aufmerksam geworden, als das Montafon als neue Bergregion ins Reiseangebot aufgenommen wurde. „Für diesen Sommer sind bereits 2500 Gäste aus Übersee vor­gemerkt, die gerne an der Sennschulung teilnehmen möchten“, sagt Fritz. Die Schulung käme auch bei Einheimischen, Schulen, Kindergärten und Firmen, die ihren internationalen Kunden ein besonderes Erlebnis bieten möchten, gut an. Jeder Teilnehmer bekommt einen eigenen kleinen Kessel, Brenn­pas­te zum Erhitzen der Milch, Schöpfkelle und Thermometer. Dann kann es an die Arbeit gehen.

„Wir versuchen natürlich auch, das Ganze locker und unterhaltsam zu gestalten“, betont Werner Fritz und schmunzelt. Denn schließlich stehe die Freude an der ­Arbeit im Vordergrund. Dass die Kursteilnehmer dadurch die Produktion, den Käse und das Nutztier Kuh besser kennen und schätzen lernen ist gewünschter Nebeneffekt.

Ein Käse-Spaziergang

Auf diese Weise erhalten Geschäftsleute aus Korea, Afghanistan, Deutschland und vielen anderen Ländern einen Einblick in die Sennerei-Tätigkeit. In Englisch werden der multikulturellen Klientel auch Hintergrundinformationen zur Almwirtschaft und der Tradition der Milchverarbeitung hierzulande geboten. Das Interesse sei stets groß, versichert der Chef. Aber auch er und sein Team könnten so stets etwas Neues erfahren, denn: „Käsemachen ist wie ein Spaziergang, ein Weg, den man gemeinsam beschreitet. Mit Pausen dazwischen, in denen sich die Menschen austauschen können“, philosophiert der 41-Jährige.

Zwischen zwei und 130 Personen können an einem Senn-Kurs teilnehmen: „Wenn es sich um größere Gruppen handelt, benötigen wir ein bis zwei Tage Vorlaufzeit, um genügend Milch im Haus zu haben“, sagt Fritz. Denn diese wird von Bauern aus der Umgebung geliefert. Auch im kleinen Hofladen des Käsehauses finden sich die unterschiedlichsten regionalen und lokalen Produkte: eingelegte Walnüsse, Marmeladen, Chutneys, Tee- und Gewürzmischungen und vieles mehr. „Das meiste wird von Privatpersonen in Handarbeit hergestellt“, erläutert der Unternehmer. Genau dies würden seine Kunden besonders schätzen. Egal ob einheimischer Gourmet oder Touristen auf der Suche nach einem besonderen Mitbringsel.

Sennschule

Käsehaus,
Montafoner Straße 17, Schruns

Inhaber: Werner Fritz

Info: www.kaesehaus-montafon.at

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