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Gastkommentar

Bilder im Kopf

Aber ich bin Oma!“, so meine laute Entrüstung auf die scherzhaften Zurufe meiner Familie beim Spaziergang, ich solle doch nicht wie eine Oma laufen.

Dies löst irritierte Blicke beim zufällig zuhörenden Umfeld aus. Die „Oma-Lebensphase“ wird mir noch nicht zugeschrieben. Was schmeichelhaft ist, aber auch die Frage aufwirft, wieso wir in unseren Köpfen noch an den alten Bildern von klassischen Lebensphasenunterteilungen festhalten. Immer mehr Menschen definieren diese Lebensphasen neu. Ständiger Begleiter dabei: die „Work-work-private-life-balance“ – die Ausbilanzierung von bezahlter, unbezahlter Arbeit und privater Zeit. Wobei Spaß, Sinn und das Leben an sich ineinander verwoben sind und sich nicht in die bisher propagierte Work-life-balance einteilen lassen.

Die klassische Berufsbiographie mit Ausbildungs-, Arbeits- und Ruhephase in der Pension hat sich selbst überholt. Die Lebensläufe von Frauen zeigen deutlich wie die unbezahlten Lebensphasen auf die beruflichen Möglichkeiten einwirken. Erwerbsbiographien mit Unterbrechungen, Arbeitszeitreduzierungen und damit verbundenen Brüchen in der Karriereentwicklung sind das Thema von Menschen mit Betreuungs- oder Pflegetätigkeiten.

Neu scheinen auch Arbeitszeitreduzierungen oder Arbeitsausstiege für Weiterbildungen und berufliche Orientierung in den Lebensläufen auf.

Die Bedürfnisse haben sich verändert. Immer mehr Väter wollen aktive Väter sein und nicht auf ein lebenslanges Erwerbsleben reduziert werden. Immer mehr Frauen melden auch in der Arbeit Ansprüche an eine gleichberechtige Teilhabe und fordern eine Reduktion ihrer alleinigen Familienarbeit. Die Geschlechterverhältnisse sind in Bewegung, ebenso die Generationengrenzen. Die Großeltern von heute sind berufstätig, die Eltern von heute setzen die Kinderphase sehr früh an oder verschieben sie auf die Enddreißiger. Ein Studium ist für viele Ältere ein neues Ziel.

Trotz Arbeitskräftemangel bieten nur wenige Betriebe lebenslauforientierte Arbeitszeiten an. Es fehlt eine Arbeitszeitpolitik, die den gesamten Lebenslauf im Blick hat und entsprechend Unterstützung anbietet für diejenigen, die sich gerade voll auf ihre Karriere konzentrieren oder jene, die gerade mehr Zeit für unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung und Pflege benötigen. Für jene, die nochmals Zeit in ihre Höherqualifizierung stecken oder auch jene, die eine komplette Auszeit brauchen, um ihren Akku aufzuladen. Das Thema kann jedoch nicht nur den Betrieben umgehängt werden. Lebenslaufpolitik verlangt ein Zusammenspiel von Sozialpolitik, Arbeitspolitik und betrieblichen Akteuren. Und braucht neue Bilder in den Köpfen.

Die Menschen gewöhnen sich schnell an den Gedanken, dass ich Oma bin. Trotzdem wird im Kopf heimlich gerechnet, ob sich das ausgeht. Damit es schneller geht: ich bin 43.

Das ist mein Beitrag zu neuen Bildern im Kopf.

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