„Aufgeben tut man einen Brief, aber nicht die Hoffnung“

35 Jahre hat Erwin Metzler bei der Firma Weiler Möbel gearbeitet. 2002 gründete er den Hundesportverein Agility by Erwin. Dessen ­Vereinsheim und Geräteunterstand schlossen direkt an das Unternehmen an und sind bei dem Großbrand vor drei ­Wochen ebenfalls zerstört worden.

Dunja Gachowetz

Grau in grau ist an diesem Tag der Himmel über Weiler. Gerade hat er seine Schleusen geöffnet und es schüttet. Mit einem Schirm in der Hand steht Erwin Metzler, Obmann des Hundesportvereins Agility by Erwin, vor den Überresten des ehemaligen Vereinsheims. Beim verheerenden Brand der Firma Weiler Möbel in der Nacht vom 10. auf 11. Mai ist auch der Unterstand ein Raub der Flammen geworden. Bis zuletzt hatte der Koblacher gehofft, dass die kleine Hütte den Großbrand fast unbeschadet überstehen wird. „Immer wieder ist das Feuer darüber hinweg gelodert. Alles brannte schon lichterloh, nur das Vereinsheim nicht. Als die Flammen dann doch übergegriffen haben, bin ich nach Hause gegangen. Da war es 2.30 Uhr“, erzählt der Koblacher. Er schluckt. Dass an dieser Stelle früher die Vereinsmitglieder nach dem Training mit ihren Vierbeinern oft noch zusammengesessen sind, sich unterhalten und etwas getrunken haben, ist heute nicht mehr zu glauben. Wie von der traditionsreichen Firma sind auch vom Vereinsheim nur verkohltes Holz, verbogenes Metall und geschmolzenes Plastik übriggeblieben. „Es war nichts mehr zu retten“, sagt Metzler und geht an dem Metallgerippe einer Bank vorbei. Er bückt sich und hebt einen silbernen Gegenstand aus dem verkohlten Schutt. „Das war mal eine Hürde aus Alu, über die die Hunde gesprungen sind. Und das ist übrig geblieben.“ Ein silberfarbener, verformter Gegenstand. Denn auch der Geräteschuppen, in welchem der Obmann die Hindernisse für die Agility-Parcours verstaut hatte, steht nicht mehr. Ein paar Metallringe liegen im Schutt neben den ehemaligen, in der Hitze des Feuers geschmolzenen Aluhürden. „Das waren die Tunnels, ebenfalls Teil des Parcours“, erklärt Metzler. Das Einzige, das scheinbar unversehrt ist, sind der Rasen des Trainingsplatzes und die Zwiebeln in einem Gemüsebeet. Nicht einmal Fußabdrücke oder Spuren von Löschversuchen sind dort zu sehen. „Das ist so, weil die Stromleitungen direkt über den Rasen gehen. Und sobald die Flammen in Richtung der Leitungen geschlagen haben, hat sich verständlicherweise kein Mensch dorthin getraut. Denn wären die Kabel gerissen und nach unten gefallen, hätten sie die Männer erschlagen“, meint Metzler.

Nichts mehr zu retten

Von dem Großbrand hat der Obmann kurz nach dessen Ausbruch erfahren. „Ein Bekannter hat mich angerufen und informiert. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben. Ich dachte noch, das kann nicht sein.“ Sofort ist er zum Unglücksort gefahren. „Als ich dort angekommen bin, war bereits alles abgesperrt. Die Flammen haben schon meterhoch in den Himmel geschlagen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Man hat eigentlich nur zuschauen können, wie alles niederbrennt. Es war nichts mehr zu retten.“ Bei dem Feuer ist die Grundlage seines Hobbys in Rauch aufgegangen. „Viele der Hürden habe ich selbst gefertigt. Die Firma ist mir immer sehr entgegengekommen. So einen Platz wie diesen werden wir nicht mehr finden. Wir hatten alles: Wasser, Strom, Toi­letten, Parkplätze“, zählt der Koblacher auf. Zwölf Jahre hat der Hundesportverein seinen Stützpunkt auf dem Gelände der Möbelfirma gehabt. Die Agility-Sportler hatten es sich gemütlich hergerichtet, neben der ehemaligen Arbeitsstätte ihres Obmanns. „35 Jahre habe ich bei Weiler Möbel gearbeitet. Als ich dann 2002 einen Platz gesucht habe, wo ich den Sport ausüben konnte, fand ich nichts. Du kannst mit allem kommen, aber mit Hunden, da bist du nur selten erwünscht. Mein damaliger Chef hat dann gesagt, dass ich auf dem Firmengelände trainieren könne“, erzählt Metzler. Im Gegenzug hat der Obmann für Ordnung und Sauberkeit rund um das Unternehmen gesorgt, unter anderem den Rasen gemäht.

Kein Kommentar

Den durch das Feuer verursachten finanziellen Schaden für den Verein schätzt Erwin Metzler auf mindestens 20.000 Euro. „Allein ein Tunnel kos­tet – je nach Länge – zwischen 300 und 370 Euro. Für einen günstigen Parcours, bestehend aus Hürden, Tunnels, Rampen, muss man mindestens 10.000 Euro bezahlen. Uns ist alles verbrannt. Das gesamte Zubehör. Und leider war auch nichts versichert“, meint der Obmann. Zu Spekulationen, wie das Feuer entstanden sein könnte, ob technischer Defekt oder Brandstiftung, will sich Metzler nicht äußern. Seine Aussage hat er bei der Polizei gemacht. „Ich kann nur sagen, dass ich auf dem Trainingsplatz nie Unbefugte gesehen habe. Wirklich nie. Irgendwer hat mir zwar mal Zaun und Gatter beschädigt. Aber auf dem Platz selbst habe ich nie jemanden gesehen. Mir wurde auch nie etwas gestohlen, obwohl das Vereinsheim nicht abgesperrt gewesen ist“, betont er. Mehr möchte er dazu nicht sagen.

In der Zwischenzeit trainieren die Vereinsmitglieder bei den Hundefreunden in Hohenems. „Darüber bin ich sehr froh. Gleich nach dem Feuer, am nächsten Tag, haben sie mich angerufen und mir ihre Hilfe angeboten“, sagt Metzler. Über die Unterstützung des befreundeten Vereins ist er sehr froh. Aber er gesteht auch, dass er derzeit ein wenig in der Luft schwebt. Denn solange er nicht wisse, wie die Pläne für den angekündigten Wiederaufbau der Firma Weiler Möbel aussehen, wisse er auch nicht, ob es für den Verein wieder ein Plätzchen neben seiner ehemaligen Arbeitsstätte geben werde. Sollte dies nicht der Fall sein, dann sucht Metzler eine neue Heimat für den Verein. Wenn möglich im Umkreis von Koblach. „Und das sollte natürlich nicht irgendwo im Ried ohne jegliche Infrastruktur sein. Aber wie schon gesagt, du kannst mit allem kommen, nur nicht mit Hunden“, sagt er und seufzt. Dabei betont der Obmann, dass er selbst keine Kläffer mag und die Vierbeiner der Vereinsmitglieder sehr gut erzogen sind. „Auch wird stets darauf geachtet, dass die Tiere große und kleine Geschäfte nicht auf dem oder im näheren Umkreis vom Trainingsplatz verrichten. Und sollte es doch einmal passieren, dann wird es sofort weggeräumt und mit Wasser versucht zu neutralisieren“, erklärt der Koblacher.

Auf jeden Fall weitermachen

Er will mit seinem Verein auf jeden Fall weitermachen. Die Mitglieder stehen hinter ihm. „Die waren natürlich auch sehr geschockt, als sie vom Brand gehört haben. Es ist wichtig, dass sie jetzt mit- und weitermachen und mich unterstützen.“ Das bedeutet dem Obmann des Hundesportvereins sehr viel. Er sagt über sich: „Ich bin ein Optimist und aufgeben werde ich sicher nicht. Denn aufgeben tut man nur einen Brief und nicht die Hoffnung.“

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