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In der Natur als Teil der ­Natur

Natur, Schauspiel und Körper stehen im Mittelpunkt der Hüttenseminare, die der gebürtige Wolfurter Schauspieler und Agraringenieur Aurel Bereuter (40) ­gemeinsam mit seiner Frau auf einer Alpe in Schwarzenberg anbietet.

Brigitte kompatscher

Mit Vieh und Natur habe er von klein auf zu tun gehabt,­ erzählt er. Der bald 41-jährige Wolfurter Aurel Bereuter, der heute als Schauspieler in Deutschland lebt und vergangene Woche einige Tage auf Heimatbesuch war. Ab seinem zwölften Lebensjahr war er drei Sommer lang als Pfister auf einer Alpe oberhalb von Alberschwende im Gemeindegebiet von Schwarzenberg, die in Familienbesitz ist. Und die dort herrschende Kreislaufwirtschaft – „auch wenn ich es zu der Zeit natürlich nicht so genannt habe“ – hat ihn schon damals fasziniert. Ein Wirtschaften ohne Abfälle, das aufging, wie er es formuliert.

Pflanzenbau und Viehzucht

Nach der Hauptschule folgten daher der Besuch der dreijährigen landwirtschaftlichen Fachschule in Hohenems und einer landwirtschaftlichen Mittelschule in der Steiermark, die er mit einer Matura als Agraringenieur abschloss. „Sieben Jahre lang habe ich mich somit mit Pflanzenbau und Viehzucht beschäftigt“, erinnert sich Bereuter – ergänzt durch Praktika bei Viehzüchtern in Kanada und Australien oder in einem Weinbaugebiet in Deutschland. Als logischer Weg nach der Matura erschien ihm damals jener zur Universität für Bodenkultur in Wien.

In die Bundeshauptstadt kam er auch, „aber dann folgte die Riesenkrise, weil das nicht mehr meins war“. Landwirtschaft war ihm zu sehr Spezialistentum geworden und „ich habe mich für das Ganze interessiert“. Am Max-Reinhardt-Seminar bestand er die Aufnahmeprüfung und machte die Ausbildung zum Schauspieler, der Stationen in Würzburg, Ingolstadt, München und Nürnberg folgten. Seit 2012 ist er fixes Ensemblemitglied am Theater Münster. „Und im September feiere ich mein 15-jähriges Bühnenjubiläum.“

Die Natur hat den Vater eines 16 Monate alten Buben namens Aljosha aber nie losgelassen. „Im Frühjahr bekomme ich immer das, was von Kollegen als ‚Ackerbauflash‘ bezeichnet wird“, erzählt er mit einem Grinsen. In Münster hat er sich einen 400 Quadratmeter großen Schrebergarten zugelegt, in dem er mit Misch- und Permakultur arbeitet und so oft wie möglich „in der Erde ist“. Und dann gibt es immer noch die Schwarzenberger Alpe seiner Familie. Auf der haben er und seine Frau Annette Taubmann, eine aus Garmisch stammende Choreografin und Tanzpädagogin, vor ein paar Jahren einen Kurzurlaub gemacht, als sie die Idee hatten, dort Seminare abzuhalten.

Und dann erzählt Bereuter, dass sie im Sommer auch immer auf der kleinen Landwirtschaft der Eltern seiner Frau waren, beim Heuen geholfen haben. „Das sind abgeschlossene Zyklen. Wenn man es geschafft hat, ist ein Endpunkt gesetzt. Es ist Ruhe und man kann dankbar sein. Im Theater etwa bist du nie fertig“, beschreibt er die Qualitäten dieser landwirtschaftlichen Rhythmen.

2011 traf man sich auf der seit Längerem nicht mehr bewirtschafteten Alpe in Schwarzenberg zum ersten Seminar – mit sechs Leuten und einem Zelt, das auf dem „Bschüttekasten“ aufgestellt wurde. Im Jahr darauf gab es schon drei Kurse, im Vorjahr wurde ausgesetzt und heuer sind es zwei Kurse, die im Juli und August auf der idyllisch gelegenen Alpe abgehalten werden. Manager, Fotografen, Journalisten, Verkäufer – es sind Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufen aus allen Bodenseeanrainerländern, die sich zu den Seminaren einfinden, erläutert Bereuter. Altersmäßig bewegen sich die maximal acht Teilnehmer pro Kurs zwischen zwanzig und siebzig.

Bewegungspotenzial

Gearbeitet werde mit Aspekten der Feldenkrais-Methode, aber nicht nur, erläutert der Wolfurter. Sensibilisierungs- und Wahrnehmungs­übungen aus dem Schauspielbereich, eine Ausweitung des körperlichen und geistigen Bewegungspotenzials oder die Erhöhung von Achtsamkeit, Intuition und Präsenz sind Themen, welche Bereuter und Taubmann mit den Teilnehmern erarbeiten. Ein im Metallbereich tätiger Unternehmer aus Baden-Württemberg hat bereits ein Dutzend seiner Leute zu den Kursen geschickt. „Weil das Neue, das Visionäre im Tagesgeschäft nicht zu finden ist“, erklärt Bereuter dessen Beweggründe. In diesem Sommer kommen wieder sechs seiner Angestellten.

Die jeweils viertägigen Seminare, die mit der Ankunft am Mittwochabend beginnen und mit der Schlussrunde am Sonntag am frühen Nachmittag enden, weisen aber auch auf etwas anderes hin. Nämlich darauf, dass „freiwillige Reduktion der größte Gewinn ist“, sagt Bereuter. Strom, etwa für Smartphones oder Computer, gibt es auf der Hütte nicht, das Wasser ist in einem Brunnen vor dem Haus. „Wir sind in einem anderen Jahrhundert.“ Allerdings sind Solarduschen und ein Gasherd vorhanden, an dem gemeinsam gekocht wird. „Quantitativer Zuwachs allein macht nicht glücklich“, stellt der Seminarleiter fest, um dann zu ergänzen: „Wer weiß, wer er ist, braucht nicht viel.“ Schweigewanderungen, aber auch Waldspaziergänge, bei denen der Wolfurter Einführungen in die Pflanzenkunde gibt, lassen bei den Kursen Natur zusätzlich erfahrbar werden.

Sommer auf der Alpe

Bereuter, der gemeinsam mit seiner Frau auch in Münster Seminare abhält, möchte seine Arbeit am Theater in Zukunft ein wenig reduzieren. „Weil es unglaublich kräftezehrend ist“ und auch die Familie mit dem kleinen Sohn eine andere Wertigkeit bekommen habe. Und eigentlich möchte er in Zukunft den ganzen Sommer über oben auf der Alpe sein – „wenn mich jemand zum Segeln an den Bodensee mitnimmt, würde ich aber mitgehen“, kann er sich auch Unterbrechungen vorstellen. Sagt es und grinst.

Vorstellen kann er sich aber auch, die Haflinger seiner Schwiegereltern mit auf die Schwarzenberger Alpe zu nehmen und dort auch mit den Tieren zu arbeiten. „Meine Frau will eine Ausbildung als Pferdetrainerin machen.“ Und dann gibt es noch die Überlegung, eventuell wieder Kälber zu holen, denn letzendlich, so ist Bereuters Credo: „Wir gehen nicht in die Natur, wir sind die Natur.“ Und diesen Kreislauf möchte er in den nächsten Jahren auch wieder verstärkt in sein eigenes Leben einbringen.

n Informationen und Anmeldungen zu den Hüttenseminaren „Natur – Schauspiel – Körper“ unter:

www.huetten-seminare.at

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