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Schrott aus dem Haushalt als „Futter“

80.000 Tonnen Metallschrott werden bei ­Loacker in Götzis jährlich im Shredder verarbeitet. Doch ganz unumstritten ist die ­Recycling-Methode nicht.

Michael Steinlechner und Klaus Hartinger (Fotos)

Etwa 350 Tonnen schwer und 2000 PS stark ist der Shredder von Loacker Recycling in Götzis. Die Anlage ist nach Angaben der Verantwortlichen eine der modernsten in Europa. Mehrere hundert Tonnen wiederverwertbare Rohstoffe pro Tag kann die Maschine „ausspucken“, wenn sie zuvor mit Haushaltsschrott „gefüttert“ worden ist. Von kleineren Teilen wie beispielsweise Metalltonnen über Waschmaschinen bis hin zu ganzen Autos – alles, was vom Bagger auf ein großes Förderband gelegt wird, verschwindet im Schlund der Anlage. Und kommt am anderen Ende zerkleinert wieder heraus. Fein säuberlich getrennt in unterschiedliche Kategorien wie etwa Kunststoff, Eisen oder andere Metalle.

Getrennt und sortiert wird jedoch nicht nur im Shredder. Der Schrott wird von den Mitarbeitern bereits vor der Verarbeitung genau kontrolliert. So müssen bei Waschmaschinen die Kondensatoren, die Schadstoffe enthalten, entfernt werden. Bei Autos werden Treibstoff, Öl oder andere Flüssigkeiten abgelassen. Die Batterie wird genauso ausgebaut wie der Katalysator. Erst danach werden die Fahrzeuge in der Anlage zerkleinert, berichtet Marco Ortner, Leiter der Abteilung Qualität, Sicherheit und Umwelt bei Loacker.

Nicht unumstritten

Über die kleineren Schrottteile auf einem großen Haufen „wachen“ mehrere Mitarbeiter. Sie sortieren etwa nicht ganz leere Lack- oder Spraydosen aus. Denn sollten zu viele dieser unerwünschten Gegenstände gleichzeitig im Shredder landen, könnte es zu Verpuffungen kommen beziehungsweise könnten die Emissionswerte kurzfristig ansteigen. Und dies ist nicht im Sinne der Verantwortlichen. Denn die Anlage ist nicht ganz unumstritten.

Ausbau der Anlage

So sind etwa Anrainer in der Nachbargemeinde Altach bezüglich der Abgaswerte des Shredders besorgt. Zudem fürchten sie die von den Loacker-Verantwortlichen beantragte Erhöhung der Menge an Metallschrott, die jährlich verarbeitet werden darf. Statt 80.000 Tonnen sollen es künftig 115.000 Tonnen pro Jahr sein. Im Zuge des Ausbaus soll jedoch auch eine neuartige Filteranlage installiert werden, hieß es seitens des Recyclers. Allerdings steht derzeit noch in den Sternen, wann über den Antrag des Unternehmens entschieden wird.

Denn Ende des vergangenen Jahres hat der Umweltsenat in Wien entschieden, dass für den Ausbau der Kapazität eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist. Vertreter der Altacher Anrainer haben diesen Schritt begrüßt. Seitens der Firma Loacker wurde jedoch eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Die Entscheidung des Umweltsenats sei nicht rechtskonform gewesen, lautet die Argumentation der Verantwortlichen. Ehe das letzte Wort über einen Ausbau der Anlage gesprochen ist, könnten ihrer Meinung nach noch zwei oder drei Jahre vergehen.

Ähnlich sieht dies Erich Burschowsky, einer der Anrainer in Altach. Und so lange es keine Klarheit über die weitere Vorgehensweise gibt, heißt es abwarten, meint er.

30 verschiedene Sorten

Das Recycling und somit die Gewinnung der sogenannten Sekundärrohstoffe habe in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen, erzählt Loacker-Mitarbeiter Marco Ortner. Zudem seien die Methoden verfeinert worden. „So gibt es bei uns mittlerweile über 60 Aluminiumsorten, die wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden.“

Durch die effektive Trennung und Wiederverwertung lande immer weniger Müll in Verbrennungsanlagen oder auf Deponien. Für Ortner ist das Recycling im Land außerdem ein Stück weit „Verantwortung für den eigenen Abfall übernehmen“. Denn der Schrott, der im Shredder lande, stamme schließlich aus der Region. „Im Zusammenhang mit der Anlage wird oft über die Wiederverwertung von Autos gesprochen. Diese machen aber nur etwa acht Prozent dessen aus, was pro Jahr verarbeitet wird. Der überwiegende Teil ist unser aller Haushaltsschrott“, berichtet er.

Für ihn ist es daher selbstverständlich, dass dieser auch in Vorarlberg aufbereitet wird. „Denn Recycling muss dort passieren, wo der Abfall produziert worden ist“, ist Ortner überzeugt.

So funktioniert der Shredder

ber ein Förderband gelangen die Schrottteile in das Innere der Anlage. Ein Mitarbeiter steuert diese vom Leitstand aus. Auf mehreren Monitoren sieht er dabei Bilder aus der Anlage. Zudem kontrolliert er die Abgaswerte, die auf einem weiteren Bildschirm abzulesen sind. Das Herzstück der Maschine ist ein Rotor, auf dem insgesamt 14 Metallhämmer montiert sind. Diese zerkleinern den Schrott. Zudem werden durch die Wucht der Hammerschläge Verbundstoffe voneinander getrennt. Staub und Schmutz werden abgesaugt.

Sobald die zu recyclenden Teile klein genug sind, fallen sie durch einen Rost und werden weitertransportiert. In mehreren Schritten werden die unterschiedlichen Materialien voneinander getrennt. Zum Einsatz kommt dabei etwa ein Windsichter, der beispielsweise leichte Kunststoffteile aussortiert. In einer Magnet­trommel wird das Eisen von anderen Metallen wie etwa Kupfer getrennt. Zum Schluss sortieren Mitarbeiter eventuell vorhandene Fremdkörper aus. Etwa ein Kabel, das an einem Metallstück hängen geblieben ist. Am Ende der Maschine wird das Metall direkt in einen Waggon gefördert und schließlich mit dem Zug ins Stahlwerk gebracht.

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