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Kinderflugtag: Fixpunkt im Flugjahr zweier Piloten

50 „Kapitäne der Lüfte“ erfüllen jedes Jahr beim Kinderflugtag kranken und sozial benachteiligten Mädchen und Buben den Traum vom Fliegen. Der Termin im Juli ist bei den Piloten Philip Jochum und Ludwig Müller rot im Kalender markiert.

Dunja gachowetz

Als Kind ist Ludwig Müller oft in der Wiese beim Flugplatz in Hohenems gestanden. Schaute den Luftfahrzeugen zu, wie diese auf der Asphaltpiste immer schneller rollten, bis sie schließlich abgehoben haben und immer höher in den Himmel gestiegen sind. „Einmal, als meine Eltern an einer Wallfahrt teilgenommen haben, habe ich mein Sparschwein geschlachtet. 100 Schilling habe ich herausgenommen und bin nach Hohenems zum Flugplatz gefahren. Dort erklärte ich einem Piloten, dass ich fliegen möchte“, erinnert sich Müller. Der Pilot sagte ja und hob mit dem Kind zu seinem ersten Flug ab. Das war vor 50 Jahren. Für den Neo-Pensionisten ist dieses Erlebnis noch gut im Gedächtnis. So gut, als wäre es gestern gewesen. „Ich durfte sogar selbst den Steuerknüppel in die Hand nehmen und das Flugzeug lenken“, erzählt Müller, der früher als Pfleger in einem Krankenhaus gearbeitet hat und seit mindestens zehn Jahren beim jährlichen Kinderflugtag für das Rundflugteam Flugplatz Hohenems abhebt.

Begeistert vom Sturzflug

Um ehrenamtlich für die gute Sache in die Luft zu gehen, dazu musste er nicht lange überredet werden. „Wenn du Pilot bist, dann bist du schon privilegiert. Es ist ein Bombenerlebnis, seine Heimat einmal von oben zu sehen“, weiß er. Genau dieses Erlebnis möchte er mit seinem Einsatz beim jährlichen Kinderflugtag in Hohenems kranken und sozial benachteiligten Mädchen und Buben ermöglichen. Erlebt hat er mit den kleinen Menschen in den vergangenen Jahren einiges. Kann viele Geschichten erzählen. Eine davon ist die, von einem Mädchen und einem Sturzflug: „Das Kind wollte unbedingt einmal einen Sturzflug erleben. Ich erlaubte es ihr und habe sie den Steuerknüppel nach vorne drücken lassen. Sofort steuerte das Flugzeug nach unten. Das Mädchen hatte eine riesen Gaudi. Ihre Mutter, die ebenfalls im Flugzeug gewesen ist, weniger“, erinnert sich der Pensionist und lächelt.

Oft zeigen die Piloten den kleinen Passagieren deren Zuhause auch aus der Vogelperspektive. „Wir haben zwar eine vorgegebene Flugroute, aber auch einen gewissen Freiraum, wohin wir mit den Kindern fliegen können. Und einmal das eigene Zuhause von oben zu sehen, das ist schon auch immer ein Erlebnis für sie“, sagt der Pilot.

Wie Ludwig Müller hat auch der heute 20-jährige Philip Jochum als Kind den Flugzeugen beim Starten zugesehen und davon geträumt, bald selbst ein solches zu steuern. Seinen Traum vom Fliegen hat sich der CNC-Lasertechniker mittlerweile erfüllt. Er hat den Privatpilotenschein in der Tasche. Seit vier Jahren hat nun auch Philip jeden Juli den zweiten Dienstag des Monats mit einem roten Kreuz markiert. „Diesen Tag halte ich mir frei. Als mich Andreas Seeburger vom Rundflugteam Flugplatz Hohenems gefragt hat, ob ich beim Kinderflugtag mitmache, war ich sofort dabei“, erzählt Philip. Berührungsängste mit den teilweise schwer kranken Kindern hatte der junge Mann von Anfang an keine. Ihm bereitet es Freude, den kleinen Passagieren Vorarlberg von oben zu zeigen. „Ganz wenige der Mädchen und Buben sind ein bisschen nervös. Wir beruhigen sie dann, damit auch sie ihren Flug genießen können“, sagt der junge, aber bereits erfahrene Pilot.

Freude und Spaß

Durchschnittlich absolviert jeder der insgesamt 50 Piloten an diesem Tag zehn Starts. Mitunter hebt eines von insgesamt 15 im Einsatz befindlichen Flugzeugen an so einem besonderen Tag sogar bis zu 15 Mal ab. Doch als anstrengend empfinden dies weder Ludwig Müller noch Philip Jochum. „Liegst du am Abend im Bett, dann weißt du von was du müde bist und was du den ganzen Tag getan hast. Welche Freude du den Kindern bereitet hast, wie viel Spaß sie beim Fliegen gehabt haben. Da ist jegliche Anstrengung vergessen“, sind sich die beiden Männer einig.

Der Kinderflugtag wird seit 13 Jahren von den Mitgliedern des Rundflugteams Flugplatz Hohenems/Fliegen für Kinder mit Handicap und dem Verein Stunden des Herzens veranstaltet. Nach Angaben der beiden Vereine ist dieser Kinderflugtag die größte fliegende Sozialaktion Europas. Und heuer soll das 3500. Kind aus 13 Jahren Kinderflugtag in die Luft gebracht werden.

„Am Abend weißt du dann, was du den ganzen Tag getan hast“

Philip Jochum und Ludwig Müller, Piloten beim Kinderflugtag
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