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„Man lernt so viel für das ganze Leben“

Sieben Monate lang haben Florentina Lang (19) aus Schwarzach und Lena Fink (18) aus Bregenz als Freiwillige in einem Kindergarten- und Schulzentrum in Ecuador gearbeitet – ein spannendes und lehrreiches Erlebnis.

Brigitte kompatscher

Die beiden sind jahrelang in dieselbe Klasse gegangen und schon ziemlich lang befreundet, erzählen sie. Dass sie für die Zeit nach der Matura ähnliche Pläne hatten, stellten Florentina Lang (19) aus Schwarzach und Lena Fink (18) aus Bregenz allerdings erst relativ spät fest. „Ich wollte immer schon nach der Matura ins Ausland, und am liebsten nach Lateinamerika“, erinnert sich Florentina. Und als sie dann mit ihrer Freundin, der ähnliches vorschwebte, darüber ins Gespräch kam, machten sich die beiden Mädchen gemeinsam daran, nach geeigneten Projekten zu suchen – das war 2012 in der 7. Klasse. Fündig wurden sie beim Freiwilligeneinsatz der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg, die unter anderem Projekte in Ecuador hat.

„Stimmiges Projekt“

„Es war ein Projekt, das uns am meisten angesprochen hat“, sagt Florentina, und Lena fügt hinzu: „Es war am stimmigsten.“ Konkret ging es dabei um die Mitarbeit in einem Integrationskindergarten und einer -schule in Cuenca, der drittgrößten Stadt Ecuadors (siehe Factbox). „Es hat interessant geklungen, und wir hatten ein gutes Gefühl“, erinnern sich die beiden. Nach weiteren Informationen, einem persönlichen Gespräch, Bedenkzeit und Vorbereitungstagen war es im Juli vergangenen Jahres soweit: Der Vertrag wurde unterschrieben, nachdem die Mädchen die Matura erfolgreich absolviert hatten.

„Wirklich vorbereiten kann man sich nicht“, stellt Florentina im Nachhinein fest, „man muss einfach schauen, was kommt.“ Am 4. September 2013 sind die beiden Vorarlbergerinnen dann von München über Düsseldorf und Miami in die ecuadorianische Hauptstadt Quito geflogen. Von dort ging es dann weiter in die rund 277.000-Einwohner-Stadt Cuenca, die auf rund 2500 Metern liegt – ihrem Zielort.

Die ersten drei Monate waren die beiden bei Gastfamilien untergebracht. Später zogen sie in eine leer stehende Pfarrwohnung, nachdem der zuständige Pfarrer ein eigenes Haus hatte, erzählen sie. Dort kam später eine weitere Freiwillige, eine Berlinerin, dazu. Tätig waren Lena und Florentina im Kindergarten-Schul-Zentrum, in dem rund 200 Kinder zwischen vier und 14 Jahren, darunter behinderte beziehunsgweise mit erhöhtem Förderbedarf, unterrichtet und betreut wurden. Während Lena als Unterstützung der Lehrerin bei einer 23-köpfigen Gruppe von Fünfjährigen war und sich da besonders um einen Integrationsschüler kümmerte, war Florentina in einer 22-köpfigen zweiten Klasse bei Siebenjährigen. Auch ihr Job bestand darin, die Lehrerin zu unterstützen. Und etwa verstärkt mit den drei Integrationsschülern, die in der Klasse waren, zu arbeiten.

Geduld gefragt

Während die Stadt als solche „westlicher“ war, als sie sich diese vorgestellt hatten, war vor allem der Zeitbegriff der Südamerikaner für die Vorarl­bergerinnen zunächst doch gewöhnungsbedürftig. „Man muss bei vielen Sachen Geduld haben“, sagt Florentina, „und das haben die Leute auch, denn zu spät kommt jeder.“ Und sie fügt hinzu: „Sie meinen es aber nicht bös.“ Und dann erzählen die beiden von einem Konzert, das sie an einem Sonntagnachmittag besuchen wollten. Anfangen hätte es um 16 Uhr sollen. Als sie um 16.30 Uhr dort ankamen, habe man langsam begonnen aufzubauen. Angefangen habe es letztendlich um 23 Uhr, „aber da waren wir schon wieder daheim“.

Als äußerst positiv haben die Jugendlichen erlebt, dass sie in der Schule „super eingebunden“ wurden. „Die Menschen waren auch sehr offen für Vorschläge, und wenn man freundlich ist, wird man immer sehr positiv wahrgenommen“, so ihre Erfahrungen. Und „man hat geschätzt, dass wir da waren“. Auffallend war für die beiden Vorarlbergerinnen indes, dass viele Mädchen bereits mit 17 oder 18 Jahren Kinder bekommen. „Meine Gastschwester war 24 und schwanger, und da hat es schon geheißen, dass das spät sei“, erzählt Florentina. Unterschiede gebe es auch im Verhältnis zwischen Männern und Frauen – der patriarchale Aspekt sei schon noch viel stärker vorhanden als hierzulande. Familie und viele Kinder seien in Ecuador sehr wichtig, berichten die Vorarlbergerinnen, die zu Weihnachten auch bei einem „Riesen-Familienfest“ waren, von weiteren Erfahrungen. Im Widerspruch dazu stünden allerdings zahlreiche junge alleinstehende Mütter, wo sich die Väter nicht um die Kinder kümmern würden.

Bis Ende März des heurigen Jahres haben Lena und Florentina gearbeitet. Der Abschied war ein sehr trauriger Moment für alle, erinnern sie sich mit Wehmut zurück. „Die Kinder wachsen einem ans Herz und umgekehrt.“ Anschließend sind die beiden dann noch herumgefahren, zwei Wochen in Costa Rica, eine Woche auf den Galapagosinseln und zwei Wochen durch die USA. Seit 6. Mai sind Florentina und Lena wieder in Vorarlberg. Familie und Freunde wieder zu sehen war schön, sagen sie, „aber man gewöhnt sich fast zu schnell an daheim. Es ist dann alles wieder so normal“.

Die zwei würden auf jeden Fall wieder an einem derartigen Projekt teilnehmen. „Es gab keinen einzigen Moment, wo wir es bereut haben.“ Natürlich habe es Situationen gegeben, wo man sich weggewünscht habe – aber die gebe es überall. Zudem hätten sie das erste Mal allein gewohnt, und „wenn man am Abend müde nach Hause gekommen ist und keine mehr Lust hatte einzukaufen, dann hat es eben nichts zu essen gegeben“, waren weitere Erfahrungen. Einig sind sich die beiden, dass sie sehr viel für ihr Leben gelernt haben – nicht nur Spanisch, das Lena bereits in der Schule, Florentina vorher gar nicht gelernt hatte. Als besonders gefährlich haben die Vorarlbergerinnen, die in den Schulferien viel mit Bussen im Land herumgereist sind, Ecuador nicht empfunden. Natürlich müsse man aufpassen, aber viel mehr als kleinere Diebstähle hätten sie auch in ihrem Bekannten- und Freundeskreis nicht mitbekommen.

Man kann was tun

Während Florentina schon wieder in einem Ferialjob in der Gastronomie tätig ist, macht Lena ihren Führerschein. Ab Herbst werden die beiden in Wien studieren: Florentina Nahrungsmittel- und Biotechnologie, Lena ist noch am Überlegen. Bei sozialen Projekten mitzuarbeiten können sie sich auch in Zukunft vorstellen und das müsse nicht unbedingt im Ausland sein – denn auch hierzulande könne man einiges tun, sind die beiden engagierten Jugendlichen überzeugt.

Programm Cuenca

Das Bildungsprogramm der Pfarre San Roque in Cuenca wurde vom aus der Schweiz stammenden Pfarrer Roman gegründet. Neben einem Kindergarten wird eine Vor- und Volksschule betrieben. Die Schüler stammen aus allen Schichten und Bevölkerungsgruppen. Auch Kinder mit Lernschwächen und besonderen Bedürfnissen werden aufgenommen. Es ist eines von mehreren Projekten in vier Ländern im Rahmen der internationalen Freiwilligeneinsätze der Caritas Vorarlberg. Informationen dazu: Caritas Auslandshilfe, Daniel Zadra, Iris Feuerstein, Tel. 05522/200-1063.

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