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Mit Disziplin und Intelligenz

Vom Tellerwäscher zum Weltmeister: Den amerikanischen Traum hat sich der in Lochau lebende Bulgare Ivo Donev buchstäblich erspielt. Mit Disziplin und Intelligenz.

Besonnen, ruhig und überlegen wirkt Ivo Donev privat. Und sofort blitzt der Gedanke auf, dass er das berühmte Pokerface beherrscht wie kaum ein anderer. Der professionelle Schach- und Pokerspieler aus der Stadt Russe in Bulgarien hat sich vor 25 Jahren in Vorarlberg niedergelassen. Bislang ist er der einzige Österreicher, der bei den World Series of Poker im Jahr 2000 ein Bracelet (ein goldenes Armband, zu vergleichen mit Gold bei Olympia) gewonnen hat.

Sein Vater war in Bulgarien ein nationaler Schachmeister. Ivo begeisterte sich bereits mit sechs Jahren dafür und begann, Schach zu spielen. Er habe das Talent aber nicht geerbt, sondern das Können mit hartem jahrelangem Training erarbeitet, sagt der 55-Jährige.

Donev studierte Sport und Schach an der Sportuniversität in Sofia. „Ich habe sehr viele Bücher studiert und analysiert, das war ausschlaggebend für meine späteren Erfolge.“ Als erster diplomierter Schachtrainer schloss er 1987 das Studium ab und gewann in der damaligen Tschechoslowakei das „Internationale Trinec Schachmeister Turnier“, was ihm den Titel „Internationaler Meister“ einbrachte. Im selben Jahr kam er mit 150 DM in der Tasche nach Dornbirn, erreichte beim „International Dornbirn-Open“-Schachturnier den 3. Platz. Er entschloss sich, in Vorarlberg zu bleiben und als Schachprofi seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Anfangs wohnte er im Dornbirner Kolpinghaus, arbeitete als Küchenhilfe in Rankweil. Dann begann er, professionell Schach zu spielen und wurde Trainer der österreichischen Jugend-Nationalmannschaft bei verschiedenen Europa- und Weltmeisterschaften. Sein jüngster Erfolg ist der wiederholte Titel des Vorarlberger Landesmeisters beim internationalen Dreikönigsschachturnier 2015 in Bregenz.

1998 startete Ivo Donev mit dem Nicknamen „The Chessmaster“ seine Pokerkarriere. „Ich war zur Entspannung im Casino und schaute mir die Menschen an den Spieltischen an. Dabei habe ich begriffen, dass man gegen die Bank nicht gewinnen kann. Denn die Bank ist immer im Vorteil – außer beim Poker. Der intelligente, kluge und disziplinierte Spieler wird belohnt. Ich begann Pokerbücher zu lesen und übte am Computer mit speziellen Programmen. Glück und Können sind beim Pokern so bunt gemischt wie bei keinem anderen Spiel“, meint Ivo Donev und blickt auf seine beträchtliche Sammlung von Pokalen, vorneweg der „Best Austria Pokerturnierspieler 2012“.

Weltmeister in Las Vegas

Schon zwei Jahre später, im Jahr 2000, wurde er in Las Vegas Poker-Weltmeister und gewann das berühmte goldene Armband, das Bracelet. Die WSOP, World Series of Poker, ist eine Reihe von Pokerturnieren, die alljährlich in Las Vegas ausgetragen wird. Jeder, der bereit ist, das relativ hohe Startgeld zu bezahlen, kann das „Main Event“ oder andere WSOP-Turniere spielen, wenn er über 21 Jahre alt ist. „Das Geld kommt in einen Topf und wird dann unter den ers­ten zehn Prozent der Spieler verteilt.“ Das ganz große Los zog er aber zwei Jahre später am Bahnhof in Bregenz. Dort lernte er seine große Liebe Hildegard kennen, die er heiratete, mit der er eine Familie gründete und ein Haus baute.

Ivo Donev jettet weiter in der Welt umher, um zu spielen, abwechselnd Schach und Poker. „Ich konnte meine Fähigkeiten vom Schach auch beim Pokern einsetzen. Die Systeme sind ähnlich. Auch beim Poker muss man die Situation richtig einschätzen, aber die Information ist unvollständig, man hat zwei verdeckte Karten. Der Glücksfaktor beim Poker liegt bei ungefähr 30 bis 40 Prozent, beim Schach ist er viel kleiner und liegt bei drei bis vier Prozent. Beim Poker bewegt er sich gewaltig, am Anfang ist der Glücksfaktor sehr klein, aber gegen Ende eines Spiels enorm hoch. Theoretisch kann jeder gewinnen“, meint Ivo Donev, der jedes seiner Spiele im Nachhinein akribisch analysiert. Er notiert sich schon während des Spiels die Spielzüge, Positionen, die Anzahl der Chips und andere Details. Bei der Analyse danach entdeckt er seine Fehler und versucht, sich zu verbessern.

Seit 2003 gibt es einen Pokerboom, der sich in Richtung Sport entwickelt hat. Das interessante Spiel wurde aus dem dunklen Keller geholt und ins Rampenlicht gestellt. Es gibt Kameras über den Tischen. Jeder Tisch hat einen Schiedsrichter, und jedes Turnier hat Leute, die wiederum Schiedsrichter und Spieler kontrollieren und sich bei fragwürdigen Situationen einmischen. Schummeln ist damit unmöglich, aber das wesentlich Reizvollere beim Pokern ist das Bluffen, jedoch nur eine kleine Anzahl der Spieler beherrscht das berühmte Pokerface. „Ohne Bluffen kann man normalerweise niemals ein Turnier gewinnen“, meint der Weltmeister. „Man bekommt ungefähr zehn Prozent gute Karten. Wichtig ist, dass man mit den guten Karten maximal gewinnt und mit den schlechten minimal verliert. Aber generell bekommt jeder Spieler gleich viel gute und schlechte Karten.“

Je erfahrener ein Spieler ist, desto besser erkennt er, ob ein anderer blufft. „Ich beobachte meine Gegner am Tisch. Jeden einzeln. Wenn einer gegen einen anderen blufft, speichere ich das Muster ab, und wenn er dann gegen mich spielt, weiß ich seine kleinsten Bewegungen und erkenne meistens, ob er blufft.“

Ivo Donev schützt sich selbst bis ins Detail. Seine Hände sind vor dem Mund verschränkt, und er spielt oft mit dunkler Brille nach dem „Chamäleonstil“. Genauso schnell, wie sich das Tier farblich seiner Situation anpasst, sollte sich der Spieler an den Tisch anpassen und herausfinden, wie viele Profis und wie viele Amateure spielen.

Harte Arbeit

Seit dem Pokerboom ist das Spiel nicht nur in aller Munde, sondern vor allem in allen Medien präsent. Diese zeigen jedoch nur die Sieger und die hohen Gewinne, was nicht selten vielen eher jungen Menschen vermittelt, so zu schnellem Geld zu kommen. „Das ist nicht so. Es braucht viele Jahre harter Arbeit, unzählige Bücher, Analysen und Disziplin. Es ist wie im Hochleistungssport: Mittelmäßigkeit bringt fast nichts.“ Mit Disziplin, Geduld, guter Konzentration und Kapitalmanagement hat Donev es geschafft. Wenn es nicht läuft, geht er nach Hause.

Yasmin Ritter

Zur Person

Ivo Donev: Pokerspieler und internationaler Schachmeister, Schachtrainer und Dolmetscher in fünf Sprachen

Geboren: 25. Dezember 1959

Wohnhaft: Lochau

Familie: verheiratet mit Hildegard, zwei Kinder

Hobbys: Fitness, Schwimmen, Wandern

Autor des Schachbuchs: „Die wichtigsten Ideen im Endspiel“

Kontakt: www.ivodonev.com

Blog: http://www.ivodonev.com/blog/

Pokertraining beim Weltmeister:

Sommer 2015

„Pokercoaching Komplettpaket“ für Neueinsteiger und Fortgeschrittene

Ort: Varna (Bulgarien), am Strand vom Schwarzen Meer

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