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Der Pflege des Brauchtums verpflichtet

Vor 30 Jahren wurde die Funkenzunft Raggal gegründet. Zuvor haben Kinder und Jugendliche aus dem Dorf jedes Jahr den Funken gebaut.

Michael Steinlechner

Ein besonderer Tag ist der heutige Funkensonntag für viele junge Raggaler. Denn als Krochner beziehungsweise Fachilischwinger ziehen sie in der Gemeinde von Haus zu Haus. Die Krochner, das sind Mädchen im Pflicht- und Buben im Volksschulalter, machen sich bereits nach der Vormittagsmesse auf den Weg. Am Nachmittag besuchen dann auch ältere Burschen als Fachilischwinger mit langen Holzfackeln im Gepäck die Einwohner. Dabei sammelt der Nachwuchs Spenden wie etwa Süßigkeiten, Funkaküachle oder auch kleine Geldbeträge. Später werden diese dann unter den einzelnen Mitgliedern der Gruppen aufgeteilt.

Früher hatten die Fachilischwinger noch eine weitere Aufgabe. Denn sie waren es, die immer am Sonntag nach dem Aschermittwoch den Funken im Ort aufgebaut haben. Meist unter der Anleitung von älteren Burschen mussten sie bereits Monate vorher das Holz sammeln, spalten und zum Funkenplatz bringen. Dort wurde dann das hölzerne Bauwerk aufgetürmt. Seit mittlerweile 30 Jahren übernehmen diese Aufgabe jedoch die Mitglieder der Funkenzunft. Die Kinder und Jugendlichen müssen aber das Holz am Funkenplatz schlichten und beim Bau mithelfen.

Erstes eigenes Geld

Michael Burtscher und Elmar Bickel können sich noch gut an jene Jahre erinnern, in denen es die Funkenzunft noch nicht gegeben hat. Schließlich waren sie in ihrer Jugend selbst als Fachilischwinger unterwegs. „Und es war toll, weil man durch das Sammeln sein erstes eigenes Geld bekommen hat“, erinnert sich Burtscher, der selbst schon Obmann der Zunft war. Sein Nachfolger in dieser Funktion ist Robert Tschann. Ein „Zuagraster“, wie er sich selbst nennt. Trotzdem liegt ihm – so wie den anderen Mitgliedern – die Pflege des alten Brauchtums am Herzen.

Aus diesem Grund wird der Raggaler Funken auch traditio­nell am Sonntag entzündet und nicht am Samstag wie in vielen anderen Orten. Auch wenn dies­ durchaus Vorteile hätte, wie die Raggaler zugeben. „Zum einen könnte man dann den Sonntag nutzen, um am Funkenplatz aufzuräumen“, meint Tschann. „Und das Fest würde vielleicht länger gehen, weil die Gäste nicht am nächsten Tag aufstehen und zur Arbeit müssen“, gibt Schriftführer Toni Maly zu und lacht.

Andererseits hätten die Raggaler dann keine Zeit mehr, die Kollegen in Ludescherberg zu besuchen. Denn deren Funken wird am Samstagabend abgebrannt. Und zu ihnen haben die Mitglieder der Zunft eine ganz besondere Beziehung. So war das Gelächter groß, als am Ludescherberg vor einigen Jahren die Hexe aus den Flammen „gerettet“ worden war und später beerdigt werden musste. Genauso hatten die Ludescherberger ihre Freude, als 1998 der Funken in Raggal Sonntagfrüh von Unbekannten angezündet worden war. Ein Ereignis, an das sich Tschann und seine Mitstreiter nur ungern erinnern. „Wir haben damals die Funkenwacht vernachlässigt, weil zu lange nichts passiert ist. Und das hat jemand ausgenützt“, analysiert der Obmann.

Starker Zusammenhalt

Doch der Streich zeigte auch, wie stark der Zusammenhalt unter den Zünften im Großwalsertal ist. Denn die Raggaler beschlossen am Sonntagvormittag, noch schnell einen neuen Funken aufzustellen. „Da stellte sich die Frage, woher wir dafür genügend Holz bekommen“, erläutert Burtscher. Einen Teil erhielten die Zünftler von Bewohnern der eigenen Gemeinde. Doch auch die Kollegen vom Ludescherberg und aus den umliegenden Orten halfen aus. Und so wurde am Abend dann der Ersatz-Funken entzündet.

Gar nicht gebrannt hat der Raggaler Funken dagegen vor drei Jahren. Das Wetter machte den Mitgliedern der Zunft damals einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund starker Föhnböen und trockener Witterung war die Brandgefahr zu hoch. Schweren Herzens entschieden sich die Verantwortlichen deshalb auf den traditionellen Brauch zum Austreiben des Winters zu verzichten. „Vor allem weil am Tag zuvor beim Funken am Ludescherberg die Feuerwehr eingreifen musste. Da wollten wir kein Risiko eingehen“, erklärt Tschann.

Wie in den anderen Regio­nen des Landes werden auch die Holztürme im Walsertal auf eine ganz besondere Art und Weise gebaut. So verwenden die Raggaler etwa keine Nägel, um dem Bauwerk Stabilität zu verleihen. Viel mehr werden die Holzscheite in einer bestimmten Art aneinandergelegt, sodass der Funken stabil steht. Das Holz dafür wird der Funkenzunft von der Agrargemeinschaft zur Verfügung gestellt. Dafür werden einige Bäume im Wald eigens markiert und anschließend von den Funknern gefällt und abtransportiert.

Auf Sicherheit achten

Auch dies ist ein Grund, warum im Jahr 1985 eine eigene Zunft gegründet worden ist. „Denn früher kamen sehr viele Kinder und Jugendliche aus Bauernfamilien. Sie waren mit den Handgriffen beim Holzfällen und der Bearbeitung der Baumstämme vertraut“, erzählt Burtscher. Dies habe sich jedoch mit der Zeit geändert. Und so wurde beschlossen, diese durchaus gefährliche Arbeit im Rahmen der Zunft denjenigen zu übertragen, die sich damit auskennen. Überhaupt wird beim Funkenbau mittlerweile sehr auf die Sicherheit geachtet. Schließlich soll niemandem etwas passieren. So tragen die Jungen beim Schlichten der Holzscheite alle einen Helm. Wenn das Bauwerk in die Höhe wächst, wird heute ein Gerüst aufgestellt, auf dem die Burschen und Männer arbeiten. Früher wurden dafür lediglich mehrere Leitern verwendet. „Und da war es dann oft kritisch, dass nicht eine bricht, wenn zu viele Personen draufgestanden sind“, berichtet Tschann.

Doch die Mitglieder der Funkenzunft sind nicht nur mit dem Bau der hölzernen Türme beschäftigt. Alle zwei Jahre veranstalten sie auch einen Faschingsumzug in der Gemeinde. Zudem nehmen sie an Umzügen in der Umgebung teil. Außerdem wird jedes Jahr zu Beginn der Fasnat am 11. November eine Veranstaltung in der Raggaler Walserhalle organisiert. Das dabei eingenommene Geld wird für Ausflüge und auch für den Funken verwendet. Denn der Funkensonntag ist nach Angaben von Schriftführer Toni Maly meis­tens ein Null-Geschäft – Einnahmen und Ausgaben halten sich die Waage. Aber aus finanziellen Gründen veranstalten die Raggaler ihren Funken sowieso nicht. Ihnen geht es um den Erhalt eines alten Brauchtums. So dass auch in Zukunft an jedem Funkensonntag die Fachilischwinger an die Türen klopfen und ihren Spruch aufsagen können: „Von Haus zu Haus, über Joch und Berg aus, z’Küachle i’t Pfanna, z’Glück in’s Haus und’s Geld heraus!“

funkenzunft Raggal

Gründung: 21. Februar 1985

Obmann: Robert Tschann

Stellvertreter: Egon Gassner

Mitgliederzahl: 26

Funkenabbrennen: Heute, ab 20 Uhr, am Funkenplatz Raggal mit musikalischer Umrahmung durch den Musikverein Fraßenecho Raggal

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