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Der Tanz auf dem Vulkan

Adelsexpertin Lisbeth Bischoff (59) bewegt sich auf internationalem Parkett. Im Vorjahr wirbelte sie sich bei Dancing Stars in die Herzen des Publikums. Obwohl sie gar nicht tanzen kann …

Ariane Aliabadi

Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeitet die bekannte Journalistin und Moderatorin für den ORF. 1988 wurde die gebürtige Vorarlbergerin vom Landesstudio nach Wien für den Aufbau von Seitenblicke geholt. 17 Jahre mischte sie sich unter Österreichs Gesellschaft, arbeitete für Willkommen Öster­reich (am Vorabend), berichtete vom Opernball und Gery Keszlers Life Ball. Besuchte die Königshäuser Europas, war am Puls der royalen Freuden und Dramen. Manche Menschen in ihrem Alter erwarten sehnsüchtig den Ruhestand. Sie denkt daran, dass sie unbedingt noch Queen Elisabeth II. treffen muss. Zum 89. Geburtstag der Queen und um ihr ein Interview abzuringen. Mit Einfallsreichtum gelangte Lisbeth Bischoff zu Gesprächen mit Stars, die zunächst unmöglich erschienen. Was kann diese Frau da noch überraschen?

Im September 2013 wurde sie gefragt, ob sie bei Dancing Stars teilnehmen möchte. Nicht zum ersten Mal. Die Sendungsverantwortliche hatte seit drei Jahren erfolglos bei Lisbeth Bischoff angeklopft. Dieses Mal sollte es klappen. Warum beim dritten Mal? Die Dichte an königlichen Hochzeiten und Ereignissen der letzten Jahre verlangten nach Abwechslung. Bischoff sagte, damals 58-jährig, letztendlich spontan zu. Ein Umstand, der in ihrer Umgebung völlige Verständnislosigkeit auslöste. Warum tust du dir das an? In deinem Alter? Willst du dich blamieren? Nein, das wollte sie nicht, aber: Die souveräne Moderatorin wollte ihre Grenzen ausloten. In dem sie einmal etwas tat, was sie NICHT konnte.

Mutig sprang sie ins kalte Wasser. Tanzpartner Gerhard Egger war es unmöglich, sie zu schonen. Das Training war erforderlich und musste absolviert werden. Drei bis sieben Stunden täglich. Sie durchlebte Höhen und Tiefen, kam an ihre körperlichen und mentalen Grenzen, biss sich aber zähneknirschend durch. Dachte daran, hinzuschmeißen. Tat es nicht. Kämpfte gegen Lampenfieber, das ihr in dieser Form fremd war: Die Scheinwerfer waren auf sie gerichtet.

Lehrreiche Zeit

Acht Wochen tanzten die beiden an der beinharten Jury vorbei, mussten auch Kritik einstecken. Damit umgehen, vor Publikum abgekanzelt zu werden. Eine lehrreiche Zeit, in der sie Tanzpartner Egger mit ihrer Willenskraft beeindruckte. Trotz oder gerade wegen des rauhen Windes, der ihnen seitens der Jury entgegenschlug, punkteten sie bei den Zusehern. Beim Wiener Walzer kam es zum Aus: „Die Musik war sehr schön. Der Tanz hätte noch mehr bieten können“, war das trockene Juryurteil. Sie erreichten Platz 5. Für Lisbeth Bischoff war es ein Sieg: Sie genoss das Tanzen. „Tanzen ist das Gerings­te, das dir dort passieren kann“, sagte man ihr. Persönlichkeit, Ausstrahlung, Sympathie stehen im Vordergrund und beeinflussen das Publikums-Voting. Das Gesamtpaket zählt und wie man als Paar harmoniert. Lisbeth Bischoff vermittelte Lebensfreude pur, wurde immer weitergewählt und machte einer ganzen Generation Mut nach dem Motto: Hinfallen, aufstehen, Krone zurechtrücken, weitertanzen.

Diese Erfahrungen sind für sie unbezahlbar. Sie stemmte sich mit aller Kraft gegen die eigenen Zweifel und die der anderen: Du bist verrückt, du wirst dir was brechen, einen Bandscheibenvorfall kriegen. Es ist peinlich, dass du dich so bewerten lässt. Das Gegenteil war der Fall: Muskeln und Knochen wurden gekräftigt, ihre Bandscheiben freuten sich über neuen Spielraum. Die Kritik machte sie stärker. Mittels Tagebuch verarbeitete sie die Erlebnisse und zog diese für eine Buch-Idee heran, die in ihr reifte.

Sie wollte anderen Menschen mitteilen, wie stark sie sich verändert hatte. Viele Male ertappte sie sich, wie sie sich beschränkte. Meinte, etwas aus diesen oder jenen Gründen nicht tun zu können. Fragte sich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Und wurde Tanzschritt für Tanzschritt mutiger. Sie vollbrachte mit 58 Jahren körperliche Höchstleis­tungen: einen Rückwärts-Salto und eine schwierige Hebefigur – die einzige in der Staffel. Sie erntete Standing Ovations.

Mental war die Herausforderung: Wie schaffe ich es, mir die Choreografie zu merken? In Richtung welcher Kamera muss ich tanzen? Auf normalem Tanzparkett kein Thema. Verfehlt man während der Live-Sendung die richtige Kamera, ist man nicht mehr auf dem Schirm zu sehen!

Zeit für ihr Buch fand sie erst nach den drei Monaten bei Dancing Stars. Dank ihrer Notizen war es im Herbst 2014 druckreif. Die Präsentation wurde jedoch aufgrund eines traurigen Ereignisses verschoben.

Merci Chérie

Viele Male durfte Lisbeth Bischoff Udo Jürgens interviewen. Seit ihrer Jugend war sie ein großer Fan. 2009 veröffentlichte sie eine Biografie anlässlich seines 75. Geburtstags. Am 21. Dezember 2014 flog sie nach Vorarlberg, um Weihnachten bei ihrer Familie zu verbringen. Ohne besonderen Grund fotografierte sie auf der von ihr vielbereisten Strecke erstmalig das Schweizer Bodenseeufer. Nicht ahnend, dass sich der Künstler zur gleichen Zeit dort befand. Die Zeit des Abschieds war für ihn gekommen. Ihr Idol verstarb während eines Spaziergangs an Herzversagen.

Lisbeth Bischoff hat viel erlebt. Freud und Leid des Reporterlebens, Termine von jetzt auf gleich, ab in den Flieger nach sonstwohin und – funktionieren müssen. Sie plaudert aus dem Nähkästchen wie kaum jemand. Eine Geschichte nach der anderen perlt ihr von den Lippen. Man merkt: Diese Frau brennt für ihren Beruf. Sie erzählt lebendig und spannend von den Begegnungen: Königliche Hoheiten, Hollywood-Größen, internationale Stars aus Kunst und Kultur. Wie sie fast Unmögliches durch Zähigkeit und Kreativität möglich machte. Dabei einiges in Kauf nehmen musste: strenge Einführungen in das Hofzeremoniell etwa, endlose Wartezeiten, Diskussionen mit der Security …

Das 20-jährige Jubiläum feierte „Wetten, dass …?“ 2001 auf dem Dornbirner Messegelände. Lisbeth Bischoff war mit einem Kamerateam vor Ort und begehrte Einlass. Mit Anmeldung und Drehgenehmigung. Nach eineinhalbstündiger Diskussion mit dem Türsteher – es regnete in Strömen – gab es kein Durchkommen. Beharrlich bat Bischoff: „Holen Sie doch diesen oder jenen Zuständigen.“ Der Security-Mann war nicht zu erweichen. Interviews mit Ehrengästen konnte sie sich abschminken. Sie verließ mit dem Kameramann frustriert das Gelände. Es schüttete unaufhaltsam. Entnervt kämpften sie sich zurück durch matschige Wiesen. Plötzlich tauchte ein Hubschrauber über ihren Köpfen auf. „Kamera auspacken!“, sagte Bischoff, intuitiv alarmiert. Gerade rechtzeitig, der Hubschrauber landete vor ihren Füßen. Und Lisbeth Bischoff stand vor – Adrenalinschub – Kevin Costner! Sie freute sich diebisch – das einzige Interview des Abends mit dem Weltstar gehörte ihr.

1999 wünschte sich Lisbeth Bischoff ein Interview mit Pierce Brosnan. Anlässlich seiner dritten James-Bond-Darstellung war für Juni eine Pressekonferenz geplant. Vier Monate davor schrieb sie an das Management. Tag für Tag, monatelang, die personifizierte Geduld. Ein optimistisches Unterfangen: Seitenblicke gegen Hollywood, David gegen Goliath. Der Aufwand blieb ergebnislos. Sie begann, die Sponsoren zu kontaktieren, um das Interview auf diesem Weg zustande zu bringen. Und endlich: Es meldete sich ein Schweizer Uhrenhersteller, sie könne zur Pressekonferenz kommen. Lisbeth Bischoff setzte alles auf eine Karte: „Vielen Dank, aber ich hätte gerne ein EINZEL-Interview!“ Frechheit siegt: „OK, Sie sind die Letzte. Nummer 79. Sie bekommen zwei Minuten.“

Zwei Minuten. Was ließ sich zwischen Hello und Good Bye fragen? Ein glücklicher Umstand kam ihr zu Hilfe. Sie erfuhr, dass Pierce Brosnan Schuhe der Marke Tod’s liebt. Die wollte sie ihm schenken. Recherchierte, fand Modell und Schuhgröße heraus, besorgte sie in neutralem Schwarz. Was, wenn sie nicht passten? Zur Sicherheit organisierte sie eine Umtauschmöglicheit in London. Perfekt. Den Kameramann instruierte sie: „Egal, was passiert, sobald wir gerufen werden, schaltest du die Kamera ein und nimmst alles auf.“ Zwei Frauen regelten streng nach Stoppuhr den Wechsel der Medien. Es war so weit: „Mrs. Bischoff – 2 minutes“. Sie ging auf Brosnan zu und sagte: „Hallo, ich habe ein Geschenk für Sie. Ich habe Ihre Lieblingsschuhe mitgebracht. Ich hoffe, ich habe gut recherchiert.“ Vor laufender Kamera zieht „James Bond“ die Schuhe an, springt auf und sagt erfreut: „Super, die passen.“ Küsst Bischoff links und rechts und meint grinsend: „Du bist eine tolle Frau!“ Und zu den Stoppuhr-Damen gewandt: „Für Lisbeth – zwanzig Minuten!“

Lisbeth Bischoff ist überzeugt, dass man sich Dinge zutrauen muss: „Man weiß nicht, was man kann, bevor man es nicht probiert hat.“ In ihrem Buch „Ich hab mich getraut. Trau dich auch!“ lässt sie die Leser an den Erkenntnissen, die sie bei Dancing Stars über sich gewonnen hat, unterhaltsam teilhaben. Und macht Mut, sich an Dinge heranzuwagen, die man sich niemals vorstellen konnte. Ihr Geheimnis: Dinge nicht nur wollen, sondern auch tun!

‚‚ Ich mag keine kussechten Lippenstifte, ich möchte Spuren hinterlassen. ‚‚

Lisbeth Bischoff

Das Buch

Buchpräsentation „Ich hab mich getraut. Trau dich auch!“

mit Lisbeth Bischoff:

Donnerstag, 26. Februar 2015, 19 Uhr

Hotel Schwärzler in Bregenz (Landstraße 9)

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