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„Persönlich war es ein harter Weg“

„Die Grünen – Feldkirch blüht“ haben am Freitagabend ihr dreißigjähriges Jubiläum gefeiert. Dabei waren auch die „Menschen der ersten Stunde“. Der heute 64-jährige Psychologe Hubert Löffler ist einer von ihnen.

Brigitte Kompatscher

Im Jahr 1983 ist der gebürtige Oberösterreicher Hubert Löffler mit seiner damaligen Frau, einer Psychologin aus Vorarlberg, und den beiden Kindern von Wien nach Feldkirch gezogen. „Wir haben damals eine Stelle gesucht, die wir teilen konnten und die gab es nur hier“, erzählt der heute 64-Jährige. Konkret beim Institut für Sozialdienste, wo Löffler vor zwei Jahren als Geschäftsführer der ifs Familienarbeit in Pension gegangen ist.

Einige Vorarlberger hat Löffler schon vor seinem Umzug nach Feldkirch gekannt und diese hätten gewusst, dass er „grünaffin“ ist. Dennoch war die Familie mehr als überrascht, als im Juni 1983 beim Ausladen der Übersiedlungscontainer auf einmal vier Grüne dagestanden sind, um mit anzupacken. „Die habe ich vorher gar nicht gekannt.“ Das sollte sich ändern, nachdem er in der Folge begann, sich politisch zu engagieren.

In jenen Jahren wurde im Land die Grüne Alternative gebildet – Feldkirch war mit dabei und „wir haben uns gedacht, wir grünen nicht nur, wir blühen“, erinnert sich der Psychologe an die Namensfindung. „Die Grünen – Feldkirch blüht“ erlebte seine Geburtsstunde und bei den Gemeindewahlen 1985 gab es gleich zwei Mandate für die neue Partei. Aus 10 bis 15 Leuten bestand das damalige Kernteam, erzählt Löffler, Menschen zwischen 30 und 50 Jahren alt, die vielfach beruflich im sozialen oder pädagogischen Bereich tätig waren.

Basisdemokratie

Nachdem die basisdemokratischen Grundsätze bei den Grünen sehr hoch gehalten wurden, unterlagen die beiden Gemeindemandate einer Rotation. „Keiner sollte sich an das Amt gewöhnen und zum Sesselkleber werden“, lautete das Credo. Daher saßen in der ersten Hälfte der Legislaturperiode Arno Dalpra und Astrid Alton in der Stadtvertretung. Edith Breuß und Löffler folgten.

„Die erste Zeit war äußerst anstrengend“, erinnert sich Löffler zurück. „Wir haben viele Fragen gestellt, Werbung dafür gemacht, dass die Bevölkerung zu den Stadtvertretungssitzungen kommt“ – Aktionismus, den die alleinregierende ÖVP nicht gewohnt gewesen sei. „Aber wir waren natürlich auch die Neulinge, die sich über alle möglichen Dinge erst den Kopf zerbrechen mussten“, erzählt er weiter. Ob Klärschlamm oder der Verwaltungsablauf – „wir haben wenig Ahnung gehabt“, gesteht er selbstkritisch ein. Zudem hätten sie starken Vorbehalt von allen politischen Seiten gespürt. „Da wurde immer geraunt, wenn wir uns zu Wort gemeldet haben.“

Aber zu Wort gemeldet haben sich die Politneulinge und Löffler erinnert sich an eine seiner Reden zum Budget, bei der er zum Thema Abstimmungsverhalten ein Dia gezeigt hat, in dem eine Menschenmenge wie eine Maschine aufzeigt. „So ist uns das damals vorgekommen.“ Sie selbst hätten öfter unterschiedlich abgestimmt: „Uns ging es um die Verantwortung des politischen Mandatars und nicht als Partei.“

Zufrieden ist er heute, wenn er auf die Inhalte zurückblickt. Die damaligen Themen – Nahverkehr, Mülltrennung, Solar­energie, aber auch Soziales und Demokratie – hätten sich im Laufe der Jahre auf allen Ebenen und konkret auch bei der regierenden ÖVP durchgesetzt. „So gesehen sind wir die erfolgreichste Partei überhaupt.“ Auch wenn die Errungenschaften nicht „Feldkirch blüht“ zugeschrieben wurden.

Persönliche Angriffe

„Persönlich war es aber ein harter Weg“, sagt er, weil die grünen Mandatare in der Stadtvertretung und in den Ausschüssen auch immer wieder persönlichen Angriffen ausgesetzt gewesen seien. Aber sie wollten sich einmischen, sie wollten mitdenken und das haben sie konsequent betrieben – mit Motivation und Visionen.

Auch Enttäuschungen hat Löffler in seiner politischen Tätigkeit erlebt. Persönlich betroffen gemacht hat ihn ein Ereignis bei einer Sitzung, bei der es um verbotenerweise ausgebrachten Klärschlamm ging: „Da wurde einfach gelogen, weil die Presse da war.“ Damals sei ihm dann so richtig bewusst geworden, dass es in der Politik nicht um die Menschen und humanistische Regeln gehe, sondern da andere Prinzipien vorherrschen würden.

In den 90er-Jahren hat Löffler dann seine aktive politische Laufbahn beendet: Die Gründung der Hilfsorganisation Netz für Kinder und die berufliche Tätigkeit waren Gründe dafür. Aber auch der Umstand, dass die Art der Beziehung, die in der Politik galt, immer mehr im Gegensatz zu dem stand, was er wollte. Ganz weg war er aber auch dann nicht. Als Moderator bei Sitzungen und Klausuren, aber auch als Parteimitglied ist Löffler den Grünen immer noch eng verbunden. „Und ich freue mich jedes Mal, wenn Feldkirch die Stadt ist, wo es die meisten Grünwähler in Vorarlberg gibt.“

Fundis und Realos

Einen Grund für diesen Erfolg sieht Löffler im starken Zusammenhalt und der guten Club-Kultur, die seit den Anfängen bei den Feldkircher Grünen geherrscht hatten und nach wie vor bestehen würden. Von Anfang an gab es aber auch in Feldkirch die Differenzen zwischen so genannten Realos und Fundis, „wenngleich das am Anfang noch viel stärker war“. Löffler, der sich selbst zu den Realos zählt und sagt, dass sich diese letztlich durchgesetzt hätten, fände es dennoch fatal, wenn die Fundis verschwinden würden. Ihr ständiges kritisches Hinterfragen halte die Realos am Boden, sodass diese nicht „in eine politische Unkultur abrutschen“.

Dass die Grünen auf Landesebene mittlerweile in der Regierung sitzen, freut ihn, wenngleich dies in Feldkirch in Hinblick auf den geplanten Tunnelbau „fast schon eine Zerreißprobe“ sei. „Es ist eine große Herausforderung für die Feldkircher Grünen, ein Konflikt, der an die Grenzen geht.“

In Hinblick auf die kommenden Gemeindewahlen formuliert Löffler für Feldkirch indes ein großes Ziel der Grünen: „Die ÖVP-Absolute zu brechen.“ Gelingt es dieses Mal? „Ich habe gewettet, dass sie es schaffen“, so die Antwort.

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