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Schmuck und der Mensch, der diesen trägt, sollen in Interaktion treten. Das ist eine der Visionen, die die Schwarzacher Goldschmiedin und Künstlerin Gertrude Neusser-Schopf (53) in ihren Kreationen bewusst umsetzt.

Heidrun Joachim

Sie ist eine besondere Frau, diese Gertrude Neusser- Schopf: Halblanges Haar, schlank und ein junges Gesicht. Ein Lächeln um die Lippen, das die kleine Werkstatt noch heller werden lässt. Ein Mensch, der immer in der Sonne steht. Wohl nicht. Denn bei genauerem Beobachten wird sichtbar, dass auch in ihren Augen jene Traurigkeit sitzt, die das Leben mitprägt und die immer wieder erfahren lässt, dass bei allem, was das Leben ausmacht, nie das Lachen vergessen werden darf. Vielleicht auch deshalb sorgt sie als eine der Vorarlberger Cliniclowns, als „Dr. Kitty Klunker“, bei kranken Kindern für gute Laune.

Eine Frau, die so wohl die Reife erreicht hat, besondere Kunstwerke aus Metall und Stein zaubern zu können. Merkbar auch, dass sie sich ganz auf ihre Gesprächspartner und Kunden einlassen kann. Sie freut sich spürbar, wenn sie einen Menschen mit ihren Werken verschönert, dessen Individualität unterstreicht. Sie akzeptiert aber ebenso, dass ihr Schmuck nicht jedermann gefällt. Und will doch nichts anfertigen, was sie nicht selbst tragen würde. Die Goldschmiedin bleibt sich selbst treu. „Manche Frau, mancher Mann will sich auch nicht schmücken. Die muss man auch nicht zwingen“, sagt sie.

Schmiede im Kleinformat

Eine Schmiede im Kleinformat hat sich Gertrude Neusser-Schopf in ihrem Schwarzacher Zuhause eingerichtet. Denn auch da gibt es Amboss, Hammer und Zangen, einen Brenner zum Schmelzen von Metall und zahlreiche Feilen. Allerdings ist alles einige Nummern kleiner und filigraner als das Werkzeug in einer richtigen Schmiede. Der Arbeitsraum der gebürtigen Steirerin wird durch eine Glasfront zu einem hellen Raum mit Blick auf eine Wiese. Klein, aber genug Raum für Kreativität und Umsetzung dieser einzigartigen Unikate von Ketten, Ringen, Ohrgeschmeide. Und für Kunstobjekte. Denn – an einem Tag in der Woche widmet sich die 53-Jährige ganz der Kunst. Da entstehen etwa riesige Ketten aus bunten Schläuchen, die sie auf einem Kunstmarkt präsentiert hatte. Plastikschläuche fanden da Verwendung, die durch die geschickten Hände und die Fantasie der Schöpferin eine völlig neue Sicht auf den Werkstoff geben. Oder eine Kette aus Stukkaturgips – unglaubliche Umsetzungen sind ihre künstlerische Linie. Inspirieren lässt sich die Kreative durch Musik. „Ich höre alles – von Klassik bis Rock und Pop. Ganz so, wie mir eben gerade zumute ist“, sagt sie und lässt ein klingendes Lachen hören. Und ganz nach ihrem Gefühl teilt sie sich ihre Arbeit ein: Entweder klopft und hämmert sie, erledigt die gröberen Arbeiten oder widmet sich filigraner Gestaltung.

Ein breiter Arbeitstisch, an dem sie wohl die Zeichnungen anfertigt für die nächste Kreation. „Nein, ich zeichne nichts vor. Am Anfang nehme ich das Metall einfach in die Hände. Das, was dann daraus wird, entwickelt sich während der Arbeit.“ Mit Metall verbinden sich für die Goldschmiedin nicht nur edle, sondern auch ganz alltägliche Materialien wie etwa Eisen oder Aluminium. Gleiches gilt für ihre Steinauswahl. Qualität formuliert sich für sie darin, dass verwendete Steine natürlich und nicht bestrahlt sind . „Glasklar müssen die Steine nicht sein. Gerade durch Einschlüsse erhalten diese Leben.“ Sie selbst liebt den Peridot, der mit seinen intensiven Grüntönen an eine frische Sommerwiese erinnert. Die Künstlerin ist sehr naturverbunden. Auch den Mondstein favorisiert sie, der farblos, gelblich, grünlich, bräunlich scheint. Und dem nachgesagt wird, für innere Ruhe, Kontaktfreudigkeit, Gefühlsempfinden, Kreativität und Mut zu sorgen.

Eines verbindet all ihre Schöpfungen aus Metall und Steinen: Schnörkellosigkeit, Geradlinigkeit und Purismus. Unverfälschtheit eben. Das zeigt sich auch im „Royal Twist“. So nennt sie ein Armband. Ein Textilbändchen mit einem Medaillon, das eine tanzende Krone zeigt: „Hinfallen – aufstehen – Krone richten – weitergehen“ – dieser Spruch, der Mut macht und Optimismus vermittelt, war ihre Inspiration für den entzückenden Armschmuck mit tiefem Sinn. Denn: Wer musste nicht mindestens einmal im Leben das Krönchen richten … Zum „Royal Twist“ hat ihre Nichte Katharina Lucia sogar ein Lied geschrieben, das auf Youtube zu hören ist: „Never give up your dreams, if you fall, stand up“.

Ihre Träume hat auch Gertrude Neusser-Schopf nie aufgegeben. Das filigrane Handwerk hat die gebürtige Leobenerin von der Pike auf in der HTL Ortweinplatz in Graz erlernt. Sie hatte das Fachgebiet „Gestaltendes Metallhandwerk“ belegt und abgeschlossen. Neugier führte sie danach in eine Korallenschleiferei nach Süditalien. Das Material anfassen, es neu formen – das gefiel der jungen Frau.

Nach Vorarlberg kam sie vor über 30 Jahren über einen Verwandten. Es gefiel ihr im Ländle, und sie blieb. Danach arbeitete sie jahrelang in Goldschmiedeateliers und absolvierte in Mailand eine Ausbildung in Grafikdesign. Sie lernte den Schwarzacher Andreas Neusser (59) kennen. Ein Haus wurde gebaut. Der Lehrer und Theaterpädagoge und die Goldschmiedin erfreuten sich am Aufwachsen ihrer Kinder Lydia (26) und Jan (21).

In die Selbstständigkeit

Alles hat seine Zeit. Und 2007 war für Gertrude Neusser-Schopf die Zeit da, in die Selbstständigkeit zu starten, ihre Kreativität auszuleben und mit ihren Umsetzungen Freude zu bereiten. Sie wurde Mitglied im Verein KunstVorarlberg und gründete ihr Schmuckdesign-Atelier, in dem seither aus eigener Intuition oder gemeinsam mit den Kunden die ganz besonderen Unikate entstehen. Und sie sagt: Bei der Schmuckgestaltung findet sie zurück zu innerer Ruhe und genießt die Entspannung, die ihr die Handarbeit einbringt.

„Glasklar müssen die Steine nicht sein. Die Einschlüsse sprechen vom Leben.“

Gertrude Neusser-Kopf

Zur Person

Gertrude Neusser-Schopf

geboren 1961 in Leoben
(Steiermark

Werkstatt/Atelier: Schwarzach, Im Weingarten 24a,
selbstständig seit 2007

Geschäftsfeld: Goldschmiedin, Schmuckdesignerin

Ausbildung: HTL Graz,
Fachrichtung „Gestaltendes Metallhandwerk“

Familie: verheiratet mit
Andreas Neusser, zwei Kinder: Lydia (26) und Jan (21)

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