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Glück der Wahl, Glück des Anfangs

Die Qual der Wahl hatten die Besucher beim Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Zwischentöne“. Im Feldkircher Montforthaus gab es viel zu erleben.

Barbara Camenzind

Eines kann ich ihnen bereits jetzt sagen: Sie werden etwas verpassen.“ Mit diesen Worten begrüßte Hans-Joachim Gögl, einer der beiden Künstlerischen Leiter, das Publikum im großen Saal des neuen Feldkircher Montforthauses. Wer sich am Freitag­abend in die lichtdurchfluteten, geschwungenen Räume am Schubertplatz begab, um sich in das Experiment „Eine große Hausmusik“ zu wagen, verpasste nichts, obwohl er nicht anders konnte.

Nach dem gemeinsamen Auftakt hatte der Besucher die Wahl zwischen vielen verschiedenen kleineren und größeren Sessions, Vorträgen und Veranstaltungen, ausgeschrieben als Hausparty, Spazierkonzert und „Schule für fortgeschrittene Anfänger­Innen“. „Zwischentöne“, die Veranstaltungsreihe im Montforthaus, widmet sich vom 16. Februar bis 1. März dem Thema „Anfangen. Über das Beginnen“. Qual der Wahl? Besten Dank, nein, denkt sich vielleicht der geneigte Leser, jetzt hat sich die oberflächliche Multioptionsgesellschaft endgültig die Kultur unter den Nagel gerissen. Doch der Abend entkräftete alle Befürchtungen. Die zahlreichen Gäste wurden wohlorganisiert bestens unterhalten und beseelt.

„Anfänger Mozart“ bildete den ersten gemeinsamen Nenner. Das Symphonieorchester Vorarlberg, geleitet und moderiert von Chefdirigent Gérard Korsten, entführte die Zuhörer in die luziden Klangbögen des ewig jungen Meisters. Die Ouvertüre zu Figaros Hochzeit, der erste Satz aus dem A-Dur-Violinkonzert und die kindlich- genialen Klänge aus Wolferls erster Sinfonie, die er als Achtjähriger schrieb: sie erklangen in dem schönen großen Saal wie eine Uraufführung.

Mit dem letzten zarten Ton verwandelte sich das Montforthaus in einen Bienenstock. Die einen ließen sich von den ersten Sätzen in der Literatur, vorgestellt von Literaturwissenschaftler Jürgen Thaler und begleitet vom Klarinettisten Levent Ivov inspirieren. Oder wurden während zehn Minuten in der Garderobe über die neuesten astrophysikalischen Erkenntnisse zum Anfang der Welt informiert.

„Speak Dating“

Vorbei an den geschickt positionierten musikalischen Wegelagerer (Feldkircher Kammerchor, Bläserensemble der Stella Matutina) gelangte man zu einem „Magier der Zwischentöne“: Mark Riklin, Schweizer Soziologe, Landesvertreter des Vereins zur Verzögerung der Zeit, Begründer der Meldestelle für Glücksmomente, weiß um den Zauber des Anfangs. Mit seinem Angebot „Speak Dating“ machte er das Publikum zu Akteuren. „Man sagte mir, die Vorarlberger seien locker drauf“, meinte der Künstler, der zusammen mit dem St. Galler Musiker Malcolm Green (Saxophon) den Abend bestritt. Die schelmische Herausforderung funktionierte: schnell waren die Plätze besetzt.

„Speak Dating“ ist ganz einfach: Der Moderator gibt eine Frage vor, willkürlich zusammengekommene Personen sitzen sich gegenüber und erzählen sich etwas dazu. Lebensanfänge, Liebesanfänge, erste Eindrücke des Montforthauses waren die Themen. Nach zwei Minuten werden die Plätze gewechselt. Die zauberhafte Erfahrung: Gesprächspartner wurden zu Komplizen. Traf man sich an einem anderen Programmpunkt wieder, blinzelte man sich zu: Man hat eine Geschichte geteilt, manche sogar Visitenkarten getauscht oder auch zusammen geschwiegen. In einem schönen Kontrapunkt dazu stand die Veranstaltung „Anstoß in Feldkirch“: Von der riklinschen Philosophie des „heiteren Ernstes“ zu den Anfängen der großen Denker des 20. Jahrhunderts. Stadtbibliothekar Hans Grubers lebendige „Was-wäre-wenn“-Erzählungen, sensibel und humorvoll begleitet durch Cello-Loops von Francisco Obieta, amüsierten und überraschten zugleich. Was wäre passiert, wenn Philosoph Heidegger als Jesuit in der Stella Matutina geblieben wäre?

Herausforderungen

Viel hatte Platz an diesem Abend. Vom klassischen Chorkonzert bis zum kongenialen Zwölf-Sekunden-Daumenkino. Vielleicht ist so eine „Hausmusik“ die Veranstaltungsform der Zukunft. Mit zwei Herausforderungen: Du Publikum, triff deine Wahl. Du Künstler lebe mit geteilter Aufmerksamkeit. Und wer jetzt einen Programmpunkt vermisst: man konnte viel erleben. Aber nicht alles. Gut so.

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