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Verzierte Glasplatten sind die Grundlage für viele Kunstwerke.

Verzierte Glasplatten sind die Grundlage für viele Kunstwerke.

Was haben die Trophäen des Golfprofis Tiger Woods mit einem Stall in Bürserberg zu tun? Kurze Antwort vorweg: So einiges.

Von Johannes Hofer (Text) und Klaus Hartinger (Fotos)

Eine schmale Straße windet sich durch die Landschaft am Eingang des Brandnertals. Quer durch Bürserberg geht die Fahrt, entlang an Wiesen und Hängen, bis schließlich ein Stall an der Straßenseite zu sehen ist. Von ganz oben, unter dem Giebel, blitzt ein buntes Glasmo­saik herab. Im Fenster hängt eine gläserne Schneeflocke. Hier, nur ein paar hundert Schritte vom elterlichen Hof entfernt, hat sich Tanja Moser eine Werkstatt eingerichtet. Die Glastechnikerin hat mit ihren Arbeiten bereits international Anerkennung erlangt. So hat sie etwa schon Trophäen für Spitzengolfer wie Tiger Woods angefertigt, ornamentierte Fliesen und Waschbecken für Hotels im arabischen Raum. Auch für die Glaselemente am Stab von Bischof Benno Elbs war Moser verantwortlich.

Dies lässt schon erahnen: Mosers Schaffen ist vielfältig. Sie fertigt unter anderem Glasbilder, Schalen und Vasen, Aschenbecher, Fenster für Kapellen und Kirchen. Die Aufträge, die alltäglichen wie die besonderen, ergeben sich einfach – „über Mundpropaganda“, wie sie erklärt. „Wenn etwas mit Herzblut gemacht wird, zieht es Kreise.“ Es ist ein Satz, wie diese ihr oft über die Lippen kommen.

Die Technik, die Moser bei ihren Arbeiten anwendet, nennt sich Glasfusing. Mittels dieses Verfahrens können allerdings nur relativ flache Werkstücke angefertigt werden. Wenn die Bürserbergerin Vasen, Becher oder Kugeln herstellt, arbeitet sie mit einem Glasbläser aus dem südlichen Schwarzwald zusammen. Auch wenn Holz- oder Metallelemente an ihren Kunstwerken angebracht werden sollen, wirkt Moser mit anderen Handwerkern zusammen.

Kreativ beteiligen. Das ist zum Beispiel bei den Gartendekora­tionen der Fall, mit denen Moser dazu beitragen möchte, „den Lebensraum Garten zu gestalten, der bei uns doch als erweiterter Wohnraum begriffen wird.“ In den Workshops, die sie in ihrer Werkstatt bisweilen anbietet, können sich Kinder und Erwachsene unter anderem an der Herstellung solcher Kunstwerke fürs Freie versuchen.

Aber nicht nur in diesen Kursen haben Interessierte die Möglichkeit, sich kreativ mit Glas zu beschäftigen. Auch bei anderen Werken bietet Moser Auftraggebern an, nach Möglichkeit gewisse Arbeitsschritte selber zu erledigen. „Dadurch erhält das Objekt eine andere Qualität. Es wird persönlicher“, beschreibt sie. Nicht selten werde das Angebot angenommen, wenn es um die Herstellung gläserner Grabsteine gehe. Diese würden oftmals im Andenken an jung Verstorbene in Auftrag gegeben. „In solchen Fällen kann das Mitarbeiten extrem wichtig sein. Es ist eine Form der Trauer-Aufarbeitung.“

Soziale Komponente. Wenn Moser trauernden Eltern hilft, ihren Schmerz zu bewältigen, erhält ihr Handwerk auch eine soziale Komponente. „Hier schließt sich quasi beruflich ein Kreis“, sagt Moser und lächelt. Denn die 43-Jährige hat zahlreiche Ausbildungen absolviert. Sie ist nicht nur landwirtschaftliche Facharbeiterin und Glastechnikerin, sondern auch gelernte Fami­lienhelferin, Sexualpädagogin, hat Erziehungswissenschaften studiert und verfügt über das psychotherapeutische Propädeutikum. Moser kombiniert soziale Tätigkeiten, Glashandwerk und die Arbeit in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb, dem Hummelhof. Vor vier Jahren übernahm sie den Betrieb von ihren Eltern. „Als sich die Möglichkeit dazu abzeichnete, war mir rasch klar: Es würde mir große Freude bereiten, Bäuerin zu sein.“

Hof-Erkundungen. Nun erhält Moser des Öfteren Besuch von Schülern, die so die Vielfalt der Natur hautnah erfahren dürfen. Im Herbst wird ihr Betrieb zum Teil des Projekts „Schule am Bauernhof“. „Es macht mehr Sinn, sich nicht nur theoretisch mit Umweltthemen zu beschäftigen.“ So können die Mädchen und Buben die Biotope rund um den Hof erkunden, lernen, welche Pflanzen zu schützen sind und welche Vielfalt auf den Wiesen herrscht. Auch sogenannte Wwoofer kommen immer wieder auf den Hummelhof. Dabei handelt es sich um freiwillige Helfer aus aller Welt, die im Rahmen einer internatio­nalen Ini­tiative das Leben auf Bio-Höfen kennenlernen. Die etwas eigenwillige Bezeichnung der Helfer leitet sich vom Namen der Initiative ab: WWOF (World-Wide Opportunities on Organic Farms, also „weltweite Möglichkeiten auf bio­logischen Bauernhöfen“).

Die Bekanntschaften, die sich durch das Programm ergeben, schätzt Moser sehr. „Wir hatten schon Gäste aus China, Schweden, Amerika und Irland. Während ihres Aufenthalts werden die Wwoofer in die Familie integriert. Das ist für beide Seiten unglaublich bereichernd“, schildert sie. Wichtig ist es der Biobäuerin, dass Besucher die Möglichkeit haben, sich auch mit den Tieren intensiv zu beschäftigen.

Im neuen Stall, der gerade hinter dem Wohnhaus entsteht, wird unter anderem eine Couch zu finden sein. Das Sitzmöbel soll nicht bloß als Symbol für den Kontakt zwischen Mensch und Tier stehen, sondern dazu einladen, mehr als nur die Arbeitszeit im Stall zu verbringen.

Mohair und Kaschmir. Neben Haushündin Akasha finden Besucher auch Original-Braunvieh sowie über 40 Mohair- und Kaschmirziegen auf dem Hummelhof. Letztere werden zwei Mal pro Jahr geschoren, die Wolle zum Verspinnen verschickt und schließlich von Moser gefärbt. Die Kleidung, die daraus gestrickt werde, sei auch bei wärmeren Temperaturen angenehm zu tragen, berichtet Moser. Das liege daran, dass es sich streng genommen nicht um Wolle, sondern um feines Haar handle. Manchmal ist die Nachfrage so groß, dass Mosers Vorräte zur Neige gehen. Für sie ist das allerdings kein Grund, mehr davon zu produzieren. „Das Haar ist etwas Wertvolles. So etwas darf schon rar bleiben.“

Tanja Moser geht die Dinge so an, wie sie es für richtig hält. Wie die bunten Glasteile, die sie zu einem Ganzen verschmilzt, ergeben bei ihr soziales und pädagogisches Tun, Landwirtschaft und Handwerk eine stimmige Einheit. „Das ist das Schöne an meinem Leben“, sagt Moser. „Ich gestalte und werke an dem, was mir Freude macht. Und die Dinge fügen sich dann ganz von selbst.“

<p class="caption">Oben: Besondere Hingucker sind die Glaskugeln mit eingefügten Elementen.</p><p class="caption">Links: Zwei Garten­dekorationen – ­eine vor, und eine nach dem Schmelzen im Ofen.</p>

Oben: Besondere Hingucker sind die Glaskugeln mit eingefügten Elementen.

Links: Zwei Garten­dekorationen – ­eine vor, und eine nach dem Schmelzen im Ofen.

<p class="caption">Die größeren Glasteile werden von Hand gebrochen, bevor diese weiterverarbeitet werden.</p>

Die größeren Glasteile werden von Hand gebrochen, bevor diese weiterverarbeitet werden.

„Ich gestalte und werke an dem, was mir Freude macht. Und die Dinge fügen sich dann von selbst.“

Tanja Moser
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