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Leben und Wirken in zwei Welten

Tânia Maria Rodrigues-Peters präsentiert ihr neues Kinderbuch „Chico, der skifahrende Affe“.Klaus Hartinger

Tânia Maria Rodrigues-Peters präsentiert ihr neues Kinderbuch „Chico, der skifahrende Affe“.

Klaus Hartinger

Tânia Maria Rodrigues-Peters bewegt sich zwischen Österreich und Brasilien. Auch ihr neuestes Kinderbuch ist ein kultureller Streifzug durch beide Länder.

Von Marion Hofer

Das Fremdsein hat viele Gesichter. Eines davon ist das von Tânia Maria Rodrigues-Peters. Ihr kaffeebrauner Teint, die markigen Gesichtszüge und die dunkeln, gelockten Haare verleihen ihr einen exotischen Touch und lassen keine Zweifel offen, dass sie ganz woanders das Licht der Welt erblickte. „Ich kam an einem siebten Dezember in einer sinnlich-heißen Sommernacht zur Welt“, heißt es auch in der Autorenbeschreibung ihres Buches, und das Bild zeigt sie mit einem strahlenden Lachen und einer Zahnlücke, ähnlich der von Model Georgia May Jagger, jüngste Tochter des „Rolling Stone“ Mick Jagger.

Samba-Rhythmen im Blut. Tân­ia Maria Rodrigues-Peters ist Brasilianerin. Das Land zwischen dem Äquator und dem südlichen Wendekreis, das nicht erst seit den olympischen Sommerspielen im vergangenen Jahr auch in Westösterreich Bekanntheit erlangte. Nicht zuletzt wegen den beiden Vorarlbergern Wolfgang Ponier und Ernst Seidl, die im Österreich-Haus aufkochten. Und wie der Name schon sagt – Brasil bedeutet im Portugiesischen „Glut“ bzw. „glutartig“ – sind die Bewohner bekannt für ihre Heißblütigkeit. Auch die 52-Jährige kann die charaktertypische Lebenslust nicht von sich weisen. Samba-Rhythmen und Karneval im Blut bringen das unverkennbare Temperament zum Vorschein, das Rodrigues-Peters selbst so beschreibt. „Mit 1,57 Meter bin ich eine kleine Frau, aber in Natur bin ich groß.“

Autorin ohne Grenzen. Und nicht nur das. Tânia Maria Rodrigues-Peters ist vor allem in der Kunst- und Kulturszene allgegenwärtig. Sie trägt zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele ein Kunstkleid, initiiert Ausstellungen für einen guten Zweck und durfte sich für ihr Engagement im Rahmen des Projektes „Kunst ohne Grenzen“ sogar über den Zukunftspreis freuen.

Grenzen gibt es für die dreifache Mutter aber auch im realen Leben nicht. Schon gar nicht, wenn es um Herkunft, Zugehörigkeit und Integration geht. „Ich liebe Vorarlberg, ich habe mein Herz an dieses Land verloren.“ In ihrer Stimme schwingt ein energischer Unterton mit, der keinen Zweifel offen lässt, dass Rodrigues-Peters in Hörbranz ihre Heimat gefunden hat. Eine, die sie inspiriert und kreativ sein lässt, wie sie hinzufügt.

„Wenn ich durch Bregenz spaziere, durch die Altstadt oder durch die Seeanlagen zum Symphonikerplatz, entzündet alles, was ich sehe, ein wahres Ideen­feuerwerk in meinem Kopf.“ Angekommen an der 6,90 Meter hohen Bronze-Skulptur „Ready Maid“ des Vorarlbergers Gottfried Bechtold, verwandelt sich das Abbild eines sich gabelnden Baumstamms in ein Zaubertor und eröffnet ihr eine Welt, die sich in ihren Kinderbüchern widerspiegelt. Auch in der Literatur dreht sich alles um den Spagat von Fremdsein und Heimat finden, um Fortgehen und Ankommen. Chico, ihr jüngstes Buch, ist das beste Beispiel für ein multikulturelles Miteinander und eine transkulturelle Vernetzung. Durch die Figur des kleinen, braunen Kapuzineräffchens, das in Brasilien daheim ist und zum Skifahren nach Vorarlberg reist, haben sowohl österreichische als auch brasilianische Kulturspezifika Platz. Am Schluss des Buches gibt es sogar noch Kochrezepte aus beiden Ländern.

Zwei Kulturen. Das Buch ist aber auch stellvertretend für die Person Tânia Maria Rodrigues-Peters. Ein Leben in zwei Welten. Auch in ihren anderen Büchern „Die Legende vom schwarzen See“, „Mozart in der Zukunft“ oder „Fredi der Zaubervogel“ wird die Auseinandersetzung mit beiden Kulturen deutlich.

Geboren 1964 in Mogi das Cruzes, São Paulo, ist für die quirlige Südamerikanerin, wie auch für alle anderen Migranten, Identitäts- und Selbstfindung ein großes Thema. Das Schreiben hilft ihr dabei und begeistert sie gleichzeitig. „Eigentlich habe ich Kunst und Marketing studiert“, erzählt sie, „erst durch meine Kinder habe ich angefangen, Kinderbücher zu schreiben.“ Ihr jüngster Sohn Toni, inzwischen elf Jahre alt, war es auch, der sie zu diesem Buch inspirierte. „Von einer meiner Brasilien-Reisen habe ich ihm ein Plüschäffchen mitgebracht“, erinnert sie sich. „Jeden Abend, wenn ich Toni ins Bett brachte, stellte er Fragen. Er wollte wissen, wo Chico lebt, was er isst, ob ihm in Österreich kalt ist, wer seine Freunde sind … So entstand eine Geschichte nach der anderen.“

Fremdsein – Heimat finden. Das Fremdsein hat viele Gesichter. Tânia Maria Rodrigues-Peters ist das beste Beispiel für das allgegenwärtige Wechselspiel zwischen Eigen- und Fremdkultur und der neuen Identitätsfindung. Sie zeigt in ihrer Kunst und in ihren Kinderbüchern, wie schnell Fremdes Heimat werden kann und ebenso, welche Chancen sich daraus entwickeln können. Grenzen können auf verschiedene Weise überwunden werden.

Rodrigues-Peters macht es typisch vorarlbergerisch: Sie weiß, „was ma halt so wissa söt“, ist produktiv und mischt ghörig mit. Den brasilianischen Charme streut sie dabei kurzerhand drüber. Etwas „selbstexotisierend“ vielleicht.

Aber auch eine Botschaft, die verstanden wird.

„Wenn ich durch Bregenz spaziere, entzündet alles, was ich sehe, ein Ideenfeuerwerk in meinem Kopf.“

Tânia Maria Rodrigues-Peters

Zur Person

Tânia Maria Rodrigues-Peters

Geboren: 7. Dezember 1964

Heimat: Mogi das Cruzes, São Paulo, Brasilien

Wohnort: Hörbranz

Familie: geschieden, drei Kinder: Teo (13), Luana (15), Toni (11)

Studium: Kunst und Marketing

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