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Bildung mit Herz

Die Kinder links beim Yoga und rechts beim Capoeira.Hartinger (5)

Die Kinder links beim Yoga und rechts beim Capoeira.

Hartinger (5)

Seit April steht in der Volks- und Mittelschule in Schwarzach Bildung mit Herz auf dem Stundenplan. Angeboten werden im regulären Unterricht Workshops wie Yoga, Meditation oder Therapietanzen. Ein Einblick in das Projekt von und für ­Schwarzacher.

Von Hannes Mayer

Wenn ein Elfjähriger mit einem Ronaldo-Trikot am Körper wortlos auf einer Matte in einem Turnsaal steht und geduldig versucht, die vorgezeigten Yoga-Übungen zu wiederholen, dann ist das außergewöhnlich. Und wenn er dann auch noch in Jubel ausbricht, als ihn seine Yoga-Lehrerin lobt, dann steht – im Kleinen freilich – die Welt so ein bisschen Kopf. Genau das passiert gerade auf wohltuende Weise in der Schwarzacher Volks- und Mittelschule. Im Rahmen eines Themenfrühjahrs unter dem Titel „Bildung mit Herz“. Die Schulen bieten angesichts der Zielgruppe überaus ungewöhnliche Workshops an: wie eben Yoga, Meditation, Therapietanz oder kreatives Malen. Selbst der brasilianische Kampftanz Capoeira steht auf dem Workshop-Programm, das an Schwarzachs Schulen im Frühjahr in den ordentlichen Stundenplan aufgenommen wurde.

Neue Wege. Ja, in der Hofsteiggemeinde gehen sie neue Wege. Das ebenso ambitionierte wie feinfühlige Projekt von Schwarzachern für Schwarzacher ist entstanden, damit die Kinder eine Entschleunigung erfahren. Die Kinder von heute sind schließlich einer schier endlosen Flut von Reizen ausgesetzt. Das Smartphone eröffnet ihnen die Welt, der Weg zu sich selbst bleibt aber immer mehr verschlossen. Sie sind in eine Zeit hineingeboren, in der alles schnell geht. Schnell gehen muss. In der Hektik und Leistungsdruck selbst für Volksschulkinder ganz normal geworden sind. Und in der sie schablonenhafte Erwartungen und vorgestanzte Lebensbilder zu erfüllen haben. Das alles blockiert nicht nur ihre Konzentrationsfähigkeit im Schulalltag. Sondern im Großen auch ihre Persönlichkeitsentwicklung, ja ihre Individualität. Was der Nährboden für Unsicherheit, Angst und keimende Selbstzweifel ist, die sie ihr ganzes Leben begleiten und prägen können.

In der Volks- und Mittelschule Schwarzach jedoch haben die Verantwortlichen verstanden. Also, dass sie dem ihnen anvertrauten Nachwuchs nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen sollten. Sondern auch, was es heißt, ein Gefühl für sich, für andere und für die Welt zu entwickeln. Oder Punktum: Was es heißt, bewusst zu leben. In Workshops lernen die Kinder, mit ihren Empfindungen und ihrer Erlebniswelt in Berührung zu kommen. Indem sie sich mit ihrer Innenwelt beschäftigen. So erklärt Initiatorin Manuela Bischof, selbst Mutter zweier in Schwarzach schulpflichtiger Kinder und ganzheitlicher Sozial- und Persönlichkeitscoach: „Wir geben den Kindern ein einfaches und effektives Rüstzeug auf ihren Weg mit. Damit sie sich stärken können, wenn ihnen alles zu viel wird. Wir zeigen ihnen, wie sie ihre Gefühle ausdrücken und verarbeiten können. Sodass sie bei sich selbst sind und alle Einflüsse loslassen.“

Ein guter Boden. Den Anfang fand das Projekt in einem Gespräch zwischen Bischof und Ursula Loescher, der Direktorin der Volksschule Schwarzach. Die Schulleiterin erinnert sich: „Ich kenne Manuela seit einigen Jahren. Und ich kenne ihren ganzheitlichen Ansatz. Eines Tages kam sie mit der Frage auf mich zu, ob die Schule offen für ein alternatives Workshop-Programm wäre, das sich gleichermaßen an die Schüler und die Lehrer richte. Ich war sofort von der Idee begeistert. Weil diese rundum stimmig war.“ Deshalb weihte sie auch den Direktor der ortsansässigen Mittelschule, Walter Bösch, ein – und auch der fing Feuer.

Bischof ging es nicht darum, den Lehrern ein Versäumnis in ihrer Arbeit zu unterstellen. Sie will deren Lehrtätigkeit unterstützen und ergänzen. Das Konzept ihrer Idee stellte Bischof den Lehrern bei einer Konferenz vor. Was sie dabei präsentierte, beeindruckte alle: Die 38-Jährige hatte es geschafft, ein Programm zu erarbeiten, bei dem fast alle Workshops von Schwarzachern durchgeführt werden – gegen eine überschaubare Aufwandsentschädigung. „Die Regionalität bei dem Projekt ist ein ganz entscheidender Faktor“, beschreibt Bischof, die über 300 ehrenamtliche Arbeitsstunden und ganz viel Herzblut in das Projekt einfließen hat lassen. „Ich will damit aufzeigen, dass Schwarzach ein guter Boden ist. Dass wir hier unsere Wurzeln haben und dass wir das Gute, das Schöne, das Wirkende nicht nur da draußen finden, sondern auch und gerade hier bei uns.“

Individuelles Programm. Was die Lehrer ebenfalls beeindruckte, war das freie Wahlrecht für die Workshops. Jeder Klassenvorstand würde ein individuelles Workshop-Programm für seine Klasse erstellen können. Und so votierten die Lehrkräfte gespannt für die Umsetzung des Programms.

Die Eltern wurden im Rahmen eines Vortragsabends über das Themenfrühjahr „Bildung mit Herz“ sowie die Wirkungsbereiche der einzelnen Themengebiete der Workshops informiert. Dazu referierten die in das Projekt eingebundenen ortsansässigen Experten über Energetik, Psychotherapie und Allgemeinmedizin. Um die Eltern darüber aufzuklären, welchen seelischen und körperlichen Auswirkungen ihr Nachwuchs durch Stress, Reiz­überflutung und Druck ausgesetzt ist. Und wie sie mit den einzelnen Workshops dagegen ansteuern können.

Besagte Workshops stehen seit April in der Volks- und Mittelschule Schwarzach auf dem Stundenplan. Behutsam eingebettet in den Alltag der Schüler und den vorgegebenen Lehrplan. So ersetzen zum Beispiel der brasilianische Kampftanz Capoeira oder das Therapietanzen vereinzelt den Turnunterricht. Andere Workshops wie zum Beispiel Kräuterwanderungen starten im Rahmen des Sachunterrichts. Mama Ute Hefel ist begeistert: „Was da von Manuela Bischof und den beiden Direktoren auf die Beine gestellt wurde, beeindruckt mich zutiefst. Es ist ein mutiges Projekt, das zudem auch die Gemeinschaft stärkt. Denn auch wenn Schwarzach nicht sonderlich groß ist – was weiß man denn heute noch von seinen Nachbarn? Durch solche Initiativen kommen die Leute zusammen und ent­decken Gemeinsamkeiten.“

Die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ist jedenfalls begeistert vom Programm und wendet, wie Bischof weiß, so manches Erlernte bereits im Alltag an. Konzentrations­übungen zum Beispiel.

Ausblick. Noch bis zum Ende des Schuljahrs läuft das Projekt, das durch ein Sponsoring von drei Schwarzacher Unternehmen sowie der Unterstützung des Elternvereins möglich wurde. Ob „Bildung mit Herz“ auch im Herbst in Schwarzach am Stundenplan steht, ist noch unklar. Wobei die angebotenen Workshops ohnehin eher als Schnupperstunden gedacht waren und nicht als dauerhaftes Angebot an den Schulen. Klar ist für Bischof: „Ich würde mir wünschen, dass in anderen Gemeinden ebenfalls das Potenzial im Ort erkannt wird und dieser ganzheitliche Ansatz, den wir mit dem Themenfrühjahr verfolgt haben, auch umgesetzt wird.“

Schließlich ist es alles andere als gewöhnlich, wenn ein elfjähriger Junge mit einem Ronaldo-Trikot am Körper wortlos auf einer Matte im Turnsaal steht und geduldig versucht, Yoga-Übungen zu wiederholen. Und wenn er dann auch noch in Jubel ausbricht, als seine Yoga-Lehrerin lobt, dann steht – im Kleinen freilich – die Welt gerade so ein bisschen Kopf. Und das in Zeiten wie diesen fast schon ausnahmsweise auf positive Weise.

<p class="caption">Oben: Die Kinder sind mit großem Einsatz und viel Freude bei den Workshops dabei. Unten: Initiatorin Manuela Bischof, Direktorin Ursula Loescher und Mama Ute Hefel.</p>

Oben: Die Kinder sind mit großem Einsatz und viel Freude bei den Workshops dabei. Unten: Initiatorin Manuela Bischof, Direktorin Ursula Loescher und Mama Ute Hefel.

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