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FH Vorarlberg im Fokus

Ein Frage der Energieträger

Die Physikerin Babette Hebenstreit unterrichtet seit zwei Jahren an der FH Vorarlberg. Klaus HArtinger

Die Physikerin Babette Hebenstreit unterrichtet seit zwei Jahren an der FH Vorarlberg.

 Klaus HArtinger

Babette Hebenstreit ist technische Physikerin und ­unterrichtet an der FH Vorarlberg. Dort forscht sie auch zu einem der wichtigsten Zukunftsthemen: Energie.

Von Rubina Bergauer

Warum ist der Himmel blau? Wieso geht die Sonne abends unter? Babette Hebenstreit (35) wollte schon als kleines Mädchen genau wissen, wie die Welt funktioniert. Antworten darauf liefert die Physik. Das Interesse für diesen Bereich der Naturwissenschaft liegt im Fall von Hebenstreit bereits in der Familie. „Mein Vater ist Bauphysiker und hat mich als Kind ab und zu zur Arbeit mitgenommen. Später in der Schule hatte ich zudem einen sehr guten Physikprofessor. Das hat mich geprägt“, erklärt die gebürtige Wienerin. Doch nur zu wissen, warum etwas ist, wie es ist – das war der jungen Frau nicht genug. Sie wollte ihr Wissen in der Praxis einsetzen, damit arbeiten. Das und eine Begabung für Mathematik motivierten sie schließlich dazu, Technische Physik zu studieren. Und weil sie sich den Herausforderungen der modernen Gesellschaft bewusst war, führte Hebenstreits Weg schließlich in die Energieforschung. Dabei beschäftigt sie sich vor allem mit nachhaltigen Energieträgern und der optimalen Verbindung einzelner Energiequellen. „Es geht darum, festzustellen, wann man was sinnvoll nutzt“, erläutert die Expertin. Der Energieverbrauch ist dabei auch immer eine Frage des Lebensstils. „Da muss in nächster Zukunft sicherlich ein Umdenkprozess passieren. Denn so weitermachen wie bisher können wir nicht,“ ist sich die Fachfrau sicher.

Nach dem Studium arbeitete die heute 35-Jährige vier Jahre am AIT (Austrian Institute of Technology) in Wien und beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, wie solare Energie genutzt werden kann, um Kälte zu erzeugen. „Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas abstrakt. Doch Kühlung wird gerade dann benötigt, wenn die Sonne besonders viel scheint. Also wieso sollte man nicht die Sonnenenergie nutzen, um eine Kältemaschine zu betreiben?“

Lehren und forschen. Im Jahr 2010 wechselte die Physikerin nach Wieselburg ans österreichische Kompetenzzentrum für Bioenergieforschung Bioenergy 2020+. Dort widmete sie sich der Aufgabe, die Effizienz von Biomasseheizkesseln zu erhöhen. Unter anderem ging es darum, das Nahwärmenetz besser mit dem Kessel zu verbinden, damit weniger Energie verloren geht. So wurde beispielsweise Abgas kondensiert, denn darin steckt immer noch viel Energie, die ansonsten ungenutzt an die Luft gesetzt wird.

Seit nunmehr zwei Jahren lebt und arbeitet Babette Hebenstreit im Ländle. Sie unterrichtet Studierende des Masterstudiengangs Energietechnik und Energiewirtschaft an der FH Vorarlberg in Dornbirn. „Davor war ich fast ausschließlich mit Forschungsarbeiten beschäftigt. Da hatte ich ab und an das Gefühl, dass ich den Kontakt zu den Menschen verliere.“ In Vorarlberg hat sie sich mittlerweile eingelebt, auch wenn sie hin und wieder das Wiener Großstadt-Feeling vermisst. Dafür entschädigt die Bergwelt, die nun quasi vor der Haustür liegt. Denn Hebenstreit geht in der Freizeit gerne wandern. „Zudem brauche ich nur wenige Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit.“

Als besonders spannend an ihrem Job empfindet die 35-Jährige die Kombination von Unterricht und Forschung. So widmet sich die Expertin auch weiterhin der Frage nach alternativer Energiegewinnung. Denn die Ressourcen an fossilen Energieträgern sind begrenzt, Treibhausgase haben negative Auswirkungen auf die Umwelt. Eine Reduzierung des Energiebedarfs könnte beispielsweise den Klimawandel abmildern, sagt sie. „Dafür müssen wir unseren Lebensstil hinterfragen: Müssen wir so viel mit dem Auto fahren oder mit dem Flugzeug fliegen?“, gibt Hebenstreit zu bedenken.

Derzeit beruht das Energiesystem hierzulande zu einem großen Teil auf chemischen Energieträgern, die sehr gut speicherbar sind. „Etwa 60 Prozent des Vorarlberger Energiebedarfs werden heute mit Erdöl und Erdgas gedeckt. Wollen wir auf ein erneuerbares Energiesystem umstellen, braucht es daher in Zukunft neue Speicher“, erklärt die Physikerin.

Holz als Energiespeicher. Ein chemischer Speicher, den die Natur liefert, ist Biomasse. Momentan beschäftigt sich Hebenstreit hauptsächlich mit der Optimierung von Biomassekraftwerken, um Holz im Ausgleich zu den schwankenden Strommengen aus Wind- und Sonnenenergie besser nutzen zu können. Denn in einem Kilogramm Holz ist rund 1000-mal mehr Energie gespeichert als in einem Kilogramm Wasser in einem Speichersee. Ein möglicher Nachteil von Holz gegenüber Pumpspeicherkraftwerken ist jedoch, dass in einem Biomassekraftwerk neben Strom auch immer Wärme anfällt. „Der Einsatz bietet sich daher zum Beispiel im Winter an, wenn Heizwärme benötigt wird. In meiner Forschung ist es mir wichtig, die Vorteile der einzelnen Energieträger zu nutzen und diese sinnvoll zu kombinieren“, erklärt die Expertin.

Dafür erstellt Hebenstreit komplexe, mathematische Modelle am Computer. Darüber hinaus hat sie gerade den Antrag für ein Projekt eingereicht, in dessen Rahmen eine neue Technik zur Abwärmerückgewinnung aus feuchten Gasen erprobt werden soll. „Das wäre besonders spannend, da dies beim Fernwärmeversorger im Hatlerdorf direkt getestet werden könnte.“

Technik und Ethik. Wenn zwischen Forschung, Unterricht und Ausflüge in die Berge noch etwas Zeit bleibt, liest Babette Hebenstreit gerne, vor allem Science-Fiction-Literatur. „Als Technikerin denkt man eher in bekannten Kategorien. Da fehlt uns vielleicht die Kreativität. Autoren lassen sich diesbezüglich nicht einschränken, sondern schreiben ihrer Vorstellung gemäß und sind mit ihren Ideen manchmal der Zeit voraus.“ Dabei findet sie nicht nur die technischen Aspekte spannend, sondern auch die ethischen – wie der Mensch mit der Technik umgeht, die er entwickelt.

„Es braucht einen Umdenkprozess. So weitermachen wie bisher können wir nicht.“

Babette Hebenstreit, über den Energieverbrauch

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Babette Hebenstreit ist in Wien geboren und hat technische Physik studiert. An der FH Vorarlberg in Dornbirn lehrt und forscht sie. Dabei geht es unter anderem darum, die Leistung von Biomassekraftwerken zu optimieren: Ziel ist das Zur-Verfügung-stellen von Regelenergie, um Lastschwankungen im Stromnetz im Bereich von Sekunden bis Minuten auszugleichen.

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