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Tradition wahren und für das Neue offen sein

Im Jahr 1978 haben Gerda Rist und ihr Mann Walter den Hof ihrer Eltern in Lochau übernommen. 40 Jahre später dreht sich nach wie vor alles um Kühe. Inzwischen führt ihr Sohn den Bio-Betrieb. Die Eltern packen mit an.

Von Miriam Jaeneke

Die Kühe haben eine prima Aussicht. Und seit das Wohnhaus von Gerda Rists Eltern abgerissen ist, genießt auch die Familie die Weite. Über abschüssige Wiesen schweift der Blick vom Pfänderhang in Lochau aus zum fast endlos wirkenden Bodensee und rechts zur Lindauer Insel.

Gerda Rist hat eine Holzbank vor dem Haus stehen – im Augenblick teilt sie diese mit einigen Hokkaidokürbissen –, auf der sie gerne sitzt und übers Wasser schaut. Wenn sie Zeit hat. Offiziell hat sie diese, denn die 62-Jährige ist vor einem Jahr in Pension gegangen.

Jedoch, eine Vollerwerbsbäuerin bleibt eben immer eine Bäuerin. Und so machen ihr Mann und sie weiter. „Nur die Verantwortung, die liegt jetzt bei unserem Sohn, er trifft die Entscheidungen. Das ist schon eine Erleichterung für uns“, stellt Gerda Rist fest.

Neuerungen. Sohn Roman ist 28 Jahre alt und führt den Bio-Milchviehbetrieb der Eltern weiter. Allerdings hat er die Rasse gewechselt, statt dem Braunvieh steht jetzt Fleckvieh im Stall und auf der Wiese. „Das ist eine Zweinutzungsrasse. Neben der Milch lässt sich auch das Fleisch gut verwerten“, erklärt seine Mutter. Zwei Braunviehkühe sind übrig geblieben. „Die Männer sagen, das seien meine“, sagt sie und schmunzelt. Insgesamt haben Rists 20 Milchkühe und 20 Stück Jungvieh.

„Man muss die Jungen machen lassen“, kommentiert das Gerda Rist mit Blick auf die Entscheidung ihres Sohns, eine neue Kuhrasse in den Stall zu bringen. „Bei der neuen Rasse ist die Verwertung der Kälber einfacher und besser, höhere Preise inbegriffen.“ Alle weiblichen Tiere, die ein „gutes Fundament“ haben, also ein den Zuchtstandards gemäßes Aussehen, behalten Rists, ziehen diese groß, setzen sie als Zucht- und Milchkühe ein. Die männlichen Kälber werden in Mutterkuhbetriebe weiterverkauft und geschlachtet.

Zweites Standbein. „20 Milchkühe sind nicht viel für einen Vollerwerbsbauernhof“, sagt die 62-Jährige. Ohne das zweite Standbein, die Forstwirtschaft, wäre der Betrieb nur schwer aufrechtzuerhalten. So aber schlagen sie Holz, verkaufen das „schöne“ und verarbeiten den Rest zu Hackschnitzeln.

Im Hause Rist wurde ein Heizkraftwerk eingebaut, das drei Haushalte versorgt: Auf zwei Grundstücken hinter dem Elternhaus haben die beiden Rist-Töchter mit ihren Familien jeweils ihr Domizil errichtet. „Bei uns stand die Auswechslung der Heizung an. Und als zu dem Zeitpunkt unsere Töchter gebaut haben, haben wir uns für eine gemeinsame Lösung entschieden“, blickt Gerda Rist zurück.

Roman Rist hat eine Wohnung im Dachgeschoss seiner Eltern ausgebaut und wohnt dort nun mit seiner Partnerin und dem neun Monate alten Romed. Drei Generationen unter einem Dach – geht das gut? „Wir haben vier Enkel. Sie alle in der Nähe zu haben – das ist herrlich“, Gerda Rists Lächeln spricht Bände. Mit ihrem Sohn und dessen Familie frühstücken Gerda und ihr Mann Walter, gemeinsam essen sie alle zu Mittag. „Aber Roman hat seine eigene Haustür, seinen eigenen Herd. Jeder von uns hat sein eigenes Nest. Auch die Jungen möchten ihre Ruhe, ebenso wie wir auch“, betont die Landwirtin im Ruhestand.

Wenn abends schließlich Feierabend ist, zieht sich jeder in seine eigenen vier Wände zurück und genießt die freie Zeit für sich.

Für Gerda Rist fängt der Tag nach wie vor um halb sechs Uhr morgens an. Stallarbeit steht an, es wird gefüttert und gemolken, danach dürfen die Kühe auf die Weide. Zwischen sieben und halb acht Uhr gibt es Frühstück, dann wird alles Anfallende erledigt. Heuen im Sommer, düngen, Brennholz machen, Zäune reparieren oder aufstellen. Gegen 12 Uhr wird zu Mittag gegessen. Da läuft bei Gerda Rist in der Küche das Radio, damit sie regelmäßig die Zeit angesagt bekommt und das Essen pünktlich auftischen kann. Und nach dem Fünfuhr-Kaffee geht es wieder in den Stall. Einen geräumigen, modernen Laufstall haben Rists unterhalb des Wohnhauses gebaut. 2005 war das, als schon klar war, dass der Sohn den Betrieb übernehmen wird und sich eine solche Investition lohnt.

Der Zusammenhalt ist aber nicht nur innerhalb der Familie stark, sondern auch unter den drei Bauersfamilien in Lochau. „Wenn die Silage gemacht werden muss, also das Winterfutter für die Kühe, schaffen wir alle zusammen. Einer mäht, einer wendet das Gras, einer walzt es platt. Zuerst legen wir beim ersten Bauer das Silo an, dann bei uns, dann beim dritten Bauer. Uns verbindet eine Freundschaft und gute Zusammenarbeit“, erzählt Gerda Rist.

Sie genießt es, heute nicht mehr jeden Tag in den Stall zu müssen. „Das sind die Pensionsfreiheiten“, kommentiert sie verschmitzt. Dafür gibt es genug anderes zu tun: Die Hühner füttern und die zwei Ziegen, den jungen Berner Sennenhund Rolf, die Hasen und Katzen – Tiere, die mit den Enkelkindern Einzug auf dem Hof gehalten haben. Und ihren Ehrenämtern nachgehen. Angefangen hat es bereits in jungen Jahren mit der Landjugend. Sie war bei der Gründung der Landjugend Leiblachtal beteiligt und später deren Leiterin. Da hieß es, Redewettbewerbe, Maschinenkurse oder Exkursionen auf die Beine zu stellen. Als langjährige Orts- und Gebietsbäuerin bringt sie sich bis heute für die Bäuerinnen ein, wenn es ums Organisieren oder ums Kuchenbacken geht. Auf Gerda Rist ist Verlass, das genießt eben nicht nur ihre Familie.

<p class="caption">Die Hasen sind für die Enkelkinder da – und für den Kochtopf.</p>

Die Hasen sind für die Enkelkinder da – und für den Kochtopf.

<p class="caption">Auf dieser Bank sitzt Gerda Rist gerne und genießt die Aussicht auf den Bodensee.</p><p class="caption">Miriam JaEneke (4)</p>

Auf dieser Bank sitzt Gerda Rist gerne und genießt die Aussicht auf den Bodensee.

Miriam JaEneke (4)

Zum Betrieb

Familie Rist
Bio-Milchvieh- und Fleckviehzuchtbetrieb, 20 Kühe, 20 Kälber.

Milch-Abnehmer:
Ländlemilch

Standort:
Buchenberg 3, Lochau

Verantwortlich für den Betrieb: Ramon Rist

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