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Auf dem Weg zum Vorzeigeland

Hans-Peter Metzler, Andreas Böhler und Hubert Hämmerle (v.l.) mit dem Logo der Lehre-Offensive. AK/Hofmeister

Hans-Peter Metzler, Andreas Böhler und Hubert Hämmerle (v.l.) mit dem Logo der Lehre-Offensive.

 AK/Hofmeister

Die Chefs von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer präsentierten gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung der dualen Ausbildung, sprich Lehre.

Von Brigitte Kompatscher

Sechs Lehrlinge bildet Böhler Fenster in Wolfurt derzeit aus. Für die nächs­ten Jahre hat Geschäftsführer Andreas Böhler, der selbst eine Tischlerlehre im Betrieb gemacht hat, diesbezüglich einiges vor. Eine eigene Lehrlingswerkstätte wird errichtet, um die Jugendlichen das ganze Jahr über ausbilden zu können. Zwei Ausbildner erfahren derzeit eine Qualifizierung. „Bis 2020 wollen wir ein Vorzeigebetrieb in der Ausbildung sein und die Anzahl der Lehrlinge von sechs auf zwölf erhöhen“, beschreibt Böhler seine Ziele.

Betriebe wie diese sind es, die – wenn es nach den Plänen von Wirtschaftskammer-Präsident Hans-Peter Metzler und Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle geht – wohl Standard in Vorarlberg werden sollen. Gestern präsentierten die beiden ein gemeinsam erarbeitetes Maßnahmenpaket, das die duale Ausbildung stärken soll.

Ausbau. „Die Fachkräfte sind die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg im Land“, stellte Metzler eingangs fest. Über 1000 fehlen laut einer Studie derzeit allerdings. Aktuell würden hierzulande noch über 50 Prozent der Pflichtschulabgänger eine Lehre machen, informierte der WKV-Präsident weiter. Die Frage sei aber, ob das in zehn Jahren noch der Fall sei. Sein Ziel, das er gemeinsam mit seinem Gegenüber von der AK verfolgt, ist es, diesen Prozentsatz nicht nur zu halten, sondern auszubauen. Vorarlberg soll zum Vorzeigeland Nummer eins in Sachen duale Ausbildung werden. „Damit in zehn Jahren zahlreiche Exkursionen ins Land führen, um zu schauen, wie wir das machen“, lautet das ambitionierte Ziel.

Erfolgen soll das Ganze über einen bereits präsentierten Schulterschluss der beiden Kammern, der nun in erste Ergebnisse mündete. Drei Säulen und insgesamt zehn Punkte (sie-he Factbox) haben die jeweiligen Fachabteilungen gemeinsam erarbeitet. Gestern wurden sie von den beiden Präsidenten abwechselnd präsentiert.

Zusatzangebote. Etwa 15 Prozent der Pflichtschulabsolventen können nicht sinnerfassend lesen und haben auch in Mathematik Defizite. Mit Zusatzangeboten für Lehrlinge sollen diese abgebaut werden. Zudem müssten die Polytechnischen Schulen als „Kompetenzzentren“ (Hämmerle) ausgebaut und ein Pilotprojekt für eine zweijährige Lehre gestartet werden. Letzteres für Praktiker, etwa Hilfsarbeiter, die damit eine weitergehende (Teil-)Qualifizierung erhalten könnten.

Um die Inhalte der Ausbildung und die Förderung der Ausbild­ner geht es in einer weiteren Säule. Im Dezember wird laut Metzler ein Ausbildner-Netzwerk mit 200 bis 300 Mitgliedern gegründet. Mit einem Qualitätsmonitoring sollen künftig alle Ausbildungsbetriebe im Land erfasst werden. Vorgesehen ist auch eine flächendeckende Überprüfung der Qualität der Lehre, in Praxis und Theorie. Vorgestellt wurde dieses Modell kürzlich bei den Friseurlehrlingen, die es als Erste eingeführt haben (die NEUE berichtete).

Schule. Die dritte vorgestellte Säule befasst sich mit der Verbindung Schule-Lehre, eine „wichtige Schnittstelle“ (Metzler). So sollen Lehrer über das Bifo „fitter“ für Berufsinformationen gemacht und die Berufsorientierung an höheren Schulen ausgebaut werden. Das gelungene Beispiel der Zusammenarbeit von BMS und Ausbildungsbetrieben bei der Werk­raumschule Bregenzerwald soll auf andere Regionen übertragen werden. Nachdem das Modell „Lehre und Matura“ hierzulande im Vergleich zu anderen Bundesländern wenig gefragt sei, soll es ausgebaut bzw. gestärkt werden. Eine duale Ausbildung auch für Studierende steht weiters auf dem Plan.

Der zehnte Punkt ist eine bereits eingerichtete digitale Kommunikationsplattform, die nicht nur der Information, sondern auch der Imageförderung dienen soll. Viele Eltern würden es nämlich nach wie vor lieber sehen, wenn ihre Kinder studieren, meinte Metzler. Einen finanziellen Grund dafür gebe es allerdings nicht, informierte Hämmerle. So würden ein Facharbeiter und ein TU-Absolvent laut Berechnungen im Laufe ihres Arbeitslebens genau gleich viel verdienen.

Und auf noch etwas wies Metzler hin, die „Herausforderung der Digitalisierung“, die in allen zehn Punkten eine Rolle spiele: „Digitalisierung ist nur eine Metapher für ganz große Veränderungsprozesse.“

Maßnahmen

Zehn Punkte

Säule 1: Defizite der Lehranfänger kompensieren

• Mehr Zusatzangebote für Lehrlinge

• Polytechnische Schulen in ihrer Funktion als Zubringerschulen stärken

• Pilotprojekt für zweijährige Lehre

Säule 2: Qualitätsstandards in der Lehrausbildung setzen

• Steigerung der Ausbildungsqualität

• Qualitätsmanagement der Lehrausbildung stärken

• Kompetenzchecks für Lehrlinge als Qualitätssicherungsinstrument

Säule 3: Lehre als Bildungsweg attraktiv machen

• Umfassende Berufsorientierung an allen Schulen

• Ausbau des Angebots von „Lehre und BMS“

• Ausbau des Angebots von „Lehre und Matura“

Punkt zehn: eine digitale Kommunikationsplattform für die Lehre (www.lehre-vorarlberg.at).

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