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Evangelium

Gott geben, was ihm gehört?

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Mt 22, 15–21

Sie sind zu feige, um selbst die Frage zu stellen. Deshalb schicken die Pharisäer ihre Jünger zu Jesus, um ihn – mit geheuchelter Schmeichelei – in eine Falle zu locken. Stellt Jesus die Kaisersteuer infrage, geht er ins Netz der Anhänger des Herodes. Billigt er sie, gerät er in Konflikt mit den jüdischen Gesetzeshütern. Also eine verzwickte Angelegenheit!

Jesus beendet diese Schikane mit dem bekannten klugen Wort: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (V21)

Dieses Wort Jesus wurde im Laufe der Jahrhunderte oft in Bezug zu den jeweiligen politischen Machtverhältnissen interpretiert. Das führte auch zu einem übertriebenen Gehorsamsverständnis gegenüber dem Staat und der weltlichen Macht. Es waren immer Gruppen und Personen, die den Vorrang dessen, was Gott gehört, eingefordert und wie zuletzt unter dem Nazi-Regime mit ihrem Leben bezahlt haben wie zum Beispiel Franz Jägerstätter, Dietrich Bonhoeffer, Provikar Karl Lampert und andere.

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Trifft diese Forderung Jesu auch auf uns in einem demokratischen Staat zu? Keiner zahlt gerne Steuern, auch wenn jeder einsieht, dass sie für ein Zusammenleben nötig sind und es ohne sie nicht geht. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Was aber gehört Gott? Nach Jesus gibt es kein striktes „entweder Staat oder Gott“. Aber dem Staat kommt kein absoluter Vorrang zu, sondern dem Menschen mit seiner ihm von Gott verliehenen Würde. Wer immer sich – in der Sozial- und Wirtschaftspolitik (inklusive Flüchtlingspolitik) – für diese Würde einsetzt, gibt damit auch „Gott, was Gott gebührt“. Es ist immer auch eine Frage im Blick auf die Menschen: die Ärmsten unter uns und in der Welt, auch gegenüber den Christen als unseren Geschwistern.

Heute ist Sonntag der Weltkirche: auch eine Chance, Gott zu geben, was ihm gebührt. Spürbar könne es werden in der Haltung der Solidarität statt privatisiertem Wohlstand – im Einfordern der Würde und des Ansehens aller Menschen statt eines Schweigens, im Schutz des Lebens in allen Phasen statt Rentabilitäts- und Kostendenken und im Teilen unseres Wohlstands mit denen, die kaum bis gar nichts haben. Sonntag der Weltkirche heißt aber auch, den Kirchen rund um den Globus auf Augenhöhe begegnen.

<p class="caption">Wilfried M. Blum, Pfarrer in Rankweil</p>

Wilfried M. Blum, Pfarrer in Rankweil

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