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Einsatz im steilen Gelände

Christoph Gargitter (links) und Rainer Fitz informierten über die Arbeit der Alpinpolizei.
               

Christoph Gargitter (links) und Rainer Fitz informierten über die Arbeit der Alpinpolizei.

 

In Vorarlberg gibt es 40 speziell geschulte Alpinpolizisten, die sich um Kletter- und Skiunfälle kümmern.

Von Rubina Bergauer

Bergsport ist in Österreich populär. Zahlreiche Einheimische und Touristen zieht es in die luftigen Höhen. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Allein in Vorarlberg werden jährlich rund 1000 Alpinereignisse bei der Exekutive erfasst, davon im Schnitt circa 20 Kletterunfälle. Im Ländle sind daher 40 besonders ausgebildete und ausgerüstete Alpinpolizisten im Einsatz. „Fast zwei Drittel des Landes sind Gebirge oder Hochgebirge. Durch diese Topografie ist es notwendig, dass es Spezialisten gibt, die im Ernstfall das Unfallgeschehen vor Ort erheben“, erläutert Oberstleutnant Rainer Fritz im Rahmen eines Mediengesprächs in der Kletterhalle in Dornbirn. Doch die Alpinpolizisten sind nicht nur im freien Gelände unterwegs. Auch bei Unfällen in der Kletterhalle ist ihre Expertise gefragt. „Prinzipiell bestehen sehr gute Sicherheitskonzepte in der Halle. Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich“, gibt Mark Amann zu bedenken. Er ist Betreiber der K1 Kletterhalle in Dornbirn. Diese ist mit rund 40.000 Sportlern im Jahr hoch frequentiert. „Besonders, wenn viel los ist, ist auch ein gewisses Ablenkungspotenzial gegeben.“ Prinzipiell werde bei der Registrierung nachgefragt, ob die Sportler über die notwendigen Kenntnisse verfügen. Darüber hinaus werden sie angeregt einen Partnercheck vorzunehmen – also sich gegenseitig in Sachen Ausrüstung und deren richtiger Handhabung zu überprüfen. „Ich halte es zudem für wichtig, dass Anfänger in dieser Sportart einen entsprechenden Kurs absolvieren“, zeigt sich Amann überzeugt. Einmal wöchentlich ist auch ein Experte von „Sicheres Vorarlberg“ zugegen, um auf eventuelle Fehler aufmerksam zu machen.

Fragen klären. Trotz aller Vorkehrungen kann mitunter doch etwas schiefgehen. „Bis zur dritten Zwischensicherung ist es immer etwas kritisch. Denn bis dahin ist es trotz Sicherung durch eine zweite Person theoretisch möglich, dass der Kletterer ungebremst zu Boden fällt“, schildert Christoph Gargitter, Ausbildungsleiter für den Alpindienst bei der Polizei. Genau dieses Szenario stellten Mitglieder der Blaulichtorganisation in der Kletterhalle nach. Im Ernstfall ist es wichtig, dass die Experten die Situation möglichst unverändert vorfinden – also dass, falls nicht unbedingt notwendig, keine Seile gelöst werden. So können sich die Beamten einen ersten Eindruck vom Unfallgeschehen verschaffen. Dann werden Beteiligte und Auskunftspersonen einvernommen sowie Fotos vom Unfallort gemacht und eine Skizze angefertigt. Kletterseile und Sicherungsgeräte sowie andere Ausrüstungsgegenstände werden sichergestellt und auf Beschädigungen und andere Spuren untersucht. Es gilt, Fragen zu klären wie: Waren die Sicherungsgeräte richtig eingehängt? War die sichernde Person aufmerksam, gab es Störfaktoren? Über welches Know-how beziehungsweise welche Ausbildung verfügt der Sportler? „Die detaillierten Berichte sowie die gesamte Unfalldokumentation sind wichtig, damit das Unfallopfer später zu seinem Recht kommt“, betont Gargitter. Die Unterlagen werden abschließend zur strafrechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft und zur verwaltungsgerichtlichen Beurteilung an die Bezirkshauptmannschaft weitergeleitet.

Die Alpinpolizei im Ländle ist in die Einsatzgruppen Vorarlberg Nord (Feldkirch, Bregenz; Anm.), Kleinwalsertal und Bludenz unterteilt und ganzjährig im Einsatz.

Unterstützung im Winter. In der Wintersaison werden die Einsatzkräfte zusätzlich von 40 Beamten unterstützt, die speziell für die Aufnahme von Skiunfällen geschult sind. Der Schwerpunkt des Unfallgeschehens (circa 40 Prozent) liegt, der Statistik zufolge, bei Skiunfällen im organisierten Skiraum – also der Pis­te. Hier werden von der Polizei allerdings nur Unfälle mit Verdacht auf Fremdverschulden erfasst. Darunter fallen Kollisionen, Liftunfälle, Kletterunfälle sowie alle tödlichen Ereignisse und Lawinenunfälle. Die Alpinpolizei wird aber auch bei Fahndungen und Suchaktionen eingeschaltet. „Da diese besonders personalintensiv sind, wird hier auf die Mithilfe der Freiwilligenorganisationen, wie beispielsweise Bergrettung oder Feuerwehr, gesetzt. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut“, betont Fitz. Auch allgemeiner Sicherheits- und Ordnungsdienst in alpinen Ballungszentren sowie bei Großveranstaltungen (Skiopening, Weltcuprennen) wird von den Alpinpolizisten geleistet. Zudem versehen Polizei-Bergführer auch Dienst als Crew-Mitglieder bei Hubschraubern des Bundesministeriums für Inneres.

„Durch die Topografie des Landes ist es notwendig, dass es ­Spezialisten gibt.“ Rainer Fitz, Oberstleutnant

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