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Textilfabrik KAstner

Eine wechselvolleBetriebsgeschichte

Die Textilfabrik in Thüringen (l.) und Rudolf Kastner.Gemeindearchiv Thüringen (1), Dittrich (1)

Die Textilfabrik in Thüringen (l.) und Rudolf Kastner.

Gemeindearchiv Thüringen (1), Dittrich (1)

1909 wechselte die Thüringer Textilfabrik den Besitzer. Mit Rudolf Kastner brach eine neue Ära an.

Von Rubina Bergauer

Die Villa Falkenhorst in Thüringen ist heute vor allem als überregionales Kulturzentrum bekannt. Zudem fungiert das historische Gebäude als gefragte Adresse für Hochzeiten, Seminare und andere Anlässe. Untrennbar verbunden mit dem stattlichen Anwesen ist der Name der schottischen Adelsfamilie Douglass. In Thüringen gründete John Douglass gemeinsam mit dem Engländer Peter Kennedy und dem Schweizer Albert Escher im Jahr 1837 die „k. k. privilegierte Baumwoll-Spinnerey und Weberey“. Hergestellt wurden unter anderem Rohleintücher sowie Handtücher in grober, mittlerer und feiner Qualität.

Unweit der Fabrik ließen Douglass und seine Frau Jane die Villa Falkenhorst im Stil englischer Landhäuser errichten. 1904 verkaufte John Douglass Junior schließlich den Besitz an Heinrich Wintsch Junior, welcher diesen seinerseits fünf Jahre später an den jungen Textilfabrikanten Rudolf Kastner veräußerte. Kastner stammte aus einer bürgerlichen Familie, sein Vater und sein Onkel hatten sich vom Buchhalter und Kaufmann zu Handelshausbesitzern (Kastner & Öhler in Graz; Anm.) emporgearbeitet.

Warum Rudolf Kastner nicht wie seine Brüder in das Familienunternehmen einstieg, ist heute nicht mehr bekannt. Nach Übernahme des Thüringer Betriebs begann Kastner seine Unternehmerlaufbahn mit technischen und baulichen Modernisierungen sowie ersten Expansionsschritten.

Gams als Logo. Ab Ende der 1920er-Jahre wurden in der neu eingerichteten Färberei in Thüringen Garne gefärbt und das Produktsortiment erweiterte sich auf Hemd-, karierte Kleiderstoffe und bunte Bettwäsche. Besonders beliebt bei Kunden waren die Taschentücher aus dem Hause Kastner. Der Stoff dafür wurde in Rollen an Nähereien oder Heimarbeiterinnen in der Region zur Endfertigung (zuschneiden und säumen; Anm.) geliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren vor allem Windeln und Geschirrtücher wichtige Produkte. Neben Baumwolle wurde in den letzten 20 Jahren des Bestehens dieses Unternehmens auch Zellwolle zu einem wichtigen Rohstoff, in den 1960er-Jahren wurde auch mit Nylon gearbeitet. Das Firmenlogo stellte eine über die Schulter blickende Gams vor einem Berghintergrund im achteckigen Feld dar.

Kastner war bereits als junger Mann mit den Ideen von Bertha von Sutter in Berührung gekommen und wurde 1912 Mitglied der Österreichischen Friedensgesellschaft. Folglich war er jahrzehntelang aktiver Teil der Friedensbewegung. Nicht unumstritten bei der Arbeiterschaft war jedoch seine Lohnpolitik. Während der Weltwirtschaftskrise wechselte die Thüringer Fabrik mehrfach vom Vollbetrieb auf reduzierten Betrieb. Insgesamt musste die Produktion aber nie stillgelegt werden. Ein Umstand, der Rudolf Kastner hoch angerechnet wurde. Der Unternehmer wurde 1959 zum Ehrenbürger von Thüringen ernannt.

Im Jahr 1966 wurde den Mitarbeitern bekanntgegeben, dass der Betrieb liquidiert werde – der Exportmarkt für Garne war zusammengebrochen, wichtige Kunden von Kastner mussten Konkurs anmelden. Darüber hinaus war der Unternehmer durch Krankheit nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Die laufende Produktion wurde noch fertig gewoben, modernere Maschinen verkauft, der Rest verschrottet. Die Textilfabrik schloss für immer ihre Pforten. In Thüringen und den Nachbargemeinden herrschte wochenlang gedrückte Stimmung.

Im September 2017 ist das Buch „Die Ära Rudolf Kastner, Thüringen und die Fabrik 1909 bis 1967“ erschienen. Das Buch ist im Handel, im Onlineshop des Bludenzer Lorenzi Verlags (www.lorenzi-verlag.at) und in der Villa Falkenhorst erhältlich.

Information

Ausstellung

Bis zum 7. Jänner 2018 läuft in der Villa Falkenhorst (Flugelin 3, Thüringen) eine Ausstellung zur Ära der Textilwerke Kastner, in der verschiedenste Erinnerungsstücke gezeigt werden.

Öffnungszeiten: Jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr/nach Vereinbarung und bei Veranstaltungen.

Mehr: www.villa-falkenhorst.at

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