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FH Vorarlberg im Fokus

Nahe an den Menschen, nahe an der Endlichkeit

Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold. Klaus Hartinger (5)

Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.

 Klaus Hartinger (5)

Wenn Barbara Harold über Pflege spricht, weiß sie, wovon sie redet: Die diplomierte Krankenschwester hat nicht nur im Krankenhaus gearbeitet, sondern ebenso Unternehmen geleitet. Nun soll sie den neuen Bachelor-Studiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der FH Vorarlberg etablieren.

Von Miriam Jaeneke

Wer sich Barbara Harold über ihren Lebenslauf nähert, kann nicht anders, als beeindruckt zu sein: Geschäftsführerin des Integrierten Sozial- und Gesundheitssprengels Kapfenberg, Mitglied der Geschäftsführung der Rudolfinerhaus Privatklinik GmbH, Direktorin des Campus Rudolfinerhaus, Studiengangsleiterin des Bachelorstudiengangs „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der Fachhochschule Wiener Neustadt, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. Die Liste an leitenden Funktionen ist in Wahrheit noch länger und verrät bei all den unterschiedlichen Tätigkeiten eine Konstante: das Interesse an Sozialem und Gesundheit.

„Ich hatte auch jetzt verschiedene andere spannende Jobs angeboten bekommen“, verrät Barbara Harold mit einem Schmunzeln. „Der Grund, warum in meinem Lebenslauf als neuester Eintrag ,Projektleitung/Studiengangsleitung FH Vorarlberg‘ steht, ist die Atmosphäre an der Fachhochschule in Dornbirn.“ Es herrsche eine offene Stimmung und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, sich zu vernetzen und neue Projekte anzustoßen. Sie sei etwa schon mehrmals angesprochen worden, ob sie sich vorstellen könne, sich an diesem und jenem Vorhaben zu beteiligen.

Antrag erarbeitet. Das Vorhaben, das sie während des vergangenen halben Jahres verfolgt hat, bestand darin, einen Antrag für den neu geplanten Studiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“ zu erarbeiten. Harold wird dessen Leiterin sein. Sie ist zuversichtlich, dass die ersten Bachelor-Studierenden im Herbst 2018 starten können. Zunächst einmal steht im Frühjahr aber ein Behörden-Besuch an. „Da wird geprüft, ob passt, was wir in den Antrag reingeschrieben haben“, erklärt die 53-Jährige. Wenn das Konzept so genehmigt­ wird, werden ganze 50 Prozent der Ausbildung aus Praxis bestehen. Die Studierenden werden in Krankenhäusern oder Häusern für Langzeitbetreuung Erfahrungen sammeln. Sie werden aber auch Mitarbeitern der Mobilen Pflege und in anderen Bereichen über erfahrene Schultern schauen und sich praktisch erproben dürfen.

Harold, die gebürtige Nieder­österreicherin ist, erklärt: „Es gibt eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2024. Dann muss die Krankenpflege-Ausbildung auch hier in Vorarlberg von den Krankenpflegeschulen zur FH verlagert worden sein. Das ist nichts Besonderes im internationalen Bereich. Wir sind da in Österreich­ Schlusslicht.“

Der Weg in den medizinischen Bereich stand für Barbara Harold früh fest. Als sie zwölf Jahre alt war, starb ihr Großvater. Das stürzte sie in eine Krise. Sie dachte darüber nach, wie sie ihm hätte helfen können. Ärztin wollte sie werden, das stand damals außer Frage. In der Oberstufe besuchte sie Sezierkurse und ließ sich auch von dem impertinenten Formaldehydgeruch nicht abschrecken. Gab es zu Hause Rebhuhn, legte sie fachmännisch dessen Rippen frei. In den Ferien arbeitete sie im Pflegeteam eines Ordenskrankenhauses in der Steiermark mit. „Dort kam ich sehr nahe an die Patienten heran, erfuhr deren Lebensgeschichten. Ich kannte nicht nur deren Krankheit, sondern auch das psychische Befinden. Da dachte ich: ,Nein, eigentlich will ich in die Pflege.‘“ Das war für Barbaras Eltern nicht ganz leicht zu verkraften. Doch die junge Frau war nicht mehr umzustimmen.

Ausbildung. Sie begann eine Ausbildung zur Krankenschwes­ter in Wien. „Das hat mir getaugt. Wir haben in unserer Freizeit bei Operationen zugeschaut“, erzählt sie rückblickend.

Aber nach drei Jahren dachte sie, „das kann nicht alles gewesen sein“, erinnert sie sich. Sie begann, im Krankenhaus zu arbeiten und parallel an der Universität Graz zu studieren. Teilzeit-Arbeitsmodelle in dem Sinne gab es noch nicht. Im Krankenhaus hieß es, „entweder du arbeitest 100 Prozent oder gar nicht“. Also arbeitete Barbara Harold voll. Ihr Mittagessen fiel regelmäßig aus und in den Vorlesungen kämpfte sie gegen das Einschlafen.

Inspirierend. Aber sie ging ihren Weg und hat heute viel Erfahrung, die ihr hilft. Auch bei der Beantwortung der Frage, warum die Krankenpflege an die FH angedockt wird und nicht umgekehrt das FH-Know-how an die Krankenpflegeschulen. „Es geht unter anderem darum, dass die Studierenden ein inspirierendes Umfeld bekommen. Sie können Gestaltungs- und Design-Thinking-Vorlesungen ebenso besuchen wie mit Technik-Studierenden technische Unterstützung für Pflegende mit Betreuungsbedarf entwickeln oder mit BWL-Studierenden ein Planspiel ,Pflege‘ belegen. Gemeinsam mit den Bachelorstudierenden der Sozialen Arbeit haben wir eine Lehrveranstaltung geplant, bei der komplexe Fälle besprochen werden.“ Diese Querbezüge gebe es nur an der Fachhochschule, sagt die 53-Jährige.

Die Pflege ist nach wie vor ihre Leidenschaft. „Hier wird man auch mit den existenziellen Themen konfrontiert. Es gibt die Notwendigkeit zu reflektieren, und man ist zurückgeworfen auf die Frage nach dem Sinn. Man ist der Endlichkeit näher und stellt sich immer wieder die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben“, sagt Harold. Bis jedoch die Endlichkeit in ihrem Leben eine größere Rolle spielen wird, will sie die schier unendlichen Weiten der Pflege ausloten.

<p class="caption">Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.</p><p class="credit"> Klaus Hartinger (5)</p>

Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.

 Klaus Hartinger (5)

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Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.

 Klaus Hartinger (5)

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Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.

 Klaus Hartinger (5)

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Leiterin des neuen Studiengangs: Barbara Harold.

 Klaus Hartinger (5)

„In der Pflege wird man auch mit den existenziellen Themen konfrontiert.“

Barbara Harold, FH Vorarlberg

Information

Neuer Studiengang

Das Studium bietet eine hochqualifizierte, praxisnahe und wissenschaftsbasierte Grundausbildung zur Betreuung und Pflege von Menschen. Abschluss: Bachelor of Science in Health Studies (BSc). Hoher Praxisanteil mit mindestens einem Berufspraktikum pro Semester, Auslandspraktikum möglich. Frühestmöglicher Start: Wintersemester 2018, Bewerbungsbeginn ist der 1. Jänner 2018. Vorerst 25 Studienplätze pro Jahr.

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