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Fernab von allen Bergbahnen

Mit Moses erleben Hobbysportler die Bergwelt im Bregenzerwald und in den Alpen von einer anderen Seite.

Von Danielle Biedebach

Markus Moosbrugger – genannt Moses – ist ständig auf Achse. Das ganze Jahr. Im ganzen alpinen Raum. Die Grenzen zwischen Winter und Sommer verschwinden. Das Verlangen nach saisonübergreifenden Sportarten wächst stetig. Wie gut, dass der 51-Jährige Schoppernauer quasi beide Jahreshälften sportlich beherrscht. Moses ist Ski- und Bergführer. Und deswegen die meiste Zeit des Jahres in den Alpen unterwegs. Fernab von Bergbahnen und Tourismusströmen. Im Winter ist es das Skitouren und Freeriden. Alles, was sich abseits der Piste abspielt. Schneeschuhwandern und Eisklettern gehören ebenfalls dazu. Während der kalten Monate ist sein „Einsatzgebiet“ in erster Linie im Bregenzerwald, Kleinwalsertal und am Arlberg. Im Sommer ist er auf Hochtouren im Gletschergebiet, Klettersteigen oder Wanderwegen unterwegs. Im gesamten europäischen Alpenraum.

Angeboren. Moses ist nicht der erste Bergführer in seiner Familie. Sein Großvater hat bereits Gäste in alpine Höhen geleitet. „Vielleicht hatte ich es seit jeher im Blut“, vermutet er mit einem Augenzwinkern. Selbstständig ist er allerdings erst seit 2011. Als Jugendlicher schloss der Bregenzerwälder eine Lehre zum Maschinenschlosser ab. Einige Jahre nach der Ausbildung nahm er einen Job in einem Bergsportgeschäft an. Und absolvierte gleichzeitig an der Abendschule eine Ausbildung zum Büro- und Einzelhandelskaufmann.

Inzwischen war er Mitte 20. Da kam ihm erstmals der Gedanke, sein Hobby zum Beruf zu machen. Doch die Familienplanung hatte Priorität. Beruflich wechselte er trotzdem abermals. Und zwar ins Bankwesen. Nach 15 Jahren als Bänker setzte er den lange gehegten beruflichen Traum um. „Denn da waren die Kleinen aus dem Gröbsten raus“, erzählt der Vater von drei Kindern.

Die Ausbildung zum Berg- und Skiführer sei nicht einfach. Mehr noch: überhaupt die Aufnahmeprüfung zu schaffen, ist Moses zufolge bereits eine Herausforderung. Bei ihm klappte es beim ersten Anlauf. „Weil ich Erfahrung mitbrachte und mich vorbereitet hatte“, nennt er die Gründe. Zweieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung – mittlerweile sind es drei. „Nach dem ersten Jahr war ich schon als Aspirant in Expertenbegleitung unterwegs. So sammelte ich Praxisstunden“, erklärt er.

Beherrschen muss ein Auszubildender am Ende alle Disziplinen gleich gut. Eine Vorliebe kristallisiert sich trotzdem früher oder später heraus. Zu Moses Lieblingsdisziplinen gehört das Skifahren, abseits der Piste. Im Sommer ist es das Klettern. „Im Grunde liebe ich die Abwechslung“, fügt er hinzu.

Sicherheitsaspekt. Es ist wohl in erster Linie der Sicherheitsaspekt, warum Bergsportler einen Guide buchen. Dann, wenn Risiken von Laien schwer einzuschätzen sind. Speziell im Winter möchten sich viele auf einen Experten in Sachen Lawinengefahr verlassen.

Ein weiterer Grund, einen Spezialisten an der Seite zu haben, ist schlichtweg die fehlende Ortskenntnis. „Mit einem Guide ist es also grundsätzlich viel entspannter“, weiß Moses auf Erfahrung. Der Experte hat hauptsächlich mit „Wiederholungstätern“ zu tun. Stammgäs­ten, die den Schoppernauer explizit engagieren. Das können Einzelpersonen sein, aber auch Gruppen. „Umso schwerer die Tour, desto kleiner die Gruppen“, erläutert der 51-Jährige. Ausgesprochen anspruchsvolle Strecken oder Vorhaben werden von ihm sowieso nur mit maximal einem Gast bestritten. Wie er anspruchsvoll definiert? „Das Matterhorn“, nennt Moosbrugger als Beispiel. Ein solches Vorhaben ist was für Fortgeschrittene. Dennoch: Sogar für Anfänger sei es nicht unmöglich, den wohl bekanntesten Berg der Alpen zu bezwingen. „Es bedarf eben eines ausführlichen Trainings. Auch wenn dieses bis zu zwei oder drei Jahre dauern kann“, weiß der Fachmann. Er begleitet auch solche Prozesse.

Wichtig sei grundsätzlich, dass sich Gast und Guide kennenlernen. Was die physische und die psychische Fitness betrifft. Der Experte muss erkennen, wann ein Hobby-Sportler an Grenzen stößt. „Je besser man sich kennt, desto näher kann ich jemanden an diese Grenze führen. Natürlich immer unter sicheren Bedingungen“, sagt er.

Risiko minimieren. Ein Restrisiko bleibt aber immer. „Aber das gibt es auch beim Autofahren“, erinnert Moses. Die Natur ist nicht berechenbar. Es geht also immer darum, das Restrisiko zu minimieren. „Wir Guides tragen eine große Verantwortung und müssen deswegen gewisse Standards einhalten“, erläutert er die Vorgehensweise.

Und trotzdem. Wer so häufig in den Bergen unterwegs ist wie er, gerät auch in prekäre Situationen. Im Sommer kann Steinschlag gefährlich werden. Im Winter sind es Lawinen. Die Devise ist, stets defensiv unterwegs zu sein. Auch der Experte durchlebte Lehrjahre. Glücklicherweise ist nie etwas „Ernstes“ passiert. Auch nicht, als er einen Lawinenabgang miterlebte. Ein Freund wurde verschüttet. Wären sämtliche ­Standardmaßnahmen nicht eingehalten worden, hätte es Moses selbst wohl auch erwischt. „Durch die prompte Rettung war der Verschüttete aber am Abend wieder wohlauf und zu Hause“, berichtet er.

Seltene Situationen wie diese schrecken den Bergführer nicht ab. Gerne entdeckt er völlig neue Gebiete im Alpenraum. Obwohl sich auch in hiesigen Gefilden die Routen stetig ändern und neue Einblicke in die Natur freigeben. „Das hängt mit dem Rückgang der Gletscher und dem schwindenden Permafrost im Hochgebirge zusammen. Auf den Piz Buin geht man heute anders als vor fünf Jahren.“

Motivation. Die Ziele der Gäste, die von Moses begleitet werden, sind komplett unterschiedlich. Manche wollen einen bestimmten Gipfel erklimmen. Bei anderen ist vielmehr der Weg das Ziel. Wieder andere suchen die stille, ursprüngliche Natur. Fernab von Bergbahnen und Tourismusströmen.

<p class="caption">Skitouren und Skiklettern wird immer mehr nachgefragt. Privat</p>

Skitouren und Skiklettern wird immer mehr nachgefragt. Privat

<p class="caption">Eisklettern ist eine vergleichsweise selten ausgeübte Disziplin.</p>

Eisklettern ist eine vergleichsweise selten ausgeübte Disziplin.

„Ein Restrisiko bleibt immer. Ein Guide trägt große Verantwortung und muss Standards einhalten.“

Markus Moosbrugger, Ski- und Bergführer

Mit Moses

Markus Moosbrugger ist staatlich geprüfter Skiführer, Bergführer und Schneesportlehrer aus Schoppernau im Bregenzerwald. Skitouren, Schneeschuhwandern, Freeriden, Wandern, Bergsteigen, Sportklettern, Alpinklettern, Eisklettern, Klettersteig und Hochtouren gehören zu seinem Repertoire.

Aktuelle Angebote gibt es auf seiner Homepage

www.mitmoses.at

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