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Mehr als ein Gruß aus der Küche

Das Internat ist am Rand des Manu-Nationalparks angesiedelt.

Das Internat ist am Rand des Manu-Nationalparks angesiedelt.

„Herdshaft“ heißt das Kochbuch, das Corina Sauermoser geschrieben hat. Ein Herzensprojekt will die Sulnerin damit unterstützen: Der Reingewinn kommt einer ganz besonderen Schule in Peru zugute.

Von Johannes Hofer

Technische Errungenschaften lösen nicht selten Verwunderung und vielleicht sogar ein bisschen Ehrfurcht aus. Wer wüsste das besser als ein Mitteleuropäer im 21. Jahrhundert? Schließlich trägt heute jeder Smartphone-Besitzer praktisch ein Wunderding in der Hosentasche herum, das überdies regelmäßig mit neuen Funktionen aufwartet. Anderswo sehen Wunderdinge etwas schlichter aus.

„Im Dschungel flippen die Kinder schon aus, wenn ihnen ein Feuerzeug vorgeführt wird“, sagt Corina Sauermoser. Der Dschungel, den sie meint, befindet sich im Manu-Nationalpark, mitten im peruanischen Hochland. Zwei Monate hat sie als Volontärin im Jahr 2016 dort verbracht, nun steht sie in der Küche ihres Elternhauses in Sulz und schnippelt Champignons, während sie von ihren Erfahrungen erzählt.

Massentourismus. Die Ureinwohner, die über Generationen hinweg im Einklang mit der Natur gelebt haben, würden mehr und mehr mit dem aufkommenden Massentourismus konfrontiert, berichtet die 27-Jährige. Wo ein simples Feuerzeug eine Sensation ist, werden Masten aufgestellt, die die Internetversorgung in der Region sicherstellen sollen. „Was da mit ihrer Heimat passiert, verstehen die Menschen oft gar nicht“, meint Sauermoser.

Eben deshalb wurde vor rund 15 Jahren das Internat „Chaskawasi – La Casa de las Estrellas“ („Das Haus der Sterne“) gegründet. In der Einrichtung erhalten Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren Unterricht in Spanisch, Mathematik und Landschaftskunde. Das Projekt soll die indigenen Völker ermächtigen, die eigene Kultur zu bewahren, den Dschungel zu schützen und mit den Entwicklungen im Nationalpark zurechtzukommen.

„Ein junger Mann hat es bisher dank des Internats an die Universität geschafft. Er absolviert ein Studium im Bereich Tourismus und lernt Englisch“, erklärt Sauermoser. Mittlerweile ist sie damit beschäftigt, die Champignons, Spinat und einige weitere Zutaten in Omelettes einzurollen. Ein paar Handgriffe später brutzeln diese im Backrohr. Es ist kein Zufall, dass Sauer­moser dieses Gericht kocht. „Omas gefüllte Omelettes“ – deren Rezept ist in ihrem Kochbuch „Herdshaft“ verewigt. Ein buntes, unkompliziertes, fast zur Gänze selbst gemachtes Büchlein, mit dem sie das „Haus der Sterne“ finanziell unterstützen will.

„Das Projekt wird zwar von der peruanischen Regierung gefördert. Allerdings nur mit 60 Kilogramm Kartoffeln und ebenso viel Reis im Jahr. Das reicht für eine Woche“, erklärt die Sulnerin. Ohne Spenden und freiwillige Helfer könnte das Internat nicht fortbestehen. Das lieferte ihr den Anreiz, das Büchlein zu schreiben – der Reingewinn aus den Verkäufen kommt „Chaskawasi“ zugute.

Alles verbinden. Das Kochbuch soll „alles verbinden“, sagt Sauer­moser. Damit meint sie, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte – der Fokus liege zwar auf vegetarischen Gerichten, aber oft würden auch Varianten für „Fleischtiger“ oder Veganer vorgestellt. Die Rezepte sind zum Großteil selbst erfunden, wobei auch die Südtiroler Hausmannskost der Großmutter in leicht abgeänderter Form Einzug ins Buch gehalten hat. Ebenso werden einige peruanische Speisen vorgestellt.

Immer und immer wieder wurden die Gerichte an „Test­essern“ aus dem Freundeskreis erprobt, bis Sauermoser mit jedem Rezept zufrieden war.

Auch einige „Testköche“ hat sie für ihr Projekt gewonnen. „Ich habe die Gerichte von einigen Freunden nachkochen lassen, die sogar Wasser anbrennen lassen würden. Um sicherzugehen, dass wirklich jeder mit dem Buch zurechtkommt“, erklärt die junge Frau.

Damit das Büchlein auch auf Reisen und unter beengten Verhältnissen – wie in ihrer „Puppenküche“ in Sulz – ohne Probleme zum Einsatz kommen kann, hat es das Format eines Stehkalenders. Eine befreundete Studentin der Medienpädagogik zeichnet für das Layout verantwortlich. Für die Gestaltung des Titelblatts wiederum habe sich die achtjährige Nichte einer anderen Freundin einen ganzen Tag Zeit genommen, erzählt Sauermoser. Die Fotos für das Buch entstanden nach und nach, beim Kochen und Probieren. Auf Tricks, um die Gerichte möglichst gut aussehen zu lassen, wie das bei „Food Shootings“ üblich ist, wurde bewusst verzichtet. „Da sind die Leute hinterher höchstens frustriert, wenn das Essen nicht so aussieht wie auf den Fotos.“

Mit „Herdshaft“ unterstützt Sauermoser ein Projekt, in das sie sich regelrecht „verliebt“ hat, wie sie sagt. Oftmals sei sie skeptisch, ob die Veränderungen, die durch Initiativen im Ausland angestoßen werden, tatsächlich positiv für die einheimische Bevölkerung seien. Bei „Chaskawasi“ ist dies der Fall – davon ist sie überzeugt.

Zweiter Besuch. Im September wird sie dem Internat zum zweiten Mal einen Besuch als Volontärin abstatten. Im Gegensatz zu heute sprach sie bei ihrer ersten Reise nach Peru noch kein Spanisch. „Nur: ‚Vamos a la playa‘“, sagt Sauermoser. Jedoch: A la playa, also an den Strand, wollte sie eben nicht unbedingt. Zwar gebe es recht beliebte Sozialprojekte wie Surfcamps oder sogenannte animal sanctuaries (Gnadenhöfe), ihr sei es aber wichtig gewesen, dort eingeteilt zu werden, wo ihre Hilfe am dringendsten benötigt wurde.

Kochen und spielen. Im „Haus der Sterne“ kochte und musizierte die gelernte Kindergarten- und Bewegungspädagogin mit den Schülern, spielte Fußball mit ihnen, war als „Ersatzmami“ für sie da. Schließlich sind die Kinder und Jugendlichen das ganze Schuljahr über von ihren Familien getrennt. Eine Notwendigkeit, liegt doch die kleine Ortschaft, in der das Internat aufgebaut wurde, eine rund zweiwöchige Reise von den Dörfern im Inneren des Nationalparks entfernt. Sauermoser hofft darauf, diese im Herbst selbst besuchen zu dürfen.

Bis dahin wird sich die junge Frau weiter ihrem Studium in Innsbruck widmen. Die Ausbildung zur Dolmetscherin (Spanisch und Englisch) hat sie unter anderem begonnen, um Übersetzungstätigkeiten für „Chaskawasi“ übernehmen zu können.

„Auf Dauer davon zu leben, wird zwar nicht möglich sein“, meint Sauermoser. Die nächsten Jahre möchte sie dennoch der Arbeit für das Sozialprojekt widmen. „Und auch danach kann ich dem Internat immer wieder mal helfen“, fügt sie hinzu, während sie die fertigen Omelettes aus dem Backrohr holt.

<p class="caption">Kinder und Jugendliche aus dem „Haus der Sterne“.</p>

Kinder und Jugendliche aus dem „Haus der Sterne“.

<p class="caption">Die Buchautorin in ihrer „Puppenküche“. </p>

Die Buchautorin in ihrer „Puppenküche“. 

<p class="caption">Corina Sauermoser ist eine passionierte Köchin. Klaus HArtinger  (4), Sauermoser (5)</p>

Corina Sauermoser ist eine passionierte Köchin.
 Klaus HArtinger  (4), Sauermoser (5)

Zum Buch

„Herdshaft. Schmankerl aus Enkels Puppenküche“ ist erhältlich im Essencia-Bioladen, im Freihof-Bioladen und im „Energetik und mehr“ in Sulz, auf den Gemeindeämtern in Sulz und Viktorsberg sowie im Friseursalon Elke Scheid­bach in Rankweil. Per Mail (corina.sausi@hotmail.com) und über Facebook kann das Buch auch als Postsendung bei Corina Sauermoser bestellt werden. „Herdshaft“ kostet 20 Euro, davon kommen 15 Euro „Chaskawasi“ zugute.

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