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Suche nach Politik mit Wirkung

Eva King ist eine Frau, die nicht wegschaut, sondern ihren Blick hinter die Kulissen richtet.  Klaus Hartinger

Eva King ist eine Frau, die nicht wegschaut, sondern ihren Blick hinter die Kulissen richtet.  Klaus Hartinger

Mit 16 zog sie aus dem steirischen Graz aus, um politische Sphären zu durchdringen. Politik mit Wirkung hieß ihr Ziel. Wien, Brüssel waren Heimat. Eva King arbeitete als Bankerin, Forscherin, Unternehmerin, Gesetzesentwicklerin. Jetzt ist die 41-Jährige angekommen – in Fontanella.

Von Heidrun Joachim

Ein kleines Büro im fünften Stockwerk des Arbeiterkammer-Gebäudes in Feldkirch. Viele Bücher, Broschüren in Regalen, auf dem Tisch. An der Wand Kinderzeichnungen. Am Schreibtisch sitzt eine zierliche Frau. Ihre langen blonden Locken sind locker zusammengebunden. Eva King, verantwortlich für die Grundlagenarbeit der Kammer. Eine Powerfrau und Mutter von drei Söhnen und einer Tochter im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Ihr Mann, der Engländer Matthew King, pendelt zwischen dem Wohnort Fontanella und dem Arbeitsort Brüssel, wo er sein Wissen als Abteilungsleiter für Innovation in die EU-Kommission einbringt.

Eva King ist in Vollzeit tätig. Das funktioniert. „Auch in Vorarlberg, mit straffer Organisation und mit Hilfe von Au-pair-Mädchen“, sagt sie und lacht.

Nicht wegschauen. Auffallend sind die blauen Augen der schlanken Frau. Weil sie das Gegenüber an- und nicht wegschaut. Weggeschaut hat sie in ihrem bisherigen spannenden Leben nie. Eher genauer hinter die Kulissen geblickt.

Aufgewachsen ist die 41-Jährige im steirischen Graz gemeinsam mit acht Geschwistern. 16 Jahre war sie jung, als sie ihr Elternhaus verließ und Wien ansteuerte. „Ich war Landes- und dann auch Bundesschulsprecherin. Politik hat mich schon in sehr jungen Jahren interessiert und ich wollte mich da unbedingt weiter engagieren.“ In Wien wohnte sie bei einer Tante in deren kleinen Wohnung. In jener Zeit waren es vor allem der Fall der Mauer in Berlin, die Bewegung im Gerüst Europa und Asien, die sie neugierig machten. Maturiert hat sie deshalb an einem der wenigen Wiener Gymnasien, an denen Russisch gelehrt wurde.

Studieren wollte sie Wirtschaft. Da entscheidet sich das, was in der Politik umgesetzt werden muss, dachte sich die junge Frau. Deshalb widmete sie sich zunächst der Betriebswirtschaft. Jedoch nur zu wissen, wie Unternehmen funktionieren, das reichte der Wissensdurstigen nicht. Sie wollte mehr erfahren: Was ist das Beste für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Wie funktioniert der Arbeitsmarkt? Was hat es mit Angebot und Nachfrage auf sich und vieles mehr. Deshalb schloss sie ein Volkswirtschaftsstudium an. Danach führte ihr Weg sie in die Nationalbank. „Ich dachte, dass dies der Hort der Weisheit ist. Finanzpolitik, die alles bewegt.“ Dem war nicht so, schnell kam die Ernüchterung. Die Suche nach der „Politik mit Wirkung“ ging weiter. Und so zog es sie, 27-jährig, als nationale Expertin in die EU-Kommission nach Brüssel. Befasst war sie zunächst mit einem Gesetzesentwurf zum internationalen Geldverkehr. Begeistert erzählt sie über ihre Arbeit, geht ins Detail. Und trotzdem war es nicht das, was sie finden wollte: „Ich glaube zwar immer noch, dass in Brüssel sehr viele Entscheidungen fallen. Aber die Karten werden, die Interessen betreffend, nicht gerecht gemischt“, ist Eva King überzeugt. Als spannenden Prozess empfand sie die Umsetzung des Gesetzgebungsprojektes zum Zahlungsverkehr schon, wollte dann wissen, wie sich solch ein Gesetz in der Praxis auswirkt und wechselte zu Western Union, einer internationalen Transferbank. „Eine tolle Zeit“, resümiert sie, aber keine „Politik mit Wirkung“.

Mutter von vier Kindern. Inzwischen hatte Eva King geheiratet, war Mutter von drei Söhnen und – voll berufstätig. In Brüssel kein Problem. Es ist nicht außergewöhnlich, wenn eine Mutter drei Monate nach der Geburt des Kindes ihren Job wiederaufnimmt. „Es gehört in Belgien zur Kultur, dass Frauen Berufe ausüben. Wer seinen Nachwuchs in eine Kinderkrippe gibt, macht sich nicht des Verbrechens der Kindesweglegung schuldig. Es ist normal, die ganztägige Betreuung von Kleinst- bis Schulkindern ist in Belgien selbstverständlich. Und die Schulzeiten sind aufeinander abgestimmt. Ein komfortables Umfeld für die damals dreifache Mutter. Unterstützt wurde sie durch Au-pairs. „Für die georgischen bis chinesischen jungen Frauen ist dies auch eine wichtige Erfahrung.“

Was ihr fehlte? Der soziale Aspekt, das Sich-Einbringen-Können in die Gesellschaft über Ehrenämter, die Gespräche miteinander. Nach der Geburt ihrer jetzt dreijährigen Tochter wechselte die Familie schlussendlich von Brüssel nach Vorarlberg, nach Fontanella, den 379-Einwohnerort im Großen Walsertal.

Ein Kulturschock? Keineswegs. Eva King hat von jeher eine besondere Affinität zum Westen Österreichs. „Wegen der Berge. Und ich mag die Menschen. In Fontanella kennt jeder jeden. Das gefällt mir.“

Zudem sieht sie es als Plus, dass sich im Ländle Weltoffenheit mit Traditionsbewusstsein paart. „Ich wollte nach Österreich zurück, wegen der Sprache, wegen der Kultur. Vor zehn Jahren haben wir das Grundstück in Fontanella gekauft – wegen der Nähe zu den Bergen. Vor fünf Jahren wurde das Haus gebaut und seit drei Jahren sind wir hier zu Hause.“ Die Entscheidung zum Wohnortwechsel war eine private. Eva King wollte ihren Nachwuchs hier aufwachsen sehen. Sie fühlt sich angekommen, auch wenn etwa die Kinderbetreuung so manches Problem beschert. „Zurzeit unterstützt mich ein deutsches Au-pair-Mädchen“. In der Zwischenzeit hat die 41-Jährige noch Nachhaltige Wirtschaft studiert und als selbstständige Unternehmensberaterin dem einen oder anderen Start-up zum Erfolg verholfen. Und nach der Politik mit Wirkung Ausschau gehalten.

Die Kultur, dass Frauen arbeiten, sieht die temperamentvolle Frau in Vorarlberg noch nicht verankert. Nachdem sie den Job bei der Arbeiterkammer erhielt, entdeckte Eva King jetzt die Möglichkeit, Grundlagen dafür zu schaffen, etwas zu entwickeln, damit Frauen mit Familie beruflich vorwärtskommen. „Die Vorarlbergerinnen wollen arbeiten. Das haben eine Befragung und ein Workshop im jüngsten Herbst eindeutig ergeben. Aber zu welchen Bedingungen und welchem Preis können sie das?“

Drei Punkte. Aus eigener Erfahrung nennt King drei Punkte, die Familie und Job möglich machen sollten: „Zum Einen braucht es attraktive, gut bezahlte Jobs – auch um sich etwa ein Au-pair leisten zu können. Und flexible Arbeitszeiten für die Frauen sind sehr wichtig. Zum Zweiten muss auch den Männern die Chance gegeben werden, flexibel tätig zu sein. Und zum Dritten braucht es Ganztagsbetreuung für die Kinder sowie abgestimmte Zeiten von Unterricht und Kleinkindbetreuungen.“

Bis diese Punkte Realität sind, hat Eva King viel zu bewegen. Sie ist keine, die Ruhe gibt und wird weiter die Politik mit Wirkung nicht nur suchen, sondern energisch und klug selbst gestalten.

„Ich dachte, dass die Nationalbank der Hort der Weisheit ist. Finanzpolitik, die alles bewegt.“

Eva King

Zur Person

Eva King

geboren: 26. Oktober 1976 in Graz

Wohnhaft: Fontanella

Tätigkeit: vorher Direktorin FASresearch in Wien, jetzt Leiterin der Grundlagen

Master in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Nachhaltige regionale Entwicklung

Hobbys: Schwimmen, Laufen, Skifahren

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