Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Meine Meinung

Alle in einen Topf geworfen

Vier Menschen soll ein 23-jähriger Afghane diese Woche in Wien mit einem Messer schwer verletzt haben. Der Mann hat die Taten gegenüber den Ermittlern gestanden. Er soll aus Unzufriedenheit mit seinem eigenen Leben das Leben anderer Menschen gefährdet haben. Mittlerweile sind alle Opfer außer Lebensgefahr. So weit die Fakten dieses traurigen Ereignisses. Und wie in solchen Fällen üblich, ließen die Reaktionen von Politikern nicht lange auf sich warten. Allen voran wünschte Bundeskanzler Sebastian Kurz den Opfern via Twitter „baldige Genesung“. Zugleich äußerte er, dass solche Vorfälle unerträglich seien und keinesfalls toleriert werden dürfen. So weit so nachvollziehbar.

In einem zweiten Tweet legt der Parteichef der ÖVP jedoch nach. „Klar ist, dass in den vergangenen Jahren in der Migrations- und Asylpolitik viele Fehler gemacht wurden. Unbegrenzte Migration ist die Ursache für viele ­Probleme, mit denen wir derzeit konfrontiert sind. Die neue Bundesregierung will daher diese Fehler der vergangenen Jahre beheben.“, lautete die Meldung des Bundeskanzlers.

So unerträglich der Messerangriff auf vier Menschen war, so unerträglich ist diese Reaktion eines österreichischen Spitzenpolitikers darauf. Lassen wir einmal großzügig außer Acht, dass Sebastian Kurz seit 2011 immer Teil der Bundesregierung gewesen ist und das Innenministerium jahrelang unter ÖVP-Führung war. Die Äußerung des Kanzlers ist dennoch unmöglich.

Er verknüpft eine verurteilenswerte Attacke mit einem deutlich vielschichtigeren Thema, nämlich der Asyl- und Migrationspolitik der vergangenen Jahre. Sein nicht explizit geäußerter, aber zwischen den Zeilen angedeuteter Schluss: Hätte es eine bessere Politik gegeben, wäre der Messerangriff nicht passiert.

Flüchtlinge, die in Österreich Schutz suchen, werden auf diese Weise allesamt mit einem mutmaßlichen Gewalttäter in einen Topf geworfen. Es ist unbestritten, dass es im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen der jüngsten Zeit Probleme und offene Fragen gibt. Diese gilt es zu lösen und zu beantworten. Aber bitte nicht auf diese plumpe und populistische Art, Herr Bundeskanzler!

„ Flüchtlinge werden mit einem mutmaßlichen Gewalttäter in einen Topf geworfen. “

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.