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„Es ist wichtig, an einem Strang zu ziehen“

Michael Andreas Egger mit seinem Vierbeiner Manolo. Egger

Michael Andreas Egger mit seinem Vierbeiner Manolo.

 Egger

Interview. Der Bregenzer Michael Andreas Egger, der seit zwei Jahren in Wiener Neustadt lebt, organisiert den LGBTIQ*-Kongress diese Woche in Bregenz.

Von Brigitte Kompatscher

Sie sind Mitglied des Vorarl­berger Vereins Go West, der sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*-, Intersex*- und Queer- (LGBTIQ-)Menschen einsetzt. In dieser Funktion sind Sie verantwortlicher Organisator eines natio­nalen Kongresses am kommenden Wochenende in Bregenz. Sie leben in Wiener Neustadt. Konnte das niemand hier in Vorarl­berg machen?

Michael Andreas Egger: Ich bin seit zehn Jahren beim Verein Go West dabei, immer noch aktives Mitglied und unterstütze die Vorarlberger Community, wo ich nur kann. Ich war immer für die Vernetzung innerhalb der Bundesländer zuständig, und darum war es mir ein großes Anliegen, diesen Kongress zu organisieren. Ich bekomme aber natürlich Hilfestellung von den Mitgliedern von Go West in Vorarlberg.

Worum geht es bei dem dreitägigen Kongress?

Egger: Die Schwerpunkte sind sicher die neue Bundesregierung und die neuen Landesregierungen. Der wichtigste Punkt wird die Öffnung der Ehe sein, die ja kommen muss, nachdem der Verfassungs­gerichtshof das Verbot aufgehoben hat. Ebenso wird das Levelling-up ein Thema sein.

Was ist das?

Egger: Das bedeutet, dass die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung auch im Privatleben verboten wird. Momentan sind wir ja nur im Berufsleben vor Diskriminierung geschützt. Was wir auch tun wollen, ist ein gemeinsames Positionspapier oder einen offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen schreiben, um unsere Wünsche und Bedenken mitzuteilen.

Was wird in Hinblick auf das Levelling-up konkret gefordert?

Egger: Derzeit ist es so, dass wenn ein schwules Paar eine Wohnung mieten möchte, der Vermieter sie ihnen aufgrund ihrer Homosexualität verweigern kann. Dasselbe gilt etwa bei Taxifahrten. Wenn zwei Frauen ein Taxi nehmen und sich darin küssen, darf sie der Fahrer wieder rausschmeißen. Das ist aufgrund des Geschlechts, der Hautfarbe und der Religion nicht mehr möglich – aufgrund der sexuellen Orientierung schon noch.

Wie viele Teilnehmer werden nach Bregenz kommen, und woher sind sie?

Egger: Es sind insgesamt an die 90 Vereine, NGOs, Bündnisse, Verbände, politische Parteien eingeladen. Über die drei Tage verteilt werden über 100 Teilnehmer*Innen (das * bezieht sich auf ein drittes Geschlecht, Anm.) aus allen Ecken Österreichs bzw. allen Bundesländern da sein.

Was sind die größten Probleme, mit denen LGBTIQ-Menschen im Alltag konfrontiert sind?

Egger: Wir sind in Österreich mittlerweile schon so weit, dass es in der Gesellschaft halbwegs funktioniert. Die größten Steine werden uns allerdings immer noch von den jeweiligen Regierungen in den Weg gelegt. Wir haben für jedes Recht immer kämpfen müssen.

Wovor fürchten sich Politiker da? Etwa bei der Ehe für alle?

Egger: Ich weiß es selbst nicht wirklich. Aber wahrscheinlich fürchten sie um ihre Wähler*Innenstimmen. Obwohl sie ja nur jemandem etwas geben, ohne sich selbst etwas wegzunehmen. Traurig ist nur, dass die Bundes-SPÖ bei dem Thema bisher immer klein beigegeben und sich der ÖVP gebeugt hat, wenn es etwa um die „Ehe für alle“ im Koalitionsvertrag ging. Ebenso ist es leider bei den Grünen in den Landesregierungen. Im Wahlkampf ist es immer ein großes Thema, aber sobald sie im Landtag sitzen, ist es leider auch nicht mehr so aktuell.

Haben Sie als Homosexueller selbst Diskriminierung erfahren?

Egger: In Vorarlberg, das ein sehr konservatives Bundesland ist, hört man immer wieder irgendwelche blöden Sprüche. Es ist aber nicht Alltag, das muss ich schon sagen. Wenn man Hand in Hand in der Bregenzer Fußgängerzone herumläuft, gibt es neugierige Blicke, aber wirklich diskriminiert bin ich persönlich noch nicht worden.

Hat sich diesbezüglich über die Jahre etwas geändert beziehungsweise inwiefern?

Egger: In der Gesellschaft hat sich sehr, sehr viel getan. Politisch ist nur etwas passiert, weil wir es uns gerichtlich erkämpft und erstritten haben. Etwa das Adoptionsrecht, das Stiefkindadoptionsrecht oder die Ehe für alle – das wurde alles immer erstritten. Sehr konservative Länder wie Spanien oder Irland haben vieles ohne Gerichte geschafft.

Derzeit läuft ja der Film „Erik & Erika“ über den prominenten österreichischen Skifahrer und Intersexuellen Erik Schinegger im Kino. Ist so etwas hilfreich?

Egger: Dieser Film ist für die ältere Generation, für Menschen, die die Karriere von Schinegger mitbekommen haben, sicher ein toller Aufklärungsfilm. Hilfreich sind auch Menschen wie zum Beispiel Caitlyn Marie Jenner, die als Bruce Jenner Olympiasieger im Zehnkampf war. Sie zeigen der Öffentlichkeit, dass auch bekannte Menschen schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder inter* sind. Diese Personen sind in den Medien stark vertreten, und das ist zusätzlich zu unserer Arbeit eine tolle Aufklärung.

Was können Kongresse wie der jetzige bewirken?

Egger: Sie zeigen auf jeden Fall, wie viele Vereine es gibt, die wirklich tagtäglich ehrenamtlich viel Zeit in den Kampf gegen Diskriminierung investieren. Uns bringt es zudem eine gute Vernetzung. Es ist ganz wichtig, sich auszutauschen, um zu schauen, wie die Dinge anderswo funktionieren und wo es besser oder schlechter ist. Da tauchen dann Fragen auf, warum es etwa vom Land Salzburg mehr Förderung gibt als vom Land Vorarlberg. Zudem ist es ganz wichtig, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Zur Person

Michael Andreas Egger, geboren am 27. August 1989 in Bregenz, wo er auch aufgewachsen ist. Lehre als Gastgewerbeassistent im Hotel Schwärzler in Bregenz, Filialbetreuer Bäckerei Mangold.

Seit 2017 Vertriebsleiter Filialen der niederösterreichischen Bäckerei Linauer & Wagner. Lebt in Wiener Neustadt.

Seit 2007 Mitglied des Kernteams des Vereins Go West in Bregenz.

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