Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Gemeinsam kleine Schritte setzen

Thomas Lutz ist Geschäftsführer des Braunviehzuchtverbands.    Klaus Hartinger (2)

Thomas Lutz ist Geschäftsführer des Braunviehzuchtverbands.    Klaus Hartinger (2)

Interview. In Vorarlberg ist die Landwirtschaft klein strukturiert. Das stellt auch die Rinderzüchter vor besondere Herausforderungen. Denn die Aufzucht der Tiere ist mit hohem Aufwand verbunden.

Von Rubina Bergauer

Welche Beweggründe stehen hinter der Gründung der Genossenschaft „Vorarlberger Rind“ ?

Thomas Jutz: Die Zeiten werden härter. Durch die Genossenschaftsgründung ist es möglich, Personalressourcen optimal einzusetzen und an einer besseren Vermarktung zu arbeiten. Zudem verfügen die heimischen Rinderzüchter so über eine gemeinsame Interessensvertretung, können ihren Anliegen somit mehr Gewicht verleihen.

Was sind die größten Herausforderungen in Sachen Rinderzucht?

Jutz: Rinderzüchter haben einen hohen Aufwand, erzielen in der Regel eher niedrige Erlöse für ihre Tiere. In Vorarlberg erfolgt die Abkalbung (Geburtsvorgang beim Rind; Anm.) vorrangig in den Monaten Oktober, November und Dezember. Das hängt mit der Alpkultur zusammen – diese gibt quasi den Rhythmus vor. Vorarlberg ist zudem sogenanntes Grünland. Das bedeutet, dass auf landwirtschaftlich genutzten Flächen Gras und krautige Pflanzen als Dauerkultur wachsen. Hierfür gibt es ein sogenanntes Umbruchverbot – das Grün darf also nicht in Ackerland umgewandelt werden. Es wird meistens als Weide oder Alp bewirtschaftet. Die beste Wertschöpfung erfährt es über die Milchwirtschaft. Ganz anders sieht die Situation beispielsweise in Ostösterreich aus.

Wie unterscheidet sich der Osten diesbezüglich vom Westen Österreichs?

Jutz: Ostösterreich ist ideal für die Rindermast. Es gibt zahlreiche Ackerflächen, auf denen Futtermittel angebaut werden. Es wird mehr auf Fleisch- als auf Milchwirtschaft gesetzt, die Verarbeitung geht in großen Schlachthöfen vonstatten. Generell geht der Trend hin zur Konzentration. In Deutschland sperren beispielsweise immer mehr private Schlachthöfe zu und die Tiere werden in riesigen Betrieben geschlachtet und verarbeitet. Mit solchen Massen können Produzenten aus Vorarlberg nicht konkurrieren. Hier ist die Landwirtschaft klein strukturiert und es werden keine ­enormen Mengen produziert. Der Aufwand ist dementsprechend größer. Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus. Leider wird im Supermarkt oft zum günstigeren Produkt gegriffen. Im Lebensmittelhandel wird aber meist in Containern oder Sattelzügen gerechnet, nicht in Kilos oder Stück.

Viel Aufregung gab es vor Kurzem auch um das Thema Tiertransporte.

Jutz: Wir möchten nach Möglichkeit unsere Tiere im Land vermarkten. Aber es muss eben der Preis stimmen und dieser ist im Ausland mitunter besser. Derzeit sind die Menschen in Sachen Tiertransporte sensibilisiert. In Deutschland wird momentan darüber diskutiert, diese zu verbieten. Das stellt die Landwirte dann allerdings wieder vor ein großes Problem, weil sie am heimischen Markt nicht genug Umsatz erzielen. Das Ganze ist ein Kreislauf, da können nicht einzelne Bestandteile herausgepickt werden. Man kann nicht den Stopp von Tiertransporten fordern und gleichzeitig auf günstige Produkte aus dem Ausland zurückgreifen.

Wie soll es in Zukunft für Vorarlbergs Rinderzüchter weitergehen?

Jutz: Wir haben keine Illusionen, dass sich der Markt schnell zu unseren Gunsten verändern wird. Es gilt, kleine Schritte zu setzen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und Kooperationen auszubauen. Mit der Organisation Vorarlberg Rind ist dies nun möglich.

<p class="caption">Braunvieh auf der Alpguesalpe im Silbertal.</p><p class="credit"> Vorarlberg Rind</p>

Braunvieh auf der Alpguesalpe im Silbertal.

 Vorarlberg Rind

„Wir haben keine Illusionen, dass sich der Markt schnell zu unseren Gunsten verändern wird.“

Thomas Jutz

Information

Vorarlberg Rind

Seit 1.1.2018 besteht die neue Organisation Vorarlberg Rind. Dabei handelt es sich um eine Genossenschaft der Zuchtverbände Braunvieh, Holstein, Fleckvieh und Fleischrinder. Die Genossenschaft wurde gegründet, um Ressourcen zu bündeln und bestmöglichen Service für die Vorarlberger Rinderhalter zu gewährleisten.

Wichtigste Vorteile für die Rinderzüchter: Vorarlberg Rind fungiert als eine Ansprechstelle für alle oben genannten Rinderrassen, einheitliche Vermarktung, Kostensparung (nur eine Mitgliedschaft für mehrrassige Betriebe)

Vorarlberg Rind

Zuchtverband eGen

6900 Bregenz, Jahnstraße 20

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.