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Spielerische Reise durch das Land

„Anna und Paul entdecken Vorarl­berg“ heißt ein neues Sachbuch für Kinder von Margit Brunner Gohm. Eine ­kunterbunte, lehrreiche und ­spannende Tour durch das Land.

Von Brigitte Kompatscher

Martha, die Mama von Paul, ist Imkerin. Wenn die Frühlingsblumen im Tal verblüht sind, wandert sie mit ihren Bienenstöcken ins Laternsertal auf rund 1000 Meter Höhe. Dort beginnt die Frühlingsblüte später, und die Bienen können sich weiterhin an den Frühblühern laben. Der zehnjährige Paul und seine 39-jährige Mutter Martha sind zwei von zahlreichen Figuren des nun vorliegenden und durchwegs überzeugenden Kinderbuchs „Anna und Paul entdecken Vorarlberg“ von Margit Brunner Gohm (54).

Brunner Gohm, eine gebürtige Tirolerin, die seit rund 30 Jahren in Vorarlberg lebt, hat selbst Bienen und kennt sich also aus mit den fleißigen Sammlerinnen. Aber nicht nur damit. Ihr umfangreiches Sachbuch beinhaltet eine wahre Fundgrube an Themen – erzählt und dargestellt an vier Hauptfiguren, den „Kunterbunts“.

Es sind dies die Kinder Anna und Paul sowie deren erwachsene Nachbarn Klara und Tobias. Im Umfeld der vier befinden sich dann noch eine ganze Reihe weiterer Figuren: Annas alleinerziehende Mutter Emma Adlassnigg, das Ehepaar Michaela und Klaus Immler, die Partnerinnen Gitte Goop Hehle und Mia Hehle, die gebürtige Syrerin Afra Ayan, die Bankangestellte Songül Akgül, deren Eltern aus der Türkei stammen, und noch andere mehr. Ein Kaleidoskop an unterschiedlichen Personen, so vielfältig wie die Gesellschaft nun mal ist.

Leseförderung. Brunner Gohm ist ausgebildete Volksschullehrerin und studierte Erziehungswissenschafterin. Unterrichtet hat sie allerdings „nur“ an der Universität. Derzeit ist die 54-Jährige in der Personal- und Organisationsentwicklung tätig. Seit vier Jahren leitet sie auch die Bücherei in Satteins, wo sie lebt. „Wenn Kinder in die Bibliothek kommen, kriegen sie von mir immer etwas vorgelesen“, sagt Brunner Gohm mit einem Grinsen, eine direkte und ­unmittelbare Form der ­Leseförderung. Viel in Schulen unterwegs war sie indes in den 1990er-Jahren als Trainerin für Selbstverteidigung und Prävention für Mädchen.

Themen rund ums Land. Über ihr nun vorliegendes Buch hat sie vor etwa zweieinhalb Jahren zum ersten Mal nachgedacht, erinnert sie sich. „Ich hatte das Gefühl, dass ein derartiges Buch fehlt“, schildert Brunner Gohm den Beweggrund für ihr Tun. Kinderbücher über Vorarlberg gebe es zwar, aber keines, das historische, sozialpolitische, geologische, naturwissenschaftliche und andere Themen rund ums Land aufarbeite. Themen, die mit „der jetzigen Zeit zu tun haben, in der vieles nicht mehr so klar ist, etwa wie man miteinander umgeht“, sagt sie. „Das ging mir einfach ab.“

Während sie in der Bücherei für die Kleinen Reisen zu Kindern in aller Welt veranstaltet, reist Brunner Gohm in ihrem Buch durch Vorarlberg. Sie habe sich in ihren drei Jahrzehnten im Land Vorarlberg erwandert, erzählt sie. Viele Kinder würden das allerdings nicht mehr tun, so ihr Eindruck. Daher nimmt die Autorin diese in „Anna und Paul entdecken Vorarlberg“ mit in die vielfältige Natur, Vergangenheit und Gegenwart des Landes und erzählt Geschichten, die sie in vielen Fällen so oder so ähnlich selber mit Kindern aus ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis erlebt hat. „Es ist zugleich auch eine Wertschätzung für das schöne Land“, sagt sie. Als „Zugereiste“ sei das nicht so selbstverständlich, meint die Tirolerin. „Da musst du dir das Ganze alles erst einmal erwandern und erarbeiten“.

Das Mädchenzentrum Amazone in Bregenz findet im Buch ebenso Platz wie der „Junge Sonntag“ am Landestheater. „Viele kennen dieses Angebot vielleicht nicht“, meint Brunner Gohm dazu. Prinzipiell geht es im Buch um Wissen, „aber spielerisch“. Und dieses Spielerische setzt sich fort in Rätseln, Basteltipps oder Rezepten – etwa jenem für einen Antischulstress-Tee einer Walser Kräuterexpertin. Und dass der Mittelpunkt Vorarlbergs der Fußballplatz in Sonntag ist, erfährt man auch.

Website. Mit dem Buch kann allerdings nicht nur „analog“ gearbeitet und gespielt werden, sondern auch digital. Immer wieder finden sich Hinweise auf die Website, wo es dann noch zusätzliches Material gibt – angefangen von Malvorlagen zum Ausdrucken bis hin zu Unterrichtsmaterialien für Lehrer. Hörtexte sind auch drauf, etwa in den verschiedenen Dialekten.

Auf rund 2000 Stunden schätzt Brunner Gohm die Zeit, die sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit der Arbeit am Buch verbracht hat: „Fast jede freie Minute hatte irgendwas damit zu tun“. Die Zeichnungen in „Anna und Paul entdecken Vorarlberg“ stammen vom Illustrator Christian Puille aus Hamburg, koloriert wurden sie von Caroline Pfister. Es sind bunte und lebendige Darstellungen, ergänzt von vielen Fotos, die die Autorin größtenteils selbst gemacht hat. Mit dem Illustrator gab es eine intensive Kommunikation, und so manches musste da auch genauer erklärt werden. „Auf den ersten Trachtenbildern etwa waren diese kniekurz“, erzählt Brunner Gohm mit einem Grinsen.

Aufbau. Inhaltlich ist das Buch nach Regionen, Talschaften und Städten gegliedert. Der Aufbau der jeweiligen Kapitel ist ähnlich: Beginnend mit einer Geschichte und einem Steckbrief geht es über in eine kurze Besiedlungsgeschichte. Es folgen die Besonderheiten der Gegend: naturwissenschaftlich, gesellschaftlich, historisch. Das ist detailreich, vielschichtig und äußerst spannend. Zum Vorlesen ist das Buch für Vier- bis Fünfjährige geeignet, informiert die Autorin, zum Selberlesen ab der dritten, vierten Volksschulklasse. Besonders freut Brunner Gohm, dass das Buch auf der deutschen Leseförderungsplattform www.antolin.de vorhanden ist, die auch hierzulande häufig verwendet werde, erzählt sie.

Nun aber hofft die Autorin, dass das Werk auch seine kleinen und großen Leser findet. Die ersten Reaktionen waren auf jeden Fall sehr positiv, berichtet sie. Als „Bereicherung für den Sachunterrricht“ empfehlen es etwa die Lehrpersonen der Volksschule Satteins. Kein Wunder: Neben einigem liebevoll aufgemachten Bekannten erfährt man wohl auch Neues und manchmal ebenso Skurriles. Etwa, dass „halb Dornbirn zum Liftla“ gekommen sei, als dort das erste Hochhaus Vorarl­bergs gebaut wurde – und dass die Wohnung im dortigen siebten Stock lange nicht vermietet werden konnte. Weil es sich niemand vorstellen konnte, so hoch oben zu ­wohnen.

Das Buch

Margit Brunner Gohm: „Anna & Paul entdecken Vorarlberg“. Ein kunterbuntes Sachbuch für Wissbegierige. ­Eigenverlag,
192 Seiten, 29,90 Euro.

Bücher können über jede Buchhandlung oder die Website bestellt werden (siehe unten).

Präsentation unter anderem am Samstag, 7. April, am Stand der BuchSchau im Rahmen der „Schau“ im Messegelände in Dornbirn, 12 bis 13 Uhr.

www.diekunterbunts.at

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