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Gastkommentar

Mut zur eigenen Einflussnahme

Ständig ist die Rede von Gewalt, Katastrophen und Tragödien. Der Mensch hört hin und registriert, doch statt das in seiner Macht stehende Mögliche dagegen zu unternehmen – akzeptiert er. Es ist bequemer, „anderen“ das konkrete Handeln zu überlassen. Schon Kant hat das im 18. Jahrhundert betont: „Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.“ Aber wieso ist der Mensch so träge und gegenüber noch so schlimmen Ereignissen und Gegebenheiten desensibilisiert? Und ist jede Hoffnung zu spät?

Dass viele Menschen den Drang nach Veränderung und individueller Einflussnahme wohl verloren haben, zeigt sich in Alltagssituationen. Da sind etwa Witze über den abrupten Wetterumbruch von frühlingshafter Wärme auf eisige Kälte zu nennen, die massenhaft Lacher ernten: „Das Wetter hat wohl noch nichts von der Klimaveränderung mitbekommen, wenn draußen ein Schneesturm tobt.“ Statt mit Verstand auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren, wird ein zentrales Problem – der Klimawandel – ins Lächerliche gezogen.

Warum mit Witzen oder Resignation reagiert wird, dafür gibt es Gründe. Erst diese Woche haben etwa die Schlagzeilen auf die Gletscherschmelze aufmerksam gemacht. Wortverbindungen wie „nicht mehr abwendbar“ oder „fünf nach zwölf“ waren dabei keine Seltenheit. Wundern darf man sich also nicht, warum sich Hoffnungslosigkeit breitmacht. Denn, wenn wie in diesem Fall vermittelt wird, dass die Gletscherschmelze nicht mehr abwendbar ist, warum soll dann noch wertvolle Energie für den Einsatz dagegen verschwendet werden?

Ein Grund für den mangelnden Veränderungseinsatz in der Gesellschaft ist aber nicht nur die allgemeine Vermittlung von Hoffnungslosigkeit, sondern auch der Eindruck, dass eine Einzelperson nicht viel bewirken kann. Natürlich hängt das damit zusammen, dass Statistiken mit Werten im vielstelligen Bereich argumentieren und damit das Wollen nach individueller Einflussnahme aus den Köpfen vertreiben. Doch schon einzelne Entscheidungen am Tag pro Person können auf die Umwelt positiven oder auch negativen Einfluss nehmen. Das gilt auch für das Schmelzen der Gletscher. Nach Angaben von Forschern der Universitäten Bremen und Innsbruck ist allein ein halber Kilometer Autofahrt für das Schmelzen von einem Kilo Eis verantwortlich.

Damit sind wir wieder bei der Frage nach dem Sinn und Nutzen des individuellen Einsatzes trotz unmöglicher Abwehr etwa der Gletscherschmelze: Der jetzigen Generation bringt es zwar nicht mehr viel, doch dafür den nachfolgenden Generationen, den Kindern und Enkeln. Wenn wir wenigstens zwischendurch unser Handeln oder eben Nicht-Handeln reflektieren und verändern, bleibt auch ihnen noch etwas von unserer schönen Welt.

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