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Plädoyer für mutige Frauen

Julia Ramsmaier motiviert die Zuschauer zur Siegerpose, die der Psyche einen positiven Kick geben kann. Miriam janeke (5)

Julia Ramsmaier motiviert die Zuschauer zur Siegerpose, die der Psyche einen positiven Kick geben kann.

 Miriam janeke (5)

Zeit für eine neue „Fuckup-Night“: Selbstständige erzählen vom Scheitern. Drei Frauen berichten im Dornbirner Spielboden, wie aus Fehlern gelernt wird.

Von Miriam Jaeneke

Eine reine Frauenausgabe der Fuckup-Nights hatte ich schon länger geplant. Wegen des Weltfrauentags und des Frauenvolksbegehrens dachte ich, jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür“, sagt Saša Filipovicc, Initiator und Organisator der Vorarlberger Fuckup-Nights.

Allerdings war es alles andere als einfach, genügend Frauen zu finden, die auf der Bühne stehen und über berufliches Scheitern sprechen wollten. „Ich habe viele Frauen angefragt“, sagt Filipovic. Die drei Frauen, die dann tatsächlich das Mikrofon in die Hand nehmen, haben bereits an einer Wiener Fuckup Night teilgenommen. Entsprechend lang ist der Anfahrtsweg, den sie auf sich genommen haben. Romy Sigl kommt zwar nicht wie die anderen beiden aus Wien, sondern aus Salzburg. Aber dafür hat sie gleich ihre ganze Familie mitgebracht: ihren sechs Monate alten Sohn Matheo, ihre Mutter als Babysitterin und ihren Vater, der sich nicht ohne ironischen Unterton als Chauffeur vorstellt. „Mein Motto ist: ,Do what you love‘. Deswegen muss mein kleiner Sohn dabei sein,“ sagt Romy Sigl. Kind und Karriere unter einem Hut, das kann auch so aussehen. „Ich habe heute zwei Anliegen: Ich möchte dazu beitragen, eine Scheiterkultur zu etablieren, das Scheitern salonfähiger zu machen. Jeder scheitert, das ist kein Beinbruch, sondern Normalität. Das nächste Vorhaben klappt“, gibt sich Sigl kämpferisch.

Frauen pushen. Und das zweite Anliegen? „Ich möchte die Frauen mehr pushen“, sagt die Speakerin. Das scheint notwendig zu sein, denn: „Männer gehen selbstbewusster mit ihrem Scheitern um“, weiß Organisator Saša Filipovic. Männer suchten die Schuld weniger bei sich, sondern mehr außerhalb. Frauen seien ehrlicher und täten sich dadurch schwerer.

Katrin-Cécile Ziegler sitzt im Publikum. Noch strömen viele an ihre Plätze, ist es nicht voll. „Ich kenne das Format und finde es super, dass es jetzt eine reine Frauen-Ausgabe gibt. Es sind hauptsächlich Frauen da, und die Männer, die kommen, sind im Schlepptau ihrer Frauen hier“, hat sie beobachtet. Das will Arndt Bergmeister so nicht stehen lassen. „Ich bin ein Mann und ohne Frau hier. Ich war bisher auf jeder Fuckup-Night, Geschlechter sind mir dabei egal.“

Als der Saal voll besetzt ist, ergreift Saša Filipovic das Wort und erklärt: „Wir wollen vor allem jungen Leuten Mut machen. Es geht nicht darum, das Scheitern zu glorifizieren. Keiner scheitert gerne. Aber die Norm ist das Scheitern, nicht der Erfolg.“

Den Auftakt macht Romy Sigl. Sie erzählt, dass sie in Salzburg einen Coworking-Space gegründet hat, also eine Büroinfrastruktur „für Freelancer, digitale Nomaden und Start-ups“. Und zwar zu einer Zeit, in der es hieß, dass Coworking-Spaces nur in Wien genügend Zulauf fänden. So weit, so erfolgreich. Dann fragten die Verantwortlichen einer großen Autofirma in München an: Sie wollten gerne eine Zusammenarbeit, wollten einen Coworking-Space in ihren Räumen, um kurzfristig auf Querdenker und Menschen voller Aufbruchsgeist zurückgreifen zu können.

Probleme. Bald gab es Schwierigkeiten beim gemeinsamen Planen. Außerdem hieß der gemeinsame Vertrag zwischen der Firma und Sigl „Mietvertrag“ anstatt „Kooperationsvertrag“ – für Sigl im Nachhinein ein gutes Beispiel für das Ungleichgewicht zwischen den Geschäftspartnern. Den Ausschlag für ihr „Nein“ gab jedoch die Bekanntgabe, rund um den Innenhof müssten die Fenster der zukünftigen Co-Worker verklebt werden, denn durch den Innenhof bewegten sich Prototypen, und die dürfe keiner vor der Zeit sehen.

Außer Zeit hat Sigl bei diesem gecancelten Projekt nicht viel verloren. Trotzdem hat sie sich ihre persönlichen drei Erfolgsfaktoren dadurch nachhaltig eingeprägt: „Erstens: Do what you love. Zweitens: Love your team. Und drittens: Love your independence.“ „Schaut in den Spiegel und fragt euch: Möchte ich heute noch tun, was ich gestern getan habe?“

Start-up-Gründung. Julia Ramsmaier erzählt: „Wir waren zu dritt, haben uns verstanden und in Wieselburg studiert. Da ist nicht viel los, und die Hochschule unterstützt Start-ups mit Know-how, Büros und so weiter. Also haben wir die ,Frischen Fritzen’ gegründet.“

Das waren Müsli-Verkaufsstände, regelmäßig wurden Schulen und Firmen beliefert. Der Haken: Die Marketing-Studierenden fanden mehr Gefallen daran, ihr Start-up zu präsentieren, als sehr früh morgens in der Produktionshalle zu stehen, auszuliefern, zu verkaufen und vor allem: zu akquirieren. Nach zwei Jahren begruben die drei die Geschäftsidee. Inzwischen sind sie anderweitig beruflich erfolgreich. Und sie halten sich an folgende Leitsätze: Wähle eine Geschäftsidee, die deinen Stärken entspricht. Frage dich: Welches Leben willst du leben? Gib Dinge, die du nicht selbst kannst, an Profis ab. Teste deine Ideen, statt im Labor zu tüfteln. Traut euch, Start-ups zu gründen!“

Schließlich ist Joy Medos mit ihrer Geschichte an der Reihe. Sie stammt aus Slowenien und hat bei einem niederländischen Öl- und Gaskonzern Karriere gemacht. „Mit gerade mal 30 Jahren hatte ich ein Budget von 600 Millionen Euro zu verwalten. Ich war mit 32 das jüngste geschäftsführende Vorstandsmitglied der Firma mit 60.000 Mitarbeitern. Ich habe mit dem spanischen König Kaffee getrunken und war immer auf Achse.“

Stopp für Stress. Bis ihr eines Tages ihr linker Arm nicht mehr gehorchte, dann der rechte. Krebs? Multiple Sklerose? Letztendlich war es der Stress, das Streben nach Macht, mit dem sie sich unter Druck gesetzt und krank gemacht hat. Sie ist ausgestiegen und geht heute in einem langsameren Tempo voran. Allerdings steckt nach wie vor die Businessfrau in ihr: Gerade unterschreibt sie einen Vertrag, der sie in den Aufsichtsrat einer deutschen Firma bringt.

<p class="caption">Die drei Speakerinnen Joy Medos, Julia Ramsmaier und Romy Sigl (v.l.). Miriam Jaeneke</p>

Die drei Speakerinnen Joy Medos, Julia Ramsmaier und Romy Sigl (v.l.).
 Miriam Jaeneke

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