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Vom Rio Grande ins Vorderland

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen hat der brasilianische Software-Tester Roni Warken Unternehmen in aller Welt angeschrieben. Gezogen hat es ihn letztlich nach Vorarlberg zu Omicron.

Von Johannes Hofer

Es wäre wohl etwas viel verlangt, von einem Brasilianer zu erwarten, dass er die Gemeinde Klaus kennt. Oder überhaupt Vorarlberg. Immerhin ist das Bundesland etwa 9000 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt. Zumindest Roni Warken konnte mit den fremden Namen ursprünglich nicht viel anfangen: Das Ländle war auf seiner geistigen Landkarte schlichtweg nicht vorhanden. Heute lebt er hier – und fühlt sich augenscheinlich sehr wohl in seiner neuen Heimat.

Es waren berufliche Gründe, die Warken dazu bewogen, Südamerika hinter sich zu lassen. Seit eineinhalb Jahren ist er als Software-Tester beim Unternehmen Omicron in Klaus tätig. Schon als Kind hatte der heute 44-Jährige Interesse an Informatik gezeigt. „Mit zehn, zwölf Jahren begann ich damit, über Computer nachzudenken“, erzählt er. Mit Betonung auf „nachdenken“. Aktiv an Computern zu arbeiten gestaltete sich für den Jungen aufgrund der finanziellen Situation der Familie eher schwer: „Wir konnten uns keinen eigenen Rechner leisten“, erklärt Warken. Somit blieb es zunächst bei zwei Informatik-Kursen, die er als Jugendlicher an der Volkshochschule absolvierte.

Mit 15 Jahren nahm Warken eine Stelle als Korrektor bei einer Zeitung an. Die Computer gingen ihm bei der Fehlersuche allerdings offensichtlich nicht aus dem Kopf: Nach zwei Jahren schrieb er sich schließlich an der Universität für ein entsprechendes Studium ein.

Hintergrundwissen. Die Algorithmus-Kurse und das Erlernen verschiedener Programmiersprachen sei ihm leichtgefallen, meint Warken – immerhin hatte er sich schon in jüngeren Jahren einiges an Hintergrundwissen angeeignet. Als er den Bachelor-Titel in der Tasche hatte, begann er als Software-Entwickler in einem Logistikunternehmen zu arbeiten, wechselte dann später zu einem Betrieb in einer anderen Stadt.

An der Informatik fasziniere ihn die stete Weiterentwicklung: „Von Jahr zu Jahr hat man mit neuen Geräten, Programmiersprachen, Architekturen zu tun. Es hört nie auf. Und mir gefällt es, Neues zu lernen“, erklärt Warken. Nach einigen Jahren habe er aber bemerkt, dass nicht nur fachlich, sondern auch im Unternehmen „gewisse Veränderungen“ im Gange seien, bemerkt er, ohne genauer auf die Entwicklungen einzugehen. Zudem habe er schon seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu ziehen. Warken wollte Erfahrungen sammeln, neue Leute kennenlernen, neue Herausforderungen meistern. Der logische Schluss daraus: „Ich habe auf der Webplattform LinkedIn nach einem Arbeitsplatz außerhalb Brasiliens Ausschau gehalten.“

Freie Arbeitsplätze auf der ganzen Welt waren schnell gefunden. „Für IT-Fachleute gibt es sehr viele freie Stellen auf dem Markt“, lässt Warken wissen. Dabei sei für ihn allerdings festgestanden, dass es ein Unternehmen in Europa werden solle. Der Kontinent sei ihm schlichtweg „freundlicher“ als andere erschienen, sagt Warken. Zudem habe ihn die Kultur- und die Sprachenvielfalt gereizt.

Dass Warken auf seiner Suche auch auf Omicron stieß, ist einem Artikel geschuldet, in dem „great places to work“, also „großartige Arbeitgeber“, in Europa beschrieben wurden. Dennoch hätte Warken sich um ein Haar nicht bei dem Vorarlberger Unternehmen beworben. „Es ging auf Mitternacht zu. Ich hatte zuvor Firmen in Schweden, Spanien und Russland angeschrieben, war müde und wollte eigentlich schnell ins Bett“, erzählt er. Schließlich habe er sich dann durchgerungen, doch noch ein letztes Bewerbungsmail zu verschicken – nach Klaus.

Eben dort ist er im November 2016 letztlich gelandet. Eingelebt hat er sich schnell, nicht zuletzt dank der Unterstützung seiner Kollegen. „Hier sprechen alle Englisch, das macht es leichter“, meint der Wahl-Vorarlberger. Acht Nationen sind in seinem Team vertreten, er arbeitet etwa mit Fachleuten aus Spanien, Russ­land, Deutschland, Indien, Kroatien und Serbien zusammen.

Bei Omicron standen für Warken einige neue Aufgaben an. Denn während er vorher nur mit Software befasst war, spielt nun auch die dazugehörige Hardware eine große Rolle in seinem Arbeitsleben. Im Klauser Betrieb werden Geräte hergestellt, die zum Testen von Schutz- und Messeinrichtungen in elektrischen Energiesystem dienen. „Ich simuliere realistische Szenarios, anhand derer verhindert wird, dass Geräte etwa bei einem Kurzschluss Schaden nehmen können“, erklärt er.

Kreis geschlossen. Warken ist nun beruflich dort, wo er sein will. Denn ursprünglich plante er, Elektrotechnik zu studieren – aus Angst, den Aufnahmetest nicht zu bestehen, bewarb er sich jedoch gar nicht erst um einen Studienplatz in diesem Fach. Die Entscheidung habe er ein wenig bereut, gibt er zu. In Vorarlberg hat er allerdings doch noch einen Weg in die Branche gefunden. „Im Leben schließen sich manchmal Kreise“, meint der Brasilianer dazu. Was jedoch nicht heißt, dass seine Programmierkenntnisse nun obsolet geworden sind. Warken entwickelt etwa Software, mit der sich gewisse Tests automatisiert durchführen lassen. „Das macht den Job einfacher. So wird keine Zeit damit verschwendet, immer wieder die gleichen Dinge zu tun“, erläutert er.

Zugegeben: Warken hat in vielen Artikeln gelesen, dass eben durch Automatisierung in naher Zukunft Arbeitsplätze verschwinden werden. „Daran zweifle ich nicht“, sagt er. Wer sich entsprechende IT-Kenntnisse aneigne, könne sich jedoch „der Zukunft anschließen“, wie der 44-Jährige es ausdrückt. „Die Welt wird immer abhängiger von Technologien. Bei vielen elektronische Geräten ist es für die Menschen mittlerweile selbstverständlich, dass sie da sind.“ Er geht davon aus, dass künftig rund um den Globus noch mehr Fachleute in dieser Branche gesucht werden.

Immerhin hat es auch ihn so ins Ländle verschlagen. Im Übrigen würden sich auch seine Frau Flavia und seine Tochter Beatrice hier wohlfühlen, berichtet Warken. Die beiden hätten ihn bei der Entscheidung, aus Brasilien auszuwandern, stets unterstützt. „Ich habe sie immer wieder gefragt, ob es auch das ist, was sie wollen. Wenn sie nur einmal Nein gesagt hätten, hätte ich meine Bewerbungen sofort zurückgezogen.“

Dialekt. Sorgen haben sich Warken und seine Gattin nur darüber gemacht, ob Beatrice mit der deutschen Sprache und dem hiesigen Dialekt zurechtkommen würde. Mittlerweile ist es so, dass die Achtjährige gelegentlich für die Eltern übersetzen muss, wenn diese etwas nicht verstehen. „Flavia und ich lernen noch. Unsere Tochter konnte sich nach vier oder fünf Monaten gut mit ihren Freundinnen unterhalten“, sagt Warken. Dann führt er einen Finger zur Schläfe, zwinkert und meint: „Es geht eben alles ein bisschen schneller, wenn die Hardware hier neu ist“. Ein passender Vergleich aus seinem Mund.

Zur Person

Roni Warken

Jahrgang: 1973

Geburtsort: Passo Fundo (Brasilien, Bundesstaat Rio Grande do Sul)

Wohnort: Klaus

Ausbildung: Bachelorabschluss in Computer Science

Familie: verheiratet mit ­Flavia, eine Tochter (8)

Hobbys: Joggen, Radfahren, Kochen

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