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Doppeltes Engagement bei der Feuerwehr

Zahlreiche „Gastfeuerwehrleute“ aus allen Teilen des Landes verstärken die Betriebsfeuerwehr der ÖBB Infrastruktur in Wolfurt. Was als Not­lösung begann, ist mittlerweile etablierte Praxis.

Von Michael Steinlechner

Eine einzigartige Truppe sind Markus Mayr und seine über 60 Mitstreiter. Sie sind alle Teil der Betriebsfeuerwehr der ÖBB Infrastruktur. Und das, obwohl ein Großteil der Florianijünger überhaupt nicht bei den Bundesbahnen beschäftigt ist. Zwölf Feuerwehrleute sind Eisenbahner. Zwei sind beim Zoll beschäftigt. Der Rest geht anderen beruflichen Tätigkeiten nach – teilweise bei Unternehmen am Güterterminal Wolfurt, teilweise andernorts und ohne Bezug zum Schienenverkehr. Für eine Betriebsfeuerwehr ist dies eine unübliche Konstellation.

Grund dafür ist eine Weichenstellung, die vor über zehn Jahren getroffen worden ist. Damals lag die Mitgliederzahl bei nur noch etwa 15, berichtet Kommandant Markus Mayr. Und die Rekrutierung von „Nachwuchs“ bereitete immer mehr Probleme. So entschieden die Verantwortlichen schließlich, künftig auch Nicht-Eisenbahner als so genannte „Gastfeuerwehrmänner“ aufzunehmen. Heute zeigt sich, dass diese Maßnahme ihre Wirkung nicht verfehlt und sich definitiv gelohnt hat.

Dabei sind sich Mayr, sein Stellvertreter Alexander Lorenzi und die beiden Wehrmänner Bernd Fink sowie Thomas Lins einig, als sie im Feuerwehrhaus am Güterbahnhof Wolfurt gemeinsam am Tisch sitzen und von ihren Erfahrungen berichten. Mayr und Lorenzi arbeiten bei den ÖBB. Fink ist bei einem Speditionsunternehmen am Güterbahnhof tätig. Lins ist bei der Marktgemeinde Rankweil angestellt.

Blick über den Tellerrand. Die vor Jahren eingeführte Regelung bringt allen Beteiligten Vorteile. Für die Verantwortlichen der ÖBB-Betriebsfeuerwehr ist es dadurch einfacher geworden, den Aktivstand hochzuhalten. Außerdem können erfahrene und bereits gut ausgebildete Feuerwehrleute rekrutiert werden. Weiters wird so der Blick über den Tellerrand erleichtert. Schließlich sind die Abläufe in jeder Wehr ein bisschen anders. „Da kann man voneinander lernen und sich austauschen“, erläutert der Riefensberger Bernd Fink.

Auch die ehrenamtlichen Helfer profitieren von ihrem Engagement beim Team der Bundesbahnen. Denn das Betätigungsfeld bei der Betriebsfeuerwehr ist ein breiteres als in den meisten Gemeinden. Beispielsweise wird der Umgang mit Gefahrstoffen geübt. Ebenso müssen die ÖBB-Feuerwehrler wissen, was bei einem Unfall im Bereich der Gleise zu tun ist. Dort geht vor allem vom Strom, der durch die Oberleitungen fließt, eine Gefahr für die Einsatzkräfte aus. Die Freiwilligen lernen daher, welche Abläufe bei einem Unfall notwendig sind. So muss die Stromversorgung von der Notfallleitstelle abgeschaltet werden. Danach werden die Leitungen von den Feuerwehrleuten auch noch geerdet, damit diese wirklich keinen Strom mehr führen. Erst dann ist es sicher, an der Unfallstelle zu arbeiten.

Der Einsatzbereich der ÖBB-Betriebsfeuerwehr, die ursprünglich für den Güterterminal Wolfurt gegründet wurde, umfasst heute das gesamte Schienennetz und die Bahnanlagen in Vorarlberg. Bei jedem Vorfall werden die Helfer alarmiert. Die Palette reicht vom steckengebliebenen Lift am Bahnhof bis hin zu Zugunglücken oder Bränden an den Gleisanlagen. Auch dabei ist es ein Vorteil, dass die Mitglieder der Wehr aus allen Teilen des Landes kommen. Im Notfall ist immer schnell jemand vor Ort. So wie beispielsweise Thomas Lins. Er wohnt und arbeitet in der Marktgemeinde Rankweil. Dort ist er auch in der Feuerwehr engagiert. Beruflich ist er als Gemeindebediensteter täglich im Ort unterwegs und in seinem Dienstfahrzeug ist immer die Einsatzkleidung der ÖBB-Feuerwehr mit an Bord. Er ist also jederzeit gerüstet, falls es zu einem Notfall im Bereich der Eisenbahnanlagen kommt.

Bei einem Einsatz werden die Feuerwehrleute über den Pager alarmiert. Vom Gerätehaus am Güterterminal in Wolfurt rücken sie dann aus. Neben diesem Standort verfügt die Wehr auch noch über einen kleinen Stützpunkt in Feldkirch. Ebenso wird mit der Feuerwehr Nüziders kooperiert. Deren Mitglieder sind ebenso für Unfälle im Bereich der Eisenbahn geschult.

In Bludenz ist zudem ein spezieller Zug stationiert, der sowohl in Tunnels als auch auf freier Strecke zum Einsatz kommt. Die Garnitur besteht aus einer Rettungs- und einer Löscheinheit. Erstere ist dafür gedacht, um Personen zu bergen. In einem gasdichten Container werden die Geretteten in Sicherheit gebracht. Über Sensoren werden sowohl der Innenraum als auch die Umgebung überwacht. Gemessen werden die Temperatur, aber auch mögliche Schadstoffe, die in der Luft liegen. Die Löscheinheit ist mit allen Gerätschaften ausgestattet, um Brände zu bekämpfen. Selbst Wassertanks sind vorhanden.

Erkundungsfahrten. Daneben verfügen die Einsatzkräfte der Betriebsfeuerwehr auch über ein Quad. Dieses ist am Güterbahnhof in Wolfurt stationiert und vor allem für Erkundungsfahrten gedacht. Nicht alle Stellen auf dem Areal des Terminals sind für Einsatzfahrzeuge leicht zu erreichen. Mit dem Quad ist es möglich, Schienen zu überqueren, sich zwischen Gleisen sowie Zuggarnituren zu bewegen und auf diese Weise schnell von A nach B zu gelangen.

Zwischen 70 und 80 Einsätze müssen jedes Jahr von den Feuerwehrleuten bewältigt werden. Heuer waren es in den ersten drei Monaten des Jahres bereits 30. Zusätzlich wird regelmäßig geprobt. Der zeitliche Aufwand ist entsprechend hoch. Vor allem da die Freiwilligen auch noch in ihrer jeweiligen Ortsfeuerwehr aktiv sind und dort mitunter ein ähnliches Pensum zu bewältigen haben. „Ohne die Unterstützung der Familie geht das nicht“, ist Bernd Fink überzeugt. Doch nicht nur die Angehörigen stehen hinter den Ehrenamtlichen. Auch von den Verantwortlichen der ÖBB wird das Engagement gewürdigt und entsprechend unterstützt. Das trägt dazu bei, dass die Motivation der Feuerwehrleute auf einem hohen Niveau liegt. „Und ein bisschen wahnsinnig sind wir schon auch“, meinen die vier Männer und lachen.

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