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Sebastian Manz: Ein Klarinettist als Festivalleiter

Interview. Der künstlerische Leiter des Klassik­- fes­tivals alpenarte, Sebastian Manz, spricht über seine Aufgaben, das Festival und die Vermittlungsarbeit.

Von Lisa Kammann

Sie haben 2018 die künstlerische Leitung der alpenarte von Drazen Domjanic übernommen. Wo liegt die Herausforderung dieser Aufgabe?

Sebastian Manz: Ich habe schon bei einigen Festivals mitgewirkt und kann auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen. Ich weiß auch, was dabei für die Musiker wichtig ist. Es ist primär unser Ziel, spannende Programme zu gestalten und ein junges Publikum anzuziehen. Aber wir sollten nicht außer Acht lassen, dass die Musiker sich auch wohlfühlen sollen, denn sie tragen ihre Erfahrungen auch weiter zu Kollegen.

Also ist auch die Meinung der Musiker wichtig?

Manz: Ich möchte eine gute Atmosphäre schaffen. Wobei die Intendanten in Residence für die Musiker verantwortlich sind, sie stellen die Truppe zusammen. Ich als künstlerischer Leiter kann das aber in eine bestimmte Richtung lenken, Ideen einbringen. Ich bin ein bisschen der beratende Mentor. Viele junge Musiker haben noch nie ein Festivalprogramm zusammengestellt. Das ist wichtig geworden: Wir sollten nicht nur mehr Musik spielen, sondern auch die andere Seite sehen, das Organisatorische. Ich hoffe, ich kann meinen Beitrag dazu leisten.

Worin liegen genau Ihre Aufgaben?

Manz: Mit ein paar E-Mails ist es nicht getan: Ich erstelle zusammen mit dem Indentant in Residence einen komplexen Probeplan, die Frage der Rechte sind zu klären. Die Videoaufnahmen müssen geplant werden, bei den Vorbereitungen für das Magazin, das Programmheft werde ich auch mit einbezogen, und so weiter. Die organisatorische Arbeit sollte nicht unterschätzt werden.

Sie meinen also, Musiker im klassischen Bereich sollten sich auch organisatorische Fähigkeiten aneignen?

Manz: Ja, absolut. Wir haben das in unserer Branche in den vergangenen Jahrzehnten etwas verpasst. Wir haben die Entscheidungsgewalt Menschen überlassen, die primär keine Musiker sind, sondern aus dem Wirtschafts- und Managementbereich kommen. Das ist in erster Linie auch kein Problem. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir als Musiker manchmal einen anderen Zugang zur Materie finden sollten.

Ein Ziel der alpenarte ist es, ein junges Publikum anzuziehen. Wie soll das gelingen?

Manz: Meiner Meinung nach geht es nicht nur darum, das Programm zu ändern. Ich denke, wir können einem jungen Publikum anspruchsvolle Werke zutrauen. Ich glaube, es geht auch um die Art der Präsentation. Wir halten an Traditionen fest, wie ein Konzert auszusehen hat: geteilt in zwei Hälften à 40, 45 Minuten, dazwischen gibt es eine Pause, und dann eine Zugabe. Wir machen das bei der alpenarte zwar auch so (lacht), aber ich denke, was die Moderation betrifft, da kann noch viel getan werden. Wir werden das Programm selbst führen. Da merken die Kinder: Die Musiker sind normale Menschen, die normal mit uns reden können. Oder sie sagen: Ach, der war doch bei uns im Workshop. (Der Austausch zwischen Künstlern und Jugendlichen wird durch einen Workshop mit Schülern aus Schulen der Region realisiert, Anm.) Wir wollen Veranstaltungen anbieten, bei denen die Kinder und Jugendlichen näher an uns dran sind, und wenn sie Fragen haben, können wir direkt antworten. Wir wollen dieses Elitäre, Unantastbare vermeiden.

Und worauf achten Sie beim Programm?

Manz: Das Programm möchten wir „catchy“ (eingängig, einprägsam, Anm.) gestalten. Ich möchte ein Programm vermeiden, dass nur aus „Häppchen“ besteht. Es sollen auch vollständige Werke gespielt werden. Sonaten mit mehreren Sätzen, wo die jungen Zuhörer sich einige Minuten lang konzentrieren müssen. Damit fördern wir auch gewisse Fähigkeiten, wie Konzentration und Zuhören. Musik ist nicht nur Bildung, sondern auch Erziehung. Ich versuche, eine gute Mischung zu finden. Das Festival soll einen Eventcharakter haben, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Das Wichtigste ist und bleibt der Inhalt.

Eine Besonderheit im Programm scheint das Dschungelbuch-Medley zu sein.

Manz: Das ist verrückt, so viele Menschen sprechen mich darauf an, die Leute sind schon gespannt darauf (lacht)! Ich selbst bin ein großer Walt-Disney-Fan. Es war mir ein besonderes Anliegen, drei Songs aus dem Film zu nehmen und entsprechend zu bearbeiten. Es ist einfach fantastische Musik, die super swingt. Es ist ein Experiment. Ich möchte jungen Leuten zeigen, dass solche Lieder auch auf klassische Instrumente übertragen werden können. Das Arrangieren ist auch ein Thema in den Workshops. Da gibt es viele Möglichkeiten, etwas zu gestalten und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Das versuche ich auch in dem Konzert zu zeigen. Und es passt auch zu dem Titel „Let’s dance!“, da ist viel Rhythmus dabei. Und vielleicht werden die Leute auch tanzen (lacht).

Wie hat Petrit Çeku das Programm gestaltet? Es gibt ja viele Arrangements, und die Gitarre ist der Mittelpunkt.

Manz: Petrit Çeku ist Gitarrist, da ist klar, dass die Gitarre im Zentrum steht. Er hat auch Stücke mitgenommen, die ich vorher nicht gekannt habe, die aus einer anderen Zeit stammen. Für mich als Klarinettist be­ginnt die Musikgeschichte ja erst ab 1700 oder 1750. Petrit Çeku meint, dass die Gitarre vorab das primäre Instrument war, das in Begleitung mit anderen Instrumenten erschien. Es wird Originalwerke geben, aber eben auch Arrangements. Das passt sehr zur Gitarre. Wir haben zudem immer wieder den Tango von Astor Piazzolla aufgegriffen.

Wie begann Ihre eigene Musikkarriere?

Manz: Um mich herum war schon immer Musik, meine Eltern sind beide Pianisten. Meine Mutter kommt aus Russland, mein Vater ist in Solingen aufgewachsen. Meine Eltern haben sich in Hannover im Studium kennengelernt, und dann kam ich. Ich war früher an der Musikschule in Hannover und habe zuerst Blockflöte gelernt, war in der musikalischen Früherziehung. Deshalb weiß ich auch, wie wichtig das für junge Menschen ist. Damals hat mir meine Blockflötenlehrerin gesagt: Sebastian, als Bläser bist du sehr begabt, aber bitte suche dir ein Instrument, das mehr hergibt. Dann habe ich mich umgeschaut, und es ist dann schließlich die Klarinette geworden – aber nicht primär wegen des Instruments, sondern wegen des Lehrers. Weil er den Unterricht so spannend gestaltet hat. Die Klarinette gibt ja auch wahnsinnig viel her, sie ist stilistisch flexibel und vielseitig einsetzbar. Das hat mich fasziniert.

Sie sind auch immer wieder in der Vermittlung im Musikbereich tätig.

Manz: Ja, ich denke, dass die Kinder etwas davon haben, auch wenn sie später keine Musiker werden. Sie werden in der Disziplin, sozialen Kompetenz geschult, und viel mehr. Das ist im Sport auch so. Ich glaube, Kunst und Sport sollten in den Schulen mehr vertreten sein. Kinder lernen etwas dabei, und sie sind unsere Zukunft. Da sollten wir auch langfristig vorausdenken.

<p class="caption">Das junge Publikum bei der Vermittlungsarbeit.</p><p class="caption"> Andreas Domjanic (2)/Filmquadrat GmbH (1)</p>

Das junge Publikum bei der Vermittlungsarbeit.

 Andreas Domjanic (2)/Filmquadrat GmbH (1)

alpenarte 2018 von 5. bis 8. April

Das alpenarte-Klassikfestival wird zwei Mal im Jahr in Schwarzenberg veranstaltet. Dabei gibt es junge Musiker als wechselnde Intendanten, diesmal ist es der Gitarrist Petrit Çeku. Das Eröffnungskonzert am Donnerstag, dem 5. April, um 20 Uhr im Angelika-Kauffmann-Saal hat den Titel „Histoire“, unter anderem werden Werke von Paganini zu hören sein. Am Freitag folgt das Konzert Europa, das Konzert Cantabile am Samstag wird in der Klosterkirche Bezau veranstaltet. Es folgt das Abschlusskonzert Let’s dance! Infos, Karten: www.alpenarte.eu

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