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Mit Ton und Menschen arbeiten

Der Brennofen (l.) und die witzige Skulpturengruppe im Schaufenster (r.).

Der Brennofen (l.) und die witzige Skulpturengruppe im Schaufenster (r.).

Seit Anfang April ist in der Bregenzer Kirchstraße der KreativWerkSalon von Tiina Kamenik geöffnet – eine Begegnungsstätte für Menschen, die mit Ton kreativ werden wollen.

Von Brigitte Kompatscher

Sie ist gebürtige Estin, studierte Volkswirtin und gelernte Finanzökonomin beziehungsweise Controllerin. Nun hat Tiina Kamenik in Bregenz ihren KreativWerkSalon gegründet, in dem sie mit Ton und mit Menschen arbeitet. Und sie hat sich damit eine Art Traum erfüllt, weil sie nun das macht, was sie liebt, erzählt die 55-Jährige.

Vor zwei Jahren ist Kamenik mit ihrem Mann, einem Salzburger, nach Vorarlberg gezogen. „Unser Traumbundesland“, sagt sie. Sie kannte die Gegend von Urlauben, und besonders die Berge hatten es ihr angetan. „Ich bin Sternzeichen Steinbock, die Berge sind mein Element.“ Dass sie hier sesshaft wurden, hat allerdings mit einigen Zufällen zu tun – aber der Reihe nach.

Tourimusamt. Kamenik hat in der estnischen Hauptstadt Tallinn Volkswirtschaft studiert und dann jahrelang beim estnischen Tourismusamt als Abteilungsleiterin gearbeitet. Vor neun Jahren übersiedelte sie mit ihrem Mann, einem Architekten, nach Österreich. „Wir sind am 28. Februar 2009 nach Wien gekommen, und am nächsten Tag bin ich zu einem Deutschkurs gegangen“, erinnert sie sich. Die deutsche Sprache konnte sie damals nämlich noch nicht.

Irgendwann begann sie dann, im Controlling-Bereich zu arbeiten. Allerdings kann der sehr einsam sein. „Ich liebe Menschen und Kommunikation, und das hat mir gefehlt“, erzählt sie. Und obwohl sie damals überzeugt war, weder kreativ zu sein noch zeichnen oder ähnliches zu können, hatte sie ein Bedürfnis danach – um etwas Freieres als ihre durchstrukturierte, von Zahlen dominierte Arbeit zu tun, auch als Ausgleich dazu.

Menschenfiguren. In jener Zeit hat ihr dann ihr Mann zu Weihnachten eine Packung Ton geschenkt. Ein Material, das sie von Anfang an ganz wunderbar fand – allerdings stellte sich zunächst die Frage, was sie damit machen sollte. Es wurden Köpfe, Gesichter, Menschenskulpturen – Figuren, die „immer einen Grund haben“, sagt Kamenik, Figuren, die jedes Mal eine Geschichte erzählen.

Vor zwei Jahren hat sie dann eine „sehr schöne“ Dokumentation über Vorarlberger Kunsthandwerk gesehen und sich daraufhin in einem Jobportal angemeldet – gefunden hat sie dort einen Job für ihren Mann. Seit September 2016 leben sie nun in Dornbirn, und auch in Vorarl­berg hat Kamenik zunächst als Controllerin begonnen. Wirklich glücklich war sie damit wieder nicht. „Für eine Änderung war ich aber noch nicht mutig genug“, weiß sie heute.

Auszeit. Im Sommer vergangenen Jahres war es dann soweit: Kamenik nahm sich eine mehrmonatige Auszeit, in der sie sich konkret die Frage stellte, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Ein Urlaub in Neapel brachte die Wende. „Ich kam zurück und wusste, jetzt geht es los.“ Das war im September. Sie informierte sich in der Folge über das Thema Selbstständigkeit, erarbeitete einen Businessplan und anderes: „Wenn etwas gut und richtig ist, geht alles leicht und flüssig“, beschreibt sie diese Zeit.

In der Bregenzer Kirchstraße, die immer mehr zum Schmuckstück in Hinblick auf besondere Geschäfte und Betriebe wird, wurde Kamenik bei ihrer Raumsuche fündig. Rund 60 Quadratmeter, die quasi dreigeteilt sind, stehen ihr für den KreativWerkSalon zur Verfügung.

„Wellness für den Kopf“ ist es, was die 55-Jährige dort anbietet. Sie greift dabei das Salonkonzept des 18. Jahrhunderts auf und verbindet das mit einer künstlerisch-handwerklichen Tätigkeit. Konkret bietet sie unter anderem Salon­abende (siehe Factbox) an, bei denen zunächst über ein vorher bestimmtes Thema gesprochen wird. Auch unter dem Aspekt, „dass wir langsam die Fähigkeit verlieren, miteinander zu kommunizieren“. Aus dieser Diskussion sollte sich für jeden Teilnehmer ein Thema, eine Geschichte ergeben, die er anschließend mit Ton modellieren möchte. Wobei es nicht um künstlerische oder handwerkliche Kompetenzen oder eine Bewertung geht, betont Kamenik.

Die Leute sollen auch keine Schüsseln oder Teller fertigen, sondern ein Werk, das mit ihnen zu tun hat, das etwas über sie sagt, erläutert Kamenik den Ansatz. Und dann erzählt sie – um zu verdeutlichen, was sie meint –, dass sie unlängst in der „Zeit“ einen Artikel über ein afghanisches Flüchtlingsmädchen gelesen hat, der sie sehr berührte. „Diese Geschichte habe ich modelliert.“ Bei den Salonabenden ist sie unterstützend tätig, ohne zu viel einzugreifen. „Die Leute sollen ihre eigene Kreativität finden“, erklärt sie.

Einladend. Die Räume in der Kirchstraße, die von den Farben Gold sowie Brauntönen und Grün dominiert sind, wirken einladend – offen und hell. Skulpturen von Kamenik werden dort auch ausgestellt und verkauft. Ganz unterschiedliche Figuren, die von Schmerz ebenso erzählen wie von Freude – oder einen gewissen Witz haben. „Esten sind ziemlich selbstironisch. Das ist schon in mir drin“, sagt sie.

Neben Salonabenden gibt es jeden Dienstag einen Offenen Werksalon, an dem jeder teilnehmen kann. Da geht es Kamenik vor allem darum, einen Platz anzubieten, an dem mit dem Material Ton gearbeitet werden kann, für Anfänger und für Fortgeschrittene. Einige Salonabende hat sie bisher durchgeführt – das Feedback war durchwegs positiv, erzählt sie. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist Musik, meistens wird ruhige klassische gespielt. Kamenik selbst, ein Opernfan, beginnt beim Modellieren indes stets mit Verdis „Traviata“.

Firmenevents. Seit Anfang April ist der KreativWerkSalon offen. Die Website soll in Kürze online gehen. Dort werden dann alle Termine bis August veröffentlicht, informiert Kamenik. Neben dem regelmäßigen Programm bietet sie auch Pakete für Firmen und Private an, etwa zur Team-Bildung, als Belohnung für Mitarbeiter, als Geburtstagsgeschenk oder anderes. Auch kleinere Ausstellungen, die zum Inhalt des Salons passen, soll es dort in Zukunft geben.

Die Liebe und Begeisterung für ihr Tun ist bei Kamenik durchwegs spürbar. Sie scheint angekommen zu sein. Das macht das Ganze dann letzendlich so stimmig und herzlich.

<p class="caption">Figuren von Kamenik und der Namenszug an der Wand.</p>

Figuren von Kamenik und der Namenszug an der Wand.

<p class="caption">Tiina Kamenik mit einer ihrer Skulpturen im neuen KreativWerkSalon.</p><p class="credit"> Klaus Hartinger (5)</p>

Tiina Kamenik mit einer ihrer Skulpturen im neuen KreativWerkSalon.

 Klaus Hartinger (5)

KreativWerkSalon

Inhaberin: Tiina Kamenik

Kirchstraße 22, Bregenz.

Öffnungszeiten: Montag bis ­Donnerstag, 10 bis 18 Uhr, Freitag, 10 bis 14 Uhr.

Salonabende: jeweils zwei Abende zwei Mal im Monat. Donnerstag, 17.30 bis 21.30 Uhr, Freitag, 14.30 bis 19 Uhr: Diskussionsrunde, gemeinsames Modellieren, Material, Getränke, Snacks, Beratung, ein Mal Teilnahme am Offenen Werksalon. Brennen und Glasieren werden extra verrechnet. Nächster Termin: 12. und 13. April.

Offener Werksalon: jeden Dienstag, 11 bis 16 Uhr. Einzelticket oder Fünfer- bzw. Zehnertickets erhältlich.

Anmeldung und Infos: tiina@kreativwerksalon.at – www.facebook.com/Kreativwerksalon/

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