Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Achtsam sein und das Leben pflegen

Eine Art Rückbesinnung auf Wesentliches, die Sehnsucht nach naturverbundenem Leben ortet Brigitte Pregenzer bei der jungen Generation. Vielleicht ein Grund für den Erfolg der Hildegard-Kennerin und -Lehrerin. Ihr Buch „Einfach fasten“ hat sich 30.000 Mal verkauft, ist überarbeitet und erweitert neu auf dem Markt.

Von Heidrun Joachim

Hildegard von Bingen gilt als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Die 2012 heiliggesprochene Nonne war Medizinerin, Dichterin, Kirchenpolitikerin – sie gilt als Universalgelehrte. Bis heute folgen viele ihren Lehren.

Die charismatische Kirchenlehrerin hat sich „auf leisen Sohlen über die Küche“ vor über 20 Jahren in das Leben von Brigitte Pregenzer (62) geschlichen. Ein Brotbackkurs war es, der ihre Neugier und ihren Drang nach mehr weckte. Mit Brot aus Dinkel hat die Dornbirnerin ihrem Leben eine Wendung verpasst.

Gut ernährt. Über dieses Getreide hielt Hildegard fest, dass es dem, der es isst, „rechtes Fleisch und rechtes Blut bereitet, er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen“. Jenes Brot habe in ihr das Gefühl erzeugt, gut ernährt zu sein, erzählt Pregenzer. „Gleichzeitig habe ich dann ebenso die Gewürze der Hildegard-Küche – wie etwa Galgant und Bertram – für mich entdeckt. Mehr und mehr haben mich das Wissen und die Erkenntnisse der Nonne in den Bann gezogen.“

Goldene Lebensregeln. In der Folge besuchte sie Seminare, studierte die Hildegard-Bücher. Gemüse und Kräuter wurden angebaut, das Kochen angeglichen an die Empfehlungen der Universalgelehrten.

Fasziniert war die gebürtige Schrunserin von der Persönlichkeit der Nonne, die für ihre Überzeugungen einstand, für ein freudvolles Leben nach Maß plädierte und Askese ablehnte. Die die sogenannten sechs goldenen Lebensregeln festhielt. „Diese besagen: Täglich an die frische Luft gehen und den Kontakt zur Natur pflegen. Auf gesunde Ernährung Wert legen, auf genügend Schlaf achten und ausreichende Ruhezeiten einhalten. Es bedeutet auch, eigene Interessen und Talente zu pflegen und sich in Tugenden wie Geduld, Großzügigkeit oder Nächstenliebe zu üben. Einmal im Jahr sollte gefastet werden, um sich so selbst zu beobachten.“

Ihre Begeisterung wollte Brigitte Pregenzer weitergeben. Zunächst im Kreis von Freundinnen. „Wir hatten kleine Kinder, trafen uns oft zum Austausch. Ich habe also für alle nach Hildegard gekocht. Oder bei Erkältungen entsprechende Mittel wie etwa Akeleitropfen empfohlen. Mit wenig Erfolg“, erzählt sie und lächelt. Nun, sie hielt fest an ihren aus Lesen und Leben gewonnenen Überzeugungen. Gab Kochkurse über die Volkshochschule. Der Kreis der Interessierten wuchs.

Mitstreiter gewinnen. Durch Selbststudium, Literatur, Vorträge und Seminare hatte sie sich selbst zur Hildegard-Beraterin ausgebildet. Sie wollte Mitstreiter gewinnen, die die umfängliche Lehre der Nonne verbreiteten. Deshalb gründete sie 2008 die Hildegard-Akademie, wählte als Veranstaltungsort Viktorsberg, knüpfte ein Netzwerk von Hildegard-Experten. Gemeinsam werden etwa Referenten ausgebildet, die diese Lehre fundiert weiterverbreiten. Inzwischen sind die Kurse bis Ende 2019 nahezu ausgebucht.

Zudem hat sich Pregenzer als Autorin profiliert. Ihr erstes Hildegard-Buch erschien im Jahr 2000 im Eigenverlag. Bislang sind es zwölf Bücher geworden, die sie teils gemeinsam mit Brigitte Schmidle im Tyrolia-Verlag herausgebracht hat.

Einfach tun. In diesen Werken werden neben der Ernährung alle wichtigen Lebensthemen parallel behandelt. Sei es das Fasten, die Geistes- und Talentpflege, die Eigenverantwortung für Gesundheit und Krankheit oder ebenso das Thema Spiritualität. Das Verbindende ist das Wort „einfach“ im Titel: „Einfach leben“, „Einfach fasten“, „Einfach für Kinder“, „Einfach gesund“, „Einfach kochen“. Das soll zum einen signalisieren, dass es leicht sein kann, nach Hildegard zu leben, und zum anderen motivieren, dies einfach zu tun. Illustriert wurde ein Teil der Bücher übrigens von Pregenzers Tochter Sophia (24).

Brigitte Pregenzer lebt nach dem Motto „Pflege das Leben, wo du es triffst“. Lebenspflege – das ist ein Achtsam Sein und ein Bewusstwerden speziell der alltäglichen Dinge. „Aufmerksames Zuhören kann genauso Lebenspflege sein wie ein liebevoll zubereitetes Essen. Dankbarkeit für die scheinbar selbstverständliche Gesundheit und Wertschätzung gegenüber Freunden sind ebenfalls Möglichkeiten, das Leben zu pflegen.“

<p class="caption">Brigitte Pregenzer hat sich intensiv mit Leben und Wirken der Hildegard von Bingen beschäftigt und lebt nach den Lehren der Heiligen.  Klaus Hartinger</p>

Brigitte Pregenzer hat sich intensiv mit Leben und Wirken der Hildegard von Bingen beschäftigt und lebt nach den Lehren der Heiligen.  Klaus Hartinger

Gesund und ungesund

Gesunde Lebensmittel nach Hildegard sind etwa Dinkel, Bohnen, Edelkastanien. Äpfel, Birnen (gekocht), Hirsch, Reh, Lamm, Barsch, Hecht. Gemieden werden sollten etwa Aal, Schweinefleisch, Porree und Pilze, die für die Heilkundige „die Gesundheit belasten“. Bei Erkrankungen wird in der Hildegard-Medizin die heilende Nahrung durch ausgewählte Kräuter und Elixiere ergänzt. So empfiehlt Hildegard etwa Galgant und Bertram, um den Stoffwechsel zu fördern und das Immunsystem zu aktivieren. Aus beiden Pflanzen lassen sich auch Elixiere zubereiten.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.