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Von Danielle Biedebach

Bewusste Inkompetenz

Mal ehrlich: Wer hat sich tatsächlich die kompletten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Facebook durchgelesen, bevor er den Button zur Anmeldung geklickt hat? Wohl die wenigsten. Ich eingeschlossen. Hätten es alle getan, dann würden kaum zwei Milliarden Menschen die soziale Plattform nutzen.

Der Wiener Professor Robert Rothmann hat eine Studie erarbeitet. Dazu hat er gut 1000 Facebook-Nutzern pikante AGB-Klauseln vorgelegt und gefragt, wer bewusst in diese eingewilligt hat. Das für mich nicht überraschende Ergebnis hat der Wissenschaftler im November 2017 veröffentlicht. 99 Prozent der User wissen nicht, was sie da digital unterzeichnet haben. Viele sind sogar empört, dass sie auf die Löschung bereits geteilter Informationen verzichten, persönliche Informationen für Studien und Produktentwicklung weitergeben oder ihren Name und Profilbild für Werbeanzeigen freigeben. Nun könnte man sagen, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Manche Klauseln sind in manchen Ländern nicht wirksam. Werden jedoch erst wirklich unwirksam, wenn sie tatsächlich jemand anficht.

Wirtschaftskammer-Präsident Hans-Peter Metzler sprach kürzlich von unbewusster Inkompetenz im Zusammenhang mit seinem neuen „Lieblings-Unwort“ Digitalisierung. Viele Menschen wissen also nicht einmal, dass sie nichts wissen. Ich denke aber, die Mehrheit ist tatsächlich bewusst inkompetent. Es ist ihnen schlichtweg egal, was mit Fotos und Co. passiert, welche sie in die ewigen Gründe des World Wide Web katapultieren. Dass gerade diese vorsätzliche „Egalität“ nicht nur im Bezug auf Facebook-AGB an den Tag gelegt wird, finde ich bedenklich. Der getroffene Hund bellt in dem Fall erst dann, wenn ihm der Skandal in vorgekauten Informationshäppchen vor die Schnauze gelegt wird. Sonst würden viele einen solchen vielleicht gar nicht erkennen.

Daten von Facebook-Usern wurden unrechtmäßig im großen Stil abgeschöpft. Das ist ein solcher Skandal. Viel schlimmer noch ist, dass diese im US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingesetzt worden sein sollen. So oder so: Daten sind das neue Gold. Forderungen nach strengerer Regulierung des Datenschutzes im Internet werden laut. Aber auch dies wird nichts daran ändern, dass wir mit einer gewissen Transparenz leben müssen. Denn was ist die Alternative? Will oder kann man heute überhaupt noch ohne Facebook-Account existieren? Bestimmt. Nein, mit Sicherheit. Zurück zum Briefeschreiben? Nein, sicher nicht. Denn da war ja etwas: Sogar die deutsche Post hat mit Daten gehandelt. Parteien wurden Empfehlungen gegeben, wo diese um Wähler buhlen sollten.

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