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„Das Thema Schlaf wird neu gedacht“

Interview. Constantin Eis ist globaler Geschäftsführer beim Matratzenhersteller Casper. Diese Woche war er bei der Gründung der Initiative „Startupland Vorarlberg“ zu Gast. Im Interview spricht er über das Start-up-Potenzial im Ländle und Veränderungen in puncto Schlaf.

Als wichtiges Kriterium wird bei Start-ups stets die Innovation hervorgehoben. Lässt sich diese überhaupt gezielt fördern, um eine Start-up-Szene aufzubauen, wie es hierzulande vorgesehen ist?

Constantin Eis: Ich wurde letztens gefragt, ob in Deutschland die Kohle-Subvention durch eine Innovationssubvention ersetzt werden sollte. Ich denke jedoch, dass Innovation nichts ist, was erzwungen werden kann. Es müssen eher die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Kinder brauchen die Freiheit, sich kreativ zu betätigen, sollten dann auch den Umgang mit neuen Medien lernen. Mit Programmieren und letztlich auch Unternehmertum in Kontakt gebracht werden. Später sollte es den Menschen nicht zu schwer gemacht werden, eine Firma zu gründen – in Deutschland beispielsweise ist das administrativ durchaus eine Herausforderung.

Wie schätzen Sie die Rahmenbedingungen für Start-ups in Vorarlberg ein?

Eis: Ich kenne Vorarlberg eher von der touristischen Seite. Vom Tourismus gibt es natürlich eine gute Portion hier, dazu einen sehr ausgeprägten und gesunden Mittelstand. Start-ups sind hier vermutlich eher die Second Chance: Es gibt mit Sicherheit viele Vorarlberger, die eine größere europäische Stadt sehen wollen, aber an einem gewissen Punkt in ihrem Leben wieder zurückkommen, um die Lebensqualität, die Berge und den See zu genießen. Wenn man diesen Leuten die Möglichkeiten gibt, etwas zu gründen, dann kann das sehr spannend sein.

Sie sehen also vor allem „Rückkehrer-Start-ups“ im Ländle?

Eis: Richtig.

Das Prinzip hinter Ihrer Firma Casper klingt banal. Weder Matratzen noch Onlineverkauf sind etwas Neues. Wo ist die Innova­tion bei Casper?

Eis: Drehen wir den Spieß um. Angenommen, ich frage: Können Sie sich an Ihren jüngsten Matratzenkauf erinnern? Und wenn ja, war das ein tolles Erlebnis, das Sie gleich wiederholen wollten? Spätestens an dem Punkt wird die Antwort „Nein“ sein. Die Offline-Erfahrung beim Matratzenkauf war überall eine schlechte. Und das ist auch ein Grund für unseren Erfolg.

Müssen Matratzen Ihrer Ansicht nach also zwangsläufig über das Internet verkauft werden? Oder gibt es Überlegungen, selbst in den Offline-Markt einzusteigen?

Eis: Die gibt es. Gewisse Kunden haben sicherlich noch Hemmungen, ein Produkt, das nicht günstig ist, online einzukaufen. Der Offline-Handel kann aber nur funktionieren, wenn ein eigener Laden eröffnet wird, oder in Zusammenarbeit mit einem Partner, der versteht, dass bei Casper eine Marke aufgebaut wird.

Bevor Sie bei Casper eingestiegen sind, waren Sie im Vorstand des Online-Möbelhändlers Home24. Was hat Sie bewogen, diesen zu verlassen?

Eis: Als ich 2011 zu Home24 gekommen bin, wurden da etwa 19 Millionen Euro Umsatz im Jahr erzielt. Vier Jahre später waren es 250 Millionen. Mir war dann klar, dass ich noch mal etwas starten wollte, was viel kleiner ist. Ich wollte noch mal von vorn anfangen und eine Marke aufbauen.

Home24 ist noch nicht in der Gewinnzone, die Firmenbewertung hat sich gegenüber früheren Jahren stark verringert. Sind Sie rechtzeitig abgesprungen?

Eis: Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Einschätzungen zur Firmenentwicklung. Den jüngsten Nachrichten zufolge, die ich gelesen habe, geht Home24 diesen Sommer an die Börse. Von daher geht es dem Unternehmen ganz gut, denke ich. Es ist nach wie vor der größte Online-Möbelhändler in Eu­ropa und Brasilien.

Ihr Firmenwechsel hat also nichts damit zu tun, dass Sie keine Zukunft für Home24 gesehen hätten?

Eis: Damit hatte das gar nichts zu tun. Mich hat einfach etwas Neues gereizt nach vier Jahren. Der Vorstand war zudem gerade mit zwei weiteren Geschäftsführern erweitert worden, das war von dem her der perfekte Zeitpunkt zu gehen.

Home24 und Casper sind beide Start-ups. Sind diese auch vergleichbar?

Eis: In beiden Fällen geht es um viel Wachstum, aber die Unternehmen sind grundsätzlich verschieden. Home24 ist ein Vollsortiment-Händler mit mehr als 100.000 Produkten, Casper dagegen eine Lifestylemarke, bei der vier Produkte vertrieben werden. Und da ist das Hundebett schon dabei. Home24 hat gigantische Distributionsnetzwerke und Lager, wir nicht. Dafür verfügt Casper über ein eigenes Produktentwicklungslabor in San Francisco.

Gibt es in dem Sektor von Casper überhaupt viel Raum für Neues?

Eis: Mit der Matratze wurde bei Casper eines der wichtigsten Produkte im Schlafzimmer designt. Das ist auch das Produkt, bei dem viele Menschen einen signifikanten Unterschied feststellen: Viele Europäer schlafen auf einer schlechten oder alten Matratze, wodurch sich Rückenschmerzen oder Verspannungen einstellen. Nun stellt sich die Frage, welche anderen Dinge das Schlafen noch stark beeinflussen.

Wie zum Beispiel?

Eis: Etwa eine Bettdecke aus Merino-Wolle und Daunen, die die Feuchtigkeit und Stauhitze abführt, die beim Schlafen entsteht. Wenn man schlecht schläft und einem zu heiß wird, streckt man meist ein Bein aus dem Bett raus. Das kühlt ab und wandert dann wieder zurück unter die Decke. Und so geht das die ganze Nacht, wodurch der Schlaf eben deutlich unruhiger wird.

Das erweckt den Eindruck, die Menschen hätten früher kaum eine Chance gehabt, gut zu schlafen.

Eis: Nein, es gab bereits vorher hervorragende Produkte. Allerdings auch in vielen Bereichen sehr teure. Es ist fraglich, ob jemand 14.000 Euro für eine Matratze ausgeben möchte.

Wie gesättigt ist der Markt für Matratzen?

Eis: Der Markt hat heute bereits eine gewisse Größe, aber er wird noch wachsen. Zudem bin ich überzeugt, dass die Menschen in Zukunft deutlich bewusster mit dem Thema Schlaf umgehen werden.

Inwiefern?

Eis: Wir haben festgestellt, dass das Thema im Internet stark an Bedeutung zunimmt. Momentan hält sich noch der Gedanke, dass derjenige, der wenig schläft, mehr leistet. Die Assoziation wird sich umdrehen. Bei einem Blick in den Spitzensport zeigt sich auch, dass etwa Cristiano Ronaldo einen eigenen Schlafcoach hat. Und Ronaldo scheint leistungstechnisch sehr ordentlich Fußball zu spielen. Schlafen wird noch mal neu gedacht, und es wird verstärkt darum gehen, wie jemand seine durchschnittlich sieben bis acht Stunden im Bett verbringt.

Sie haben eine Matratze in verschiedenen Größen im Sortiment, für jegliche Schläfertypen. Kritiker sagen, damit können nicht alle Bedürfnisse bedient werden. Warum reicht Ihrer Meinung nach eine Matratze doch für alle?

Eis: Kleine Korrektur: Das gilt nicht für Menschen mit mehr als 150 Kilo oder weniger als 45 Kilo. Es geht immer noch um ein Produkt mit gewissen physikalischen Eigenschaften. Dabei geht es im Wesentlichen um die Druckverteilung auf Kopf, Schulter und Hüfte. Diese Druckpunkte sind bei allen Menschen relativ ähnlich. Leider versucht der klassische Matratzenhandel nach wie vor, die Kunden an sich zu binden, indem ihnen Vielfalt suggeriert wird. Das ist aber nicht ganz richtig.

Wie viele Matratzen werden nach der Testliegephase von 100 Tagen zurückgeschickt?

Eis: Sehr wenige. Eine genaue Zahl wird aber nicht veröffentlicht. Die betreffenden Matratzen müssen dann leider recycelt werden. Wenn sie in einem wirklich guten Zustand wiederkommen, werden diese neu bezogen und für karitative Zwecke gespendet.

Angenommen, Sie sähen Ihre Aufgabe bei Casper als erfüllt an. Gibt es bereits Ideen für das nächste Start-up?

Eis: Ich habe schon zwei, drei Ideen. Im Bereich der medizinischen Versorgung und der Pflege dürfte noch viel passieren. Daher könnte ich mir auch vorstellen, irgendwann in diese Richtung zu gehen.

  Interview: Johannes Hofer

Zur Person

Constantin Eis (35) ist seit April 2016 als Co-Founder und Global Managing Director für das internationale Wachstum und die Kostenoptimierung bei Casper zuständig. Zuvor (Dezember 2011 bis Februar 2016) war er bei Home24 unter anderem als Vorstandsmitglied tätig. Seine berufliche Laufbahn startete der Absolvent der Handelhochschule Leipzig (BWL) als Berater bei Roland Berger Strategy Consultants.

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