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Sozialzentrum Bludenz

„Ein hartes, aber auch ein schönes Leben“

Albert Wachter (91) hat im Zweiten Weltkrieg gekämpft und danach wechselvolle Jahre erlebt. Heute schätzt er das Leben im Sozialzentrum Bludenz, in dem auch seine Frau rund um die Uhr gepflegt wird.

Von Thorsten Bayer

Den Humor hat Albert Wachter bis heute nicht verloren. „Ich bin schon 68 Jahre verheiratet, da hört man schlecht“, sagt er und lächelt. Dabei ist der Grund für sein schwaches Gehör ein ernster. Am zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahr 1944 wurde er eingezogen. Über Augsburg kam der damals 18-Jährige nach Leipzig und wurde dort in der schweren Luftabwehr K2 eingesetzt. Die zahlreichen Fliegeralarme haben sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt: „Ich musste in Stellung an eines von acht Geschützen. Ein Geschütz hatte vier Tonnen, wobei es beim Schuss einen Rückschlag von etwa anderthalb Metern gab – vom Lärm gar nicht zu reden.“ Kein Wunder, dass das Gehör geschädigt wurde.

Wachters Erinnerungen, vor allem an diese prägende Zeit, hat nun seine Tochter Christiane Berninger aufgeschrieben. „Er hat sich schon lange gewünscht, dass jemand seine Lebensgeschichte aufschreibt“, erzählt sie. „Bevor ich sie noch vergesse“, ergänzt er.

Unter einem Dach. Heute hat Albert Wachter in einer gemütlichen Sitzecke des Bludenzer Sozialzentrums Laurentius-Park Platz genommen, vor sich den Schnellhefter mit der Autobiografie, rechts neben sich seine Tochter Christiane. Er macht einen zufriedenen Eindruck. „Ich habe mehr als nur Glück gehabt, dass ich aus dem Krieg zurückgekommen bin“, sagt er. Seine kurze Zusammenfassung: „Ich hatte ein hartes Leben, jedoch auch ein schönes.“

Gut umsorgt. Seit elf Jahren wohnt er im damals neu erbauten SeneCura-Heim in ruhiger und gleichzeitig zentraler Lage: zur einen Seite das Schlosshotel und kurz dahinter die Altstadt, zur anderen der Muttersberg. Im August 2007 bezog der gebürtige Montafoner mit seiner Frau Erna eine betreute Wohneinheit.

Zwei Jahre später musste Erna Wachter nach einer Gehirnblutung und einem darauffolgenden Schlaganfall auf die hauseigene Pflegestation verlegt werden. Sie hat sich davon nicht mehr erholt und wird vom Pflegepersonal liebevoll umsorgt. „Jeden Vor- und jeden Nachmittag besucht Albert Wachter seine Frau“, erzählt Pflegedienstleiter Daniel Siegl. Fast täglich ist ebenso Sohn Peter, eines von fünf Kindern der Wachters, zu Gast.

Peter Wachter hat das Elternhaus in Gortipohl übernommen – ein Gebäude mit Geschichte, die seinem Vater heute noch viel bedeutet. Jedoch bis dieses Haus schließlich stand, waren für Albert Wachter und seine Frau einige Hindernisse zu überwinden.

Nach der geglückten Flucht aus Deutschland kehrte er nach Vorarlberg zurück. Sein großer Bruder Ignaz kam nicht aus dem Krieg zurück. In der Lodenfa­brik Schruns lernte er seine Frau kennen. Der Geschäftsleiter der Konsumgenossenschaft St. Gallenkirch bot ihm bald darauf eine Stelle als Abteilungsleiter in der Hauptfiliale an. Die Wachters zogen nach St. Gallenkirch, in eine Wohnung im Geschäftsgebäude – bis 1956 eine Mure das Haus völlig zerstörte. Wieder ein Umzug, dieses Mal nach Koblach, in Erna Wachters Heimatort. Ihr Ehemann arbeitete zu dieser Zeit in einer Türen- und Fensterfabrik in der Schweiz und fuhr nebenbei noch Taxi.

Doch schon damals träumte er von einem eigenen Geschäft. „Papa konnte schon immer gut handeln“, sagt Christiane mit einem Lächeln. Sein Verhandlungsgeschick kam ihm wenig später zugute. Zunächst eröffnete er in Gortipohl einen kleinen Lebensmittelhandel – in der Garage eines Einfamilienhauses. 1959 bezog die Familie im gleichen Ort ein eigenes Haus mit Geschäftslokal.

Mit Leib und Seele. Nun konnte Albert Wachter seiner Leidenschaft nachgehen und stürzte sich in die Arbeit. Die Geschäfte liefen gut. „Wir waren eine angesehene Familie, in der Schule hatte ich immer die beste Jause“, erzählt Tochter Christiane Berninger. Der Vater sei mit Leib und Seele Kaufmann gewesen. „Sonntags musste ich regelrecht flüchten und mit meiner Familie Ausflüge machen, sonst hätte ich auch an Sonn- und Feiertagen das Geschäft offen halten müssen“, ergänzt Albert Wachter.

Der Stress hielt über Jahre an, „er hat Tag und Nacht gearbeitet“, erinnert sich seine Tochter. 1978 ging er in Pension. 2012 musste das Geschäft, sein Lebenswerk, geschlossen werden: es rechnete sich einfach nicht mehr. „Das tut mir heute noch weh“, sagt er.

Wie im Hotel. Im Ruhestand nutzte er mit seiner Erna die Zeit bestmöglich, das Ehepaar verbrachte viele Winter in der Wärme, auf den Kanarischen Inseln – bis die Ehefrau dort eine Hirnblutung erlitt. Wenn die Sprache auf sie kommt, wird er plötzlich wortkarg.

Vor einem halben Jahr ist er aus dem betreuten Wohnen in ein Pflegezimmer gewechselt.

Albert Wachter fühlt sich wohl im Wohnbereich Mondspitze und im gesamten Sozialzentrum, in dem auch Hauskrankenpflege und Mobiler Hilfsdienst untergebracht sind: „Man hat eigentlich alles. Ich fühle mich wie im Hotel. Und die Leute sind freundlich.“

Der Laurentius-Park ist für Bewohner wie Mitarbeiter attraktiv. Im Vorjahr landete das Haus bei „Vorarlbergs beste Arbeitgeber“, einem Wettbewerb von Arbeiterkammer und vol.at, in der Kategorie „51 bis 100 Mitarbeiter“ in den Top Five.

Früher ging Albert Wachter gerne in die Berge, hat beispielsweise drei Mal den Piz Buin bestiegen. Bewegung ist ihm bis heute wichtig geblieben: „Jeden Tag gehe ich zu Fuß in die Stadt, 77 Stufen runter und wieder rauf. Das ist mein tägliches Sportprogramm.“

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